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Coronavirus:Garchinger Schutzschirm

Gerhard Bauer von der Firma Riwa Display GmbH demonstriert die Standfestigkeit der Corona-Schutzschilde. Die Idee dazu war ihm beim Geldabholen gekommen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Firma entwickelt Corona-Barriere für Praxen und Apotheken

Die Idee kam Gerhard Bauer vor Kurzem beim Geldabheben. Ein Blick in die Schalterhalle zeigte ihm, dass die Mitarbeiter der Bank während der Corona-Krise immer noch völlig ungeschützt den Kunden gegenüberstanden und sich unter Umständen anhusten lassen müssen. "Das muss ja nicht sein", dachte Bauer und ging am nächsten Tag mit dem Vorschlag in die Firma, eine Art Infektionsschutzschild für Theken zu bauen.

Bauer arbeitet bei der Riwa Display GmbH in Hochbrück, ein Familienbetrieb, der seit 1958 "alle Formen von Kunststoffverarbeitung" anbietet, etwa für die Verpackungen von Kosmetikprodukten, aber auch für den TÜV Bayern oder das Bayerische Rote Kreuz hätten sie schon gearbeitet, sagt Bauer, der mit der Firmenchefin verheiratet ist.

Zusammen mit einem der Designer, Matthias Stritzel, entwickelte er eine Scheibe, die ohne Schrauben auskommt. Ganz bewusst hatten sie nach einer einfachen Lösung gesucht, bei der keine großen Eingriffe in die oft kostspieligen Theken etwa in Arztpraxen nötig ist. Sie entwickelten einen Infektionsschutzschild, dessen Außenkanten gebogen sind, "das kann nicht jeder machen", sagt Bauer. So erhält der Corona-Schutzschirm seine Standfestigkeit. Auch mit dem Material experimentierten sie. Als beste Variante hat sich Polycarbonat erwiesen. Es lässt sich mit Desinfektionsmittel behandeln, ohne seine Oberfläche zu verändern, anders als das empfindlichere Plexiglas, das auf den Alkohol im Desinfektionsmittel reagiert und nach mehreren Behandlungen Risse aufweist, wie Bauer erläutert. Deswegen bestellen die meisten Kunden auch Polycarbonat, das völlig transparent bleibt und zudem auch bruchsicher ist. Bauer hat es getestet. Er habe den Schutzschild mit Wucht zu Boden geschleudert, ohne dass es dem Material etwas anhaben konnte.

Von der Idee bis zum Angebot brauchte der Betrieb, der 16 Angestellte hat, nur wenige Tage. Dann stellten sie ihre Erfindung nicht nur ins Internet, sondern nahmen auch Kontakt zur Ärztezeitung auf, die das Angebot über ihren News-Letter verbreitete. Die Standardlösung ist um die 100 Euro zu haben. Danach gingen sofort die Bestellungen ein, die südlichste kam aus Bad Aibling, die nördlichste aus Hannover.

Etwa die Hälfte der Produktion macht im Moment nach Bauers Angaben die neue Erfindung aus. Wartelisten gebe es noch keine, "wir können noch liefern", sagt Bauer, der kein Problem damit hat, wenn andere die Idee kopierten: "Wir könnten Markenschutz anmelden, aber andere sollen es nur nachmachen."

© SZ vom 26.03.2020
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