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Familienzentrum Unterföhring:Hoffen auf Rückenwind

Unterföhring Familienhaus

"Ja! Es braucht ein Familienzentrum!": Unter dieser Devise unterstützen Mütter und Väter des offenen Treffs, der vom Familien-Haus derzeit nur online angeboten wird, die Pläne des Vereins.

(Foto: privat)

Eltern kämpfen mit einer Online-Petition für ein Familienzentrum. Die Abkehr des Rathauses von dem Projekt stößt auf Unverständnis.

Von Sabine Wejsada, Unterföhring

Jetzt soll eine Online-Petition helfen: Der Verein Familien-Haus will sich auf diese Weise Unterstützung bei den Unterföhringern sichern, um sein Ziel, am Ort ein Familienzentrum nach Vorbild der Einrichtungen in Ismaning, Haar und Unterschleißheim aufzubauen, doch noch zu erreichen. Hintergrund ist, dass Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) dem Ansinnen des Vereins unlängst eine klare Absage erteilt hat. Beim Familien-Haus hat dieses Nein große Enttäuschung hervorgerufen - und Unverständnis. Den Kopf in den Sand stecken, das wollen Vorsitzende Tanja Gernet und ihr Stellvertreter Benny Röck sowie ihre Mitstreiter deshalb nicht. Sie hoffen auf Rückenwind aus der Bevölkerung.

Im Jahr 2019 haben Unterföhringer Eltern den Verein Familien-Haus gegründet, unter dessen Dach sich ein Familienzentrum in der Gemeinde etablieren hätte sollen. Mit einem offenen Treff wolle man ein niedrigschwelliges Angebot schaffen, das Eltern und Großeltern und alle anderen aus dem Ort besuchen könnten. Mittlerweile zählt der Verein 240 Mitglieder; die angebotenen Veranstaltungen hätten sich vor Beginn der Pandemie großer Beliebtheit erfreut, seit Corona aber sei der Zuspruch ein noch viel größerer geworden, berichtet Tanja Gernet. Weil alle Kurse online stattfinden müssen, Eltern und Kinder unter den Kontaktbeschränkungen leiden, beteiligen sich offenbar viele am Programm des Familien-Hauses. Röck, der neue zweite Vorsitzende und Nachfolger von Christelle Lindhauer, hat so auch den Kontakt zu dem Verein gefunden - und gleich ein solch verantwortungsvolle Amt übernommen, wie er erzählt.

Irritation über die Kehrtwende

Gernet und Röck ist im Video-Interview an diesem Nachmittag anzumerken, dass sie es nicht verstehen, wieso der Bürgermeister nach anfänglicher Unterstützung nun von einem Familienzentrum, für das der Verein die Trägerschaft übernehmen will, nachdem etwa die örtliche Nachbarschaftshilfe abgesagt hat, nichts mehr wissen will. "Wir sind extrem irritiert über diese Kehrtwende", erklären die beiden Vorsitzenden. Der Verein sei vom Rathaus in der Vergangenheit dazu ermuntert worden, das Projekt Familienzentrum nicht nur im Auge zu behalten, sondern auch konkret anzugehen, so Gernet.

Nach den Worten von Bürgermeister Kemmelmeyer aber haben sich die Voraussetzungen geändert. So habe man sich in der Rathausverwaltung mit dem Sachgebiet Bildung, Familie und Soziales neu aufgestellt, das sich den Themen von Familien, Kindern und Senioren annehme, Hilfestellungen geben könne und bestens mit dem Familienzentrum in Unterschleißheim zusammenarbeite. Ein eigenes brauche es nicht, versichert Kemmelmeyer. Dies sei nicht seine alleinige Entscheidung gewesen. "Der Gemeinderat ist eingebunden." Zudem böten viele Vereine und Organisationen am Ort Unterstützung an, berichtet er und nennt dabei etwa die Nachbarschaftshilfe, den Förderverein Soziale Dienste, die Arbeiterwohlfahrt und die Kolpingsfamilie. "Ich kann als Unterföhring doch nicht für jeden Belang alles anbieten", betont Kemmelmeyer, sagt aber zu, dass die Gemeinde "nachjustieren" wolle, wenn sich eine "Deckungslücke" auftut.

Diese gibt es laut Familien-Haus bereits: Viele Angebote der Gemeinde richteten sich an Familien mit Ein- bis Dreijährigen. Für jüngere Kinder und Schwangere beschränke sich das Angebot fast ausschließlich auf persönliche Beratung nach Terminvereinbarung. Dies sei wichtig, könne aber nicht den Austausch und die Vernetzung der Eltern ersetzen. Das aber leiste ein Familienzentrum - mit dem "Herzstück" offener Treff und leicht zugänglicher Unterstützung und Förderung.

© SZ vom 23.03.2021/belo
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