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S-Bahn-Ausbau:Auf dem Abstellgleis

Seit vergangener Woche läuft der Ausbau des Feldkirchner Bahnhofs - für Bürgermeister van der Weck ein "Jahrhundertbauwerk".

(Foto: Claus Schunk)

Der Schienenverkehr im östlichen Landkreis wird in den kommenden Jahren enorm zunehmen. In Feldkirchen, Kirchheim und Poing ist die Verärgerung groß, dass die Gemeinden beim Trassenausbau nicht berücksichtigt werden

Von Martin Mühlfenzl, Feldkirchen

Für manche ist es nur ein ganz normaler, wenn auch neuer und hübscherer Bahnsteig. Für Feldkirchens Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) indes entsteht in seiner Gemeinde nicht weniger als ein "Jahrhundertbauwerk". Generationen von Feldkirchner Bürgern in jedem Alter, sagt van der Weck, hätten darauf gewartet, dass der barrierefreie Ausbau endlich kommt. "Eine Frau mit Kinderwagen konnte die S-Bahn ja nicht nutzen", sagt der Rathauschef. "Die musste mit dem Bus nach Riem und dann mit der U-Bahn weiter in die Stadt fahren."

Der etwa acht Millionen teure Um- und Ausbau des Bahnsteigs samt Rampe und Aufzug soll nun alles ändern. Fast alles, denn die Trasse der S 2 im Osten des Landkreises wird auf Jahre hinaus ein Problemfall bleiben.

Mit der zweiten Stammstrecke kommt der 15-Minuten-Takt

Der barrierefreie Ausbau der Stationen in Feldkirchen, Heimstetten, Grub und wahrscheinlich auch in Poing ist letztlich so etwas wie ein verkehrstechnisches Plazebo. Denn was ausgerechnet in diesem Bereich nicht kommen wird, ist der eigentlich so dringend benötigte viergleisige Ausbau der Bahntrasse, wie er von der Stadt aus bis Riem und weiter im Osten von Markt Schwaben in Richtung Mühldorf bereits beschlossen ist. Denn schon heute steht fest: Auf dieser Trasse wird der Verkehr deutlich zunehmen - der Güterverkehr und die Frequenz im öffentlichen Nahverkehr.

Das hat gleich mehrere Gründe. Mit dem Bau der zweiten Stammstrecke, sagt Kirchheims Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU), werde die S-Bahn künftig im 15-Minuten-Takt fahren. Und das weiterhin nur auf zwei Gleisen. Hinzu komme die Realisierung des sogenannten Erdinger Ringschlusses - die Anbindung der S 2 im Norden an den Flughafen München.

Und ähnlich wie auf dem Autobahnring der A 99, der auf acht Spuren ausgebaut wird und dadurch natürlich noch mehr Verkehr anziehen wird, sagt Böltl, werde auch der Ausbau auf vier Gleise in Richtung Mühldorf und weiter nach Rosenheim und Burghausen eine massive Zunahme des Güterverkehrs mit sich bringen. "Ärgerlich ist dabei, dass unsere Gemeinden - also Feldkirchen, Kirchheim und Poing - im Bundesverkehrswegeplan beim viergleisigen Ausbau nicht berücksichtigt worden sind". sagt Böltl. "Wären wir mit dabei, würden wir auch den Lärmschutz finanziert bekommen. So fallen wir hinten runter."

Poings Bürgermeister Albert Hingerl (SPD) bezeichnet es gar als "Schildbürgerstreich", dass der Abschnitt zwischen Riem und Markt Schwaben beim viergleisigen Ausbau ausgenommen werde. Mindestens für das nächste Jahrzehnt, sagt Hingerl, sei ein Ausbau in diesem Bereich ausgeschlossen. "Es entsteht gerade hier ein echtes Nadelöhr", sagt Hingerl. "Leidtragende sind am Ende die Bürger."

Werner van der Weck sagt indes, der viergleisige Ausbau sei "definitiv nicht zu realisieren" . Allerdings nicht, weil der politische Wille seitens des Bundes und auch des Freistaates fehle. "Ich bin zwar kein Ingenieur, aber ich bin mir sehr sicher, dass schlichtweg der Platz fehlt, um noch einmal zwei Gleise drauf zu packen", sagt van der Weck.

"Es darf alles gedacht werden."

Aus seiner Sicht müssten andere Lösungen gefunden werden, um dem drohenden Verkehrsinfarkt auf der Bahnstrecke Herr zu werden: wie eine bessere Takteinstellung bei der S-Bahn, ein Ausweichgleis für den Güterverkehr, das Überholvorgänge schnellerer Züge ermögliche. "Das bestehende System muss optimiert werden. Heute reicht es ja schon, dass nur ein Körndl aufs Gleis fällt - und alles bricht zusammen", sagt van der Weck.

Eine Idee, die bereits im Dezember im Kreisausschuss für Mobilität diskutiert worden ist, lehnt Feldkirchens Bürgermeister van der Weck indes vehement ab: Eine Verschwenkung der S-Bahn über die Messe Riem samt Anbindung entweder im Westen der Gemeinde Feldkirchen oder im Osten der Ortschaft an die S 2. "Es darf alles gedacht werden", sagt van der Weck. Dennoch hält er diese Trassenführung für "vollkommen ausgeschlossen".

Und zwar aus zwei Gründen: Erstens würde eine Anbindung der S-Bahn von Riem aus im Westen die Gemeinde aller Entwicklungsoptionen berauben. "Im Flächennutzungsplan ist dort Wohnbebauung vorgesehen. Würden wir dort die S-Bahn fahren lassen, wären diese Pläne obsolet und wir hätten überhaupt keine Möglichkeit mehr zu wachsen", sagt van der Weck. Und zweitens sei die Verschwenkung seiner Meinung nach aus baulicher Sicht viel zu aufwendig: "Die Trasse würde zwei Mal über die Autobahn führen. Das ist nicht zu machen."

Kirchheims Bürgermeister Böltl hält eine derartige Trassenführung zwar für "interessant", sagt aber: "Oberste Priorität hat für uns der viergleisige Ausbau." Die Fahrgastzahlen werden enorm steigen wie auch der Güterverkehr, das muss bewältigt werden." Insbesondere der Erdinger Ringschluss mit einer Anbindung des Ostens an den Flughafen, sagt Böltl, biete ein enormes Entwicklungspotenzial. "Wir werden noch interessanter und wir werden weiter wachsen. Das heißt aber auch, dass die Infrastruktur mitwachsen muss."

© SZ vom 03.04.2018
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