Festivals Großer Jazz-Bahnhof

Finnische Jazz-Diva mit klangschöner, voluminöser Stimme: Tuija Komi stellt am Sonntag mit ihrem Ensemble in Unterföhring ihr neues Album "Midnight Sun" vor.

(Foto: Toni Heigl)

Im Landkreis gibt es in den nächsten Tagen und Wochen einige hörenswerte Konzerte. In Unterföhring lockt dabei ein ungewöhnlicher Auftrittsort mit freiem Eintritt

Von Udo Watter, Unterföhring

Mag sein, dass Jazz auf der Skala der hippen Musikgenres nicht die Nummer eins ist. Mag sein, dass er manchen zu komplex und verkopft klingt. Mag sein, dass sich daher der Zuspruch der jungen Zuhörer eher in Grenzen hält. An der Breite und Vielfalt des Angebots kann es nicht liegen, zumindest nicht in der Großstadt München und seinem Umland.

Auch jenseits der urbanen Atmosphäre der "Unterfahrt" oder des Nachtclubs im "Bayerischen Hof" haben Jazzfreunde enorm viele Gelegenheiten, Größen und Newcomer der Szene zu erleben. Im Landkreis München gibt es etwa diverse Reihen, die - mal klassischer, mal moderner - hohe Ansprüche bedienen. Neben den "Ottobrunner Konzerten" der Brüder Cornelius Claudio und Johannes Tonio Kreusch, Bernd Lhotzkys Festival in Oberhaching oder Vorstellungen in Pullach gibt es die erstklassige Reihe im Ismaninger Kallmann-Museum - an diesem Freitag, 7. Juni, gastiert dort der namhafte Modern-Jazz-Pianist Dieter Köhnlein - oder das Internationale Jazz Festival in Unterföhring.

Das wartet heuer in der 17. Auflage vom 11. bis 14. Juli wieder mit absoluten Hochkarätern auf: Unter anderem bieten Goya-Preisträger Juan Gómez "Chicuelo" (Gitarre) und Marco Mezquida (Klavier) zusammen mit ihrem spanischen Landsmann Paco de Mode (Percussion) einen packenden Mix aus Flamenco und Jazz (12. Juli). Und mit dem mittlerweile 77-jährigen Pianisten und Komponisten Chucho Valdés kommt nicht nur ein sechsfacher Grammy- und dreifacher Latin-Grammy-Preisträger, sondern vielleicht die einflussreichste Persönlichkeit des afrokubanischen Jazz überhaupt (13. Juli). Zum Abschluss wird die an der Elfenbeinküste aufgewachsene Schlagzeugerin, Komponistin und Bandleaderin Anne Paceo mit ihrer Band im Bürgerhaus auftreten - sie wurde 2016 als erste Frau mit dem "französischen Grammy", dem Victoire du Jazz, als "Künstlerin des Jahres" ausgezeichnet. Ihr Programm "Bright Shadows" gilt als farbenreiche Mischung aus Pop und sanftem Soul, angereichert mit Electro-Brüchen und gelegentlichen Anklängen an westafrikanische Beats.

Neben diesen kostenpflichtigen Konzerten - Karten gibt es im Vorverkauf im Bürgerhaus (Telefon 089/95081506) oder über www.buergerhaus-unterfoehring.de - bietet die Gemeinde auch die reizvolle Reihe "Jazz am S-Bahnhof" an. Hier ist der Eintritt frei, die Protagonisten bürgen gleichwohl für ein hohes Niveau.

An diesem Sonntag, 9. Juni, tritt das Tuija Komi Quartett dort auf. Die gebürtige Finnin Tuija Komi hat ursprünglich bei einer großen Münchner Firma als Projektmanagerin in der IT gearbeitet, ehe sie sich im Alter von 37 Jahren als Jazzsängerin selbständig machte. Mit "Midnight Sun" stellt sie ihr neues Album am Unterföhringer S-Bahnhof vor. Sie hat eine voluminöse, klangschöne Stimme, sehr variabel und emotionalisiert auch mit weichem melodiösem Timbre. Sie präsentiert "Feeling Good" von Nina Simone ebenso wie finnische Popliteratur (Suru on kunniavieras) oder die melancholische Ballade "Gabriella's Song" des Schweden Stefan Nilsson und interpretiert eindrucksvoll die Latin-Komposition "Samba Tzigane" des Jazztrompeters Dusko Goykovich. Überzeugend auch die Eigenkomposition "Land of the Midnight Sun" oder Abbas "Thank you for the Music" in einer Version, die weniger Schmelz, dafür mehr Swing entbreitet - eine elegante, luftig rhythmisierte Interpretation, die aber nicht den sehnsuchtsvollen Charakter des Songs verrät. Schön, wenn die blonde Finnin schmeichelnd singt: "I'm the girl with golden hair". Begleitet wird sie von Könnern wie Walter Lang (Piano), Peter Cudek (Bass) und Martin Kolb (Drums). Im August und September gibt es mehr "Jazz am S-Bahnhof" mit der Hot Stuff Jazzband und der Soul Community.