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Deutsches Museum:Unterm Zahnrad der Zeit

Das Deutsche Museum war mal das wichtigste Technik-Museum der Welt. Die Schätze hat es noch. Doch seine Exponate präsentiert es so lieblos wie eine Behörde. Es fehlt am Geld - und am Willen.

Dirk Böndel steigt auf die Aussichtsplattform hoch über dem Berliner Museumspark, um zu zeigen, wovon er träumt: Dort unten, wo jetzt die überwachsenen Ruinen des Anhalter Güterbahnhofs liegen, genau dort wird in ein paar Jahren einmal das "Technoversum" entstehen, ein Bau mit 25.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Ein Ort, an dem die Zukunftsthemen der Menschheit diskutiert werden sollen: Energie, Kommunikation, Mobilität, Produktion von Gütern, das Leben in Megastädten. "Wir wollen uns vom klassischen Museum verabschieden", sagt Böndel über sein Projekt: "Es geht weg von den Sammlungen, hin zu Themen."

Deutsches Museum wird saniert

Außenansicht des Deutschen Museums: Für die Sanierung fehlen noch 360 Millionen Euro.

(Foto: ag.ddp)

Seit 2004 leitet der Historiker Böndel das Deutsche Technikmuseum in Berlin. In dieser Zeit hat er mustergültige Ausstellungen über Luft- und Schifffahrt konzipiert. Das "Technoversum" soll den Abschluss bilden und das noch junge Museum zu einem der wichtigsten europäischen Ausstellungsorte machen. Bisher hat Böndel freilich kaum mehr als das Grundstück; es fehlen ihm 62 Millionen Euro für das Gebäude. Aber irgendwie, da ist er sich sicher, wird er das Geld schon auftreiben.

Gut 600 Kilometer südlich sitzt Böndels Kollege Wolfgang Heckl in seinem Chefbüro auf der Münchner Museumsinsel und rechnet vor, dass ihm noch rund 360 Millionen Euro fehlen für die Sanierung des Deutschen Museums. Trotzdem ist er überzeugt: "Wir sind auf dem aufsteigenden Ast." Auch deshalb, weil zum 1. Juli die Kongresshalle, die zuletzt als Kino genutzt wurde, wieder in den Besitz des Museums übergeht. Dorthin soll in einigen Jahren der Haupteingang verlegt werden, die Pforte zu einem weitgehend neu gestalteten Museum, das sich, ähnlich wie in Berlin, nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Zukunft zuwendet.

Doch während in der Hauptstadt seit Anfang der achtziger Jahre ein in vielerlei Hinsicht vorbildliches Technikmuseum herangewachsen ist, hat das Deutsche Museum in München den Anschluss an europäische Häuser wie das Science Museum in London oder La Villette in Paris verloren. Derzeit können sich die jährlich 934.000 Besucher im Münchner Haupthaus einen Eindruck davon machen, was dabei herauskommt, wenn ein Kulturgut von Weltrang von der Politik kaputt gespart und ideenlos verwaltet wurde: Das Deutsche Museum ist zum Museum seiner selbst geworden, gleichermaßen grandios wie in vielen Teilen peinlich veraltet - etwa, wenn es seine Besucher mit der Frage konfrontiert: "Wo steht die Solarzellenforschung 1996?"

Das Bergwerk, das Segelschiff "Maria", der Faradaysche Käfig, die Ju52: Generationen von Besuchern sind mit diesen ikonenhaften Exponaten groß geworden. Väter stehen mit ihren Söhnen vor dem U-Boot U1, das sie 30 Jahre zuvor selbst bestaunt haben. Zum Glück gibt es diese im wahrsten Sinne unverrückbaren Dinge.