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Feldkirchen:Neue Pläne für S-Bahn zur Messe

Luftaufnahme der Messe München in Riem, 2019

Für eine Anbindung der Messe, müsste die S-Bahnline vor Feldkirchen (oben links) näher an sie herangeführt werden. Das stößt in der Gemeinde auf Widerstand.

(Foto: Robert Haas)

Eine Änderung des Trassenverlaufs soll die Feldkirchner von der Verlegung der Strecke der S 2 überzeugen. Doch die Gemeinderäte sehen weiterhin vor allem Nachteile durch die Verschwenkung der Gleise.

Von Anna-Maria Salmen, Feldkirchen

Das S-Bahn-Bündnis Ost fordert nicht nur einen viergleisigen Ausbau und einen 15-Minuten-Takt für die S 2, sondern auch eine neue Trasse und eine eigene Haltestelle für die Messe. Gegründet wurde es 2015 von den Gemeinden Aschheim, Kirchheim, Poing und Markt Schwaben sowie den Landkreisen München, Ebersberg und Erding. Auch die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer und die Messe München gehören zu den Initiatoren. Die Gemeinde Feldkirchen beteiligte sich nicht, weil sie durch den Schwenk zur Messe Nachteile befürchtet. Daran ändert auch eine neue Planung nichts.

Zu Messezeiten ist die U 2 deutlich überlastet, ebenso die Busse, die vom S-Bahn-Halt in Riem zum Gelände fahren. Im Jahr 2009 wurden deshalb erste Pläne entwickelt, die Bahnstrecke nach dem Halt in Riem auszuschwenken, um die Messe an die S 2 anzubinden. Wenn der Erdinger Ringschluss verwirklicht würde, wäre auf diese Weise sogar eine direkte Verbindung von der neuen Messehaltestelle zum Münchner Flughafen möglich.

Feldkirchens damaliger Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) war bei den Beratungen anwesend, schloss sich dem S-Bahn-Bündnis Ost, das die Pläne propagiert, später aber nicht an. Der Grund: Die Strecke, die die Planer vorschlugen, führte über ein Feld auf Feldkirchner Flur und trennte beinahe sieben Hektar der gemeindeeigenen Fläche ab - zu viel aus Sicht des damaligen Rathauschefs.

Nur eine Variante ist aus Sicht der Planer sinnvoll

Mit den Bedenken haben sich die Planer beschäftigt und dem Feldkirchner Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einige alternative Streckenführungen vorgestellt. Drei davon sehen die Haltestelle der Messe an der Autobahn A 94 vor, mit etwas größerer Entfernung zum Messegelände als die ursprünglich geplante Strecke. Alle drei würden kaum noch Feldkirchner Gemeindefläche tangieren. Nach Ansicht der Planer sind diese Verläufe jedoch wohl nicht realistisch: Denn aufgrund engerer Kurven müssten die Züge hier 80 Kilometer pro Stunde fahren anstatt der vorgesehenen 100 - laut Bahn kann dies zu vermehrten Zugausfällen führen.

So bleibt nur eine Variante, die aus Sicht der Planer sinnvoll ist. Sie schneidet zwar weniger Fläche von Feldkirchen ab als die alte. Doch noch immer werden durch den Verlauf gut zwei Hektar eines Feldes von der Gemeinde getrennt.

Die Feldkirchner Kommunalpolitiker zeigten sich entsetzt angesichts dieser Aussichten. Man sehe durchaus die Vorteile, die die Messe durch eine Anbindung für sich selbst hätte. Doch für die eigene Gemeinde seien nur Nachteile zu erwarten. Denn die Taktverdichtung, mit der die Planer den Feldkirchnern die neue Strecke schmackhaft machen wollten, kommt nicht durch die Messeanbindung. Erst durch den viergleisigen Ausbau der S 2 können die Züge häufiger fahren, es handelt sich um zwei verschiedene Vorhaben.

Neben der Streckenführung über Feldkirchner Flur brachten die Kommunalpolitiker vor allem zwei Bedenken vor. Zum einen ist die gestalterische Umsetzung der Messeanbindung für viele nur schwer vorstellbar: Die neuen Gleise sollen auf hohen Brücken über die Paul-Henri-Spaak-Straße in Riem und dann weiter über Felder führen. Zum anderen befürchten die Feldkirchner eine deutliche Lärmzunahme.

Ein Gutachten der Planer kam zwar zu dem Ergebnis, dass sich die Belastung durch den Schwenk nicht erhöhen werde. Bürgermeister Andreas Janson (Unabhängige Wählervereinigung, UWV) steht dieser Aussage aber skeptisch gegenüber, wie er der SZ sagte: "Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen dem berechneten und dem tatsächlichen Lärm."

In der Sitzung brachten die Gemeinderäte ihren Unmut zum Ausdruck. "Ich werde immer hellhörig, wenn die Messe uns sagt, sie hätte etwas Tolles für uns. Das ist in der Regel nämlich nicht der Fall", sagte Herbert Vanvolsem (CSU). Durch die Taktverdichtung könne nach dem viergleisigen Ausbau zwar ein Zug mehr pro Stunde fahren, dafür wäre man mit dem zusätzlichen Halt an der Messe aber rund drei Minuten länger unterwegs.

Gemeinderat Schön befürchtet nur Nachteile

"Wollen wir unseren Bürgern dafür wirklich all die Nachteile zumuten?", fragte er. Michael Schön (UWV) stimmte zu: "Feldkirchen hat von dem Ganzen gar nichts." Er sieht seine Gemeinde "an einem Punkt, wo sie sich einfach mal aufbäumen muss". Denn der Verkehr fließe aus allen Richtungen durch Feldkirchen, die Bürger müssten Beeinträchtigungen durch Lärm von der Bahnstrecke und der Autobahn ertragen. Der Ort sei an der Grenze des Zumutbaren. "Sie werden mit Sicherheit viel Gegenwind von uns bekommen", kündigte Schön den Planern an.

© SZ vom 17.12.2020/sab
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