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Engagement:"Ich kann nicht mehr nichts machen"

Unterhaching, Fasanenpark, Bahnhof, Sportpark bei Infineon, v.li. Annika Braun, Selma Pfichner, haben eine Umweltschutz-Jugendgruppe im Hachinger Tal gegründet.

Sorge um die Welt: Annika Braun und Selma Pfichner (von links) engagieren sich in der Jugendgruppe des Bundes Naturschutz.

(Foto: Angelika Bardehle)

Unterhachinger Jugendliche machen sich trotz Corona für die Umwelt und das Klima stark

Von Carla Bihl, Unterhaching

Den oppositionellen Geist trägt Annika Braun schon lange in sich. Feminismus, Rassismus, Umweltschutz sind Themen, mit denen sich die angehende Abiturientin auseinandersetzt. "Wir haben nach einer Demo gemerkt, dass wir aktiver sein möchten", erzählt sie. "In unserer Altersgruppe hatten sie aber nichts für uns. Dann haben wir nach Leuten gesucht, die noch mitmachen wollen." So gründete Braun mit Celia Scheid und anderen Gleichaltrigen die Gruppe "Um die Welt", die heute die Jugendgruppe des Bundes Naturschutz in Unterhaching ist.

Das Aktivwerden war Annika Braun besonders wichtig: "Es würde sich falsch anfühlen, wenn ich einfach nur reden würde. Das wäre für mich moralisch nicht richtig." Auch in Zeiten von Corona, in der das Handeln oft hintanstehen muss, werde sie unruhig, sagt sie. Nach dem Abitur möchte sie ein freiwilliges ökologisches Jahr mit praktischem Naturschutz machen: "Das ist auch das, was wir eigentlich hier machen: Umweltbildung. Ich würde am liebsten irgendwo richtig anpacken, zum Beispiel in einem Nationalpark." Danach möchte sie vielleicht irgendwas mit Umwelt studieren, erklärt die 17-Jährige.

2018 hat es das erste Treffen gegeben. Erste potenzielle Mitglieder meldeten sich, nachdem sich die Gruppe mit der Jugendorganisation Bund Naturschutz verbunden hatte und Rundmails verschickte: "Bei uns läuft es meistens so ab, dass wir Leute kennen, die wiederum Leute kennen und immer so weiter", erklärt Annika. Elf Mitglieder zählen sie so mittlerweile. Ein erstes Thema, dessen sie sich angenommen hätten, sei unverpackt einkaufen in Unterhaching gewesen. Dafür habe sie mit dem lokalen Bioladen kooperiert und einen Anstoß in die Richtung gegeben. Seither habe die Gemeinde öfter zu verschiedenen Versammlungen eingeladen, die jedoch coronabedingt abgesagt wurden. Aktuell sei noch das Thema Frischluftschneise virulent, meint Anika. Dabei geht es um die alpine Pumpe in Unterhaching, die frische Luft in die südöstlichen Münchner Bezirke weht und in der Diskussion steht, bebaut zu werden. Wichtig sei vor allem auch der Kontakt zu anderen Gruppen, sagt Annika.

Brauns Mitstreiterin Celia Scheid erzählt, ihr Kindheitstraum sei es immer gewesen, Meeresbiologin zu werden und Wale zu schützen. Als sie einige Zeit in Südamerika gelebt hatte und auch im Unterricht viel über die Abholzung des Regenwaldes gesprochen wurde, sei für sie der Wunsch, selbst im Umweltschutz aktiv zu werden, konkreter geworden. Die Demonstrationen hätten dann den Rest beigetragen: "Dann hat es richtig angefangen, dass ich mich für Politik interessiere." Nach dem Abitur möchte sie jedoch auch erst Mal eine Pause machen. Sie könne sich vorstellen, einmal Biochemie zu studieren.

Selma Pfichner stieß erst später zu der Gruppe. "Sie ist unsere Künstlerin", sagt Braun. Pfichner trägt recycelte Ohrringe aus alten Dosenlaschen, die sie selbst kreiert hat. Nach dem globalen Klimastreik am 15. März 2019 war für sie klar, dass sie etwas ändern wolle. Erst da sei sie so recht auf die Thematik rund um das Thema Umwelt aufmerksam geworden: "Seither gehe ich regelmäßig", sagt die 16-Jährige. "Ich kann nicht mehr nichts machen, wenn ich weiß, dass die Welt untergeht. Noch kann man es ändern. Deshalb bin ich eben dabei." In der Zukunft möchte sie eine Ausbildung zur Metallbildnerin machen.

Mehr Transparenz und mehr Interaktion in Umweltthemen sind Dinge, die die drei erreichen wollen: "Das ist der Grund, warum wir bei solchen Versammlungen mitmachen und Leute darauf ansprechen, dass sie darauf achten sollen, wie viel Müll sie produzieren und wie sie sich beim Einkaufen verhalten", sagt Braun. Es seien somit lokale Themen, bei denen man lokal handeln könne und gleichzeitig sozial und global denke, erklärt sie.

© SZ vom 13.10.2020
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