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Erziehermangel:Jobangebot im Großformat

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Mit Plakaten an S-Bahnhöfen in München wirbt die Gemeinde Grasbrunn um Erzieherinnen.

(Foto: privat)

Weil die Gemeinde Grasbrunn kein Personal für ihre Kindertagesstätten findet, wirbt sie mit Plakaten an S-Bahnhöfen

Die Plakate sind bunt und fröhlich. Ein lachendes Kind mit rötlichen Locken hat einen Schmetterling auf der Nase sitzen. "Wetterling. Erzieherinnen können das übersetzen!" steht daneben. Doch die Fröhlichkeit täuscht. Der Anlass ist ernst. Mit den großen Plakaten wirbt die Gemeinde Grasbrunn zurzeit an S-Bahnhöfen in und um München. Auch auf dem Poster: Ein QR-Code, der mit einer Handykamera eingescannt werden kann und auf die Stellenanzeige auf der Gemeindehomepage führt. Die außergewöhnliche Kampagne hat ihren Grund: Der Gemeinde fehlen aktuell sechs pädagogische Fachkräfte, sowohl Erzieherinnen wie Kinderpflegerinnen. Vier in der zentralen Einrichtung Kinderwelt in Neukeferloh, zwei in der Tagesstätte Honigblume in Grasbrunn.

Die Folge ist, dass aktuell zum Herbst 47 Plätze in Kindergärten und Krippen nicht vergeben werden können. 29 Kinder stehen auf der Warteliste für die Kinderkrippen der Gemeinde, 18 auf der Warteliste für einen Kindergartenplatz. Familien hängen damit kurz vor den Sommerferien in der Luft, was insbesondere für solche Eltern ein existenzielles Problem ist, die den Kita-Platz brauchen, weil sie berufstätig sind und ohne Betreuung um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen. Eine ungewöhnliche Situation für die Gemeinde Grasbrunn, die ihre Tagesstätten selbst betreibt und von Engpässen bisher weitestgehend verschont blieb, weil sie stets mehr Personal eingestellt hatte, als nach dem Gesetz vorgeschrieben.

Nun bittet die Gemeinde weiter um Geduld. Derzeit könnten keine Zusagen gemacht werden, heißt es aus dem Rathaus. Man bemühe sich intensiv, "schnellstmöglich" geeignete Fachkräfte einzustellen. Sobald sich die Personalsituation entspanne, würden die betroffenen Eltern umgehend benachrichtigt. "Wir tun alles in unserer Macht Stehende", versichert Bürgermeister Klaus Korneder (SPD). Allerdings konkurriert die Gemeinde mit allen anderen Kommunen im Großraum München, die ebenfalls pädagogisches Fachpersonal suchen, sich aber angesichts hoher Mieten und Lebenshaltungskosten allesamt schwer tun, Bewerber zu finden.

Mit der professionellen Plakatkampagne geht man in Grasbrunn bei diesem Wettbewerb nun neue Wege. 6000 Euro hat sich die Gemeinde die Aktion kosten lassen. Seit Mitte Mai hängen die Plakate - ohne Resonanz. "Nicht eine Bewerbung" sei bisher im Rathaus eingegangen, sagt Hauptamtsleiterin Nicole Zeh. Auch nicht auf die Stellenanzeigen in Zeitungen. Dabei zahlt die Gemeinde Arbeitsmarkt- und Ballungsraumzulage und bietet, wenn verfügbar, Mitarbeitern vergünstigte Wohnungen.

Auch sonst lässt die Gemeinde nichts unversucht: Über Kooperationen mit der Katholischen Stiftungshochschule und der Caritas-Fachakademie Don Bosco sowie der Teilnahme am Modellversuch "Erzieherausbildung mit optimierten Praxisphasen" versucht man, Praktikanten und Nachwuchs zu gewinnen. Sollte sich das nicht noch ändern, blieben wenigstens 14 Kindergartenkinder und elf Krippenkinder ohne Platz. Vier Kinder im Kindergartenalter könnten in Harthausen unterkommen, zwölf Krippenkinder in Harthausen oder Weißenfeld.

Aber auch für Kinder, die bereits in einer gemeindlichen Einrichtung betreut werden, bedeutet der Personalengpass Veränderungen. Welche, das sollen die Eltern bei einem für 23. Juli angesetzten Elternabend erfahren. Bei diesem will Kinderwelt-Leiterin Kerstin Westphal einen "Ausblick" auf das neue Betreuungsjahr geben. Der Elternbrief, in dem Westphal vergangene Woche den Termin mitteilte, dürfte die Sorgen der Eltern keineswegs zerstreut haben. Für drei Erzieherinnen, die einen "neuen Wirkungskreis" gefunden hätten, heißt es in dem Rundschreiben, gebe es nur einen "Teilausgleich. Zwar beginne zum 1. Juli eine "neue Kollegin", auch kämen im September zwei neue Praktikanten. "Diese Tatsachen ändern noch nicht grundlegend die Personalsituation", schreibt die Kita-Leiterin. Die Zusammenlegung von Gruppen und die Einschränkung von Angeboten könnten die Folge sein. Kaum zur Begeisterung der Eltern. Zum wiederholten Mal erhöht die Gemeinde heuer die Elternbeiträge.

Dass sich die Situation in Grasbrunns Kindertagesstätten, vor allem der Kinderwelt, zum Ende des Betreuungsjahres so zuspitzt, hat nach Darstellung aus dem Rathaus unterschiedliche Gründe. "In einer Einrichtung dieser Größenordnung mit 40 Beschäftigten ist die Fluktuation immer größer", sagt der Rathauschef. Dass auch offenkundig interne Probleme die zahlreichen Mitarbeiterwechsel befördern, leugnet Korneder nicht. Selbstverständlich komme es in einem so großen Betrieb "auch mal zu Querelen".

Das lässt sich auch dem Elternbrief von Kita-Leiterin Westphal entnehmen. Anfang Oktober solle es für "alle verbleibenden Mitarbeiter" das Angebot zu einem Coaching geben - für die Erarbeitung einer positiven Arbeitssituation. Angesichts des Personalmangels und um weitere Abgänge zu verhindern, dürfte das dringend geboten sein.