Filmdreh Verfolgungsjagd auf dem Spielplatz

Rudolf Brem spielt den Dorfalkoholiker Uwe, der unter Mordverdacht gerät und sich darum auf die Suche nach dem wahren Täter macht.

(Foto: Domar Film)

Garching-Hochbrück wird zum Drehort für einen Thriller in schwäbischer Mundart. Die Hauptrolle im Erstlingswerk eines Produzententeams aus Eichenau spielt der einstige Fassbinder-Darsteller Rudolf Waldemar Brem. Es dürfte sein letzter Auftritt in einem Film sein.

Von Viktoria Großmann, Garching

Ein Film noir auf Schwäbisch, ein Thriller um den Mord an einer jungen Frau, in dem Polizistin und Verdächtiger sich in tiefstem Dialekt beschimpfen. Das klingt eigentlich nach einem Witz, sieht aber im Trailer ziemlich spannend aus. Am Dienstag, 24.Februar, wird für den Spielfilm "Trash Detective" des Eichenauer Produzenten-Teams Dominik Utz und Martin Schwimmer auch in Garching gedreht.

Seit zweieinhalb Jahren arbeiten die beiden an ihrem Film. Es ist ihr Abschlusswerk fürs Diplom an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Und zugleich ein Anfängerstück, das ihre Karriere im Business begründen soll. Sie sind damit auf einem guten Weg. Sie haben bereits einen Verleih gefunden, was selten ist, außerdem beteiligt sich der Südwestrundfunk (SWR). Für die Besetzung haben Utz und Schwimmer bekannte Fernsehgesichter gewonnen, wie Therese Hämer, die zuletzt im Tatort aus Weimar zu sehen war, und Sebastian Fritz, der sich durch ein paar Episoden "Sturm der Liebe" eine junge, weibliche Fangemeinde erobert hat. Außerdem ist der etwas stillere und unbekanntere, ältere Bruder von Herbert Knaup, Karl, dabei. Der Clou ist jedoch die Besetzung des Hauptdarstellers: Rudolf Brem ist älteren Cineasten aus Fassbinder- und Schlöndorff-Filmen bekannt. Im Film spielt er den zwielichtigen Dorfalkoholiker Uwe, der von allen für den Mörder gehalten wird und deshalb selbst versucht, herauszufinden, wer es wirklich war. Dabei lässt er den Zuschauer immer wieder an seiner Unschuld zweifeln.

Die Charakterrolle könnte Brems letzte Rolle sein. Kurz vor Beginn der Dreharbeiten erfuhren die beiden Produzenten, dass der 66-Jährige an Lungenkrebs erkrankt ist. Die ersten 20 Drehtage in Baden-Württemberg hat er dennoch durchgehalten. Im Dezember, als eigentlich die letzten Szenen in der Umgebung von München gedreht werden sollten, wurde Brem ins Krankenhaus gebracht.

Für die jungen Produzenten ein weiterer Rückschlag in den schwierigen Dreharbeiten. Soviel die beiden Filmemacher für ihr Erstlingswerk bereits erreicht haben: Es war ein harter Weg und sie sind ihn noch nicht zu Ende gegangen. "Ich mache drei Kreuze, wenn dieser Film fertig ist", sagt Utz. Der 32-Jährige spricht oft schneller, als man ihm zuhören kann. Überzeugen, erklären, nachfragen: Um seinen Film voran zu bringen, musste Utz in den vergangenen Monaten viel reden. "Vor zweieinhalb Jahren hat kein Mensch an diesen Film geglaubt", sagt er.

In der MD-Papierfabrik in Dachau ist eine Schlüsselszene des schwäbischen Film noir gedreht worden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Schlüssel zum Erfolg lag dann nicht zuletzt in den anfänglichen Misserfolgen. Zum Beispiel in der Pleite mit dem Versuch eines Crowdfunding. Da merkten die Produzenten, dass ihre Zielgruppe zu ungenau ist. Anknüpfend an den damaligen Erfolg der schwäbischen Heimatkomödie "Die Kirche bleibt im Dorf", der ebenfalls vom SWR coproduziert wurde, beschlossen sie, ihren Thriller auf Schwäbisch umschreiben zu lassen. Der Drehbuchautor ist ein Studienkollege, ebenso wie Regisseur, Kameramann und Cutter. Verdienen werden sie alle an diesem Film nichts, vielleicht können sie ihre Kosten einspielen. Durch beharrliche Überzeugungsarbeit und Einnahmen aus Imagefilmen hat sich das Produzententeam ein fünfstelliges Produktionsbudget erarbeitet - das ist fast nichts für 25 Drehtage und ein etwa 25-köpfiges Filmteam. Die Schauspieler arbeiten alle ohne Gage. "Die sehen das als Nachwuchsförderung", sagt Utz. Vielleicht hofft der ein oder andere, dass der jetzige Nachwuchs ihn später noch einmal für Gage beschäftigt. Oft könne man Schauspieler auch überzeugen, indem man sie aus ihrem Rollenschema ausbrechen lässt. Die Produzenten selbst leben von Studienkrediten, hin und wieder einem Stipendium und nicht zuletzt der Unterstützung von Eltern und Großeltern. Film ist wie viele Künste oft brotlos und ohne Familie kaum machbar.

In den vergangenen Tagen wären Utz und Schwimmer gern in Berlin gewesen. In der Reihe "Perspektive Deutsches Kino" lief der Film "Homesick" auf der Berlinale, Utz und Schwimmer sind mit ihrer Firma Domar Film GmbH Coproduzenten des Streifens. Doch sie haben jetzt keine Zeit, Erfolge zu feiern. Sie müssen auf den nächsten hinarbeiten. Insgesamt fünf Drehtage in der Umgebung von München waren angesetzt. Am Wochenende wurden bereits Szenen in Dachau und Germering gefilmt.

In Garching-Hochbrück wird eine Verfolgungsszene gedreht. Der Hauptdarsteller Rudolf Brem soll auf der Tannenbergstraße vor der Polizei weglaufen und sich am Seilerweg in einem Spielplatz-Häuschen verstecken. Große Produktionsfirmen haben einen Location Scout, um die richtigen Orte auszuwählen. Bei der Studenten-Produktion machen so etwas Regisseur und Kameramann oder die Produzenten selbst. In Dachau wurde in der Industriebrache der ehemaligen MD-Papierfabrik gedreht, weil ein möglichst düsterer Ort gebraucht wurde. Zwölf Stunden verbrachten die beiden Hauptdarsteller und eine ungefähr 20-köpfige Crew in dem zugigen Gebäude, um eine kurze Dialogszene zu drehen: aus der Distanz, aus der Nähe, Mastershot, Schuss und Gegenschuss - das dauert. Nach jedem Cut wurden den Darstellern Decken umgehängt, ab und an huschte jemand in einen Nebenraum und hielt die Füße vor einen Heizlüfter. Dreharbeiten können hart sein.

Um die Orte wiederzuerkennen, müssen die Zuschauer später genau hinsehen - sie werden nur wenige Minuten zu sehen sein. Ende des Jahres soll der Film in die Kinos kommen.