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Lockdown:Ruhe auf der Burg

Andreas Bedacht, Leiter der Burg Schwaneck, hofft, dass es weiterhin möglich bleibt, Jugendhilfe-Arbeit in der Einrichtung zu betreiben. Bisher erlaubt das die Verordnung der Staatsregierung auch von morgen an.

(Foto: Claus Schunk)

Die Jugendherberge Schwaneck in Pullach muss von diesem Montag an coronabedingt schließen. Was bleibt, ist die bange Frage, ob die Jugendhilfearbeit der Bildungsstätte im November weiter geführt werden kann.

Von Martin Mühlfenzl, Pullach

Der Künstler Ludwig Schwanthaler, Erbauer der Burg Schwaneck, muss ein echter Lebemann gewesen sein. Rauschende Feste hat er vor allem im hoch aufragenden Burgfried des im Jahr 1843 eingeweihten Baus feiern lassen; so ist es überliefert. Seine Gäste waren Liebhaber des Mittelalters, die eng umschlungen der alten Zeiten gedachten und den spektakulären Blick vom Turm über das Isartal genossen. Vor allem Ersteres ist heute in diesen Zeiten, in denen sich viele in eine nicht allzu weit entfernte Vergangenheit zurücksehen, nicht nur auf der Burg undenkbar. Die Corona-Krise hat auch den Betrieb der Jugendherberge, der Jugendbildungsstätte und des Naturerlebniszentrums fest im Griff und von diesem Montag, 2. November, an kommt es zu neuen Einschränkungen.

"Den Betrieb der Jugendherberge müssen wir an diesem Montag erst einmal einstellen", sagt Andreas Bedacht, Leiter der Burg Schwaneck, am Telefon. Für die Jugendherberge ist es ein echter Lockdown nach einem Sommer und Herbst, in dem von einem Normalbetrieb kaum gesprochen werden kann. In den Jahren zuvor zählte die Jugendherberge pro Jahr etwa 27 000 Übernachtungen. Die Burg ist beliebt vor allem bei Schulen, aber auch bei Familien, die gleichermaßen die Angebote rund um das Naturerlebniszentrum und die Bildungsangebote sowie das Isartal als Freizeit-Idyll schätzen. Doch die Pandemie wird die Gastzahlen in diesem Jahr massiv einbrechen lassen, Andreas Bedacht rechnet nur noch mit etwa 10 000 Übernachtungen.

Viel ist der Corona-Krise auf der Burg Schwaneck in diesem Jahr zum Opfer gefallen. Das historische Gebäude ist ja nicht nur eine Jugendherberge, sondern auch eine Jugendbildungsstätte, an der Menschen zum Austausch zusammenkommen, sich in Themen wie "Burgleben - früher und heute", einarbeiten; ökologische Bildung spielt hier unter dem Dach des Kreisjugendrings München-Land eine große Rolle, die Vielfalt der Angebote reicht von Präsenzveranstaltungen, Übernachtungen bis zu Studienfahrten etwa in die Ewige Stadt Rom. Als das öffentliche Leben im Frühjahr erstmals runtergefahren wurde, herrschte auch auf der Burg kompletter Stillstand. Noch heute seien einige Mitarbeiter in Kurzarbeit, auch die Burg habe Soforthilfen des Freistaats erhalten, sagt Andreas Bedacht. Im Mai und Juni aber begann so etwas wie ein Normalisierungsprozess einzusetzen, Veranstaltungen fanden immer öfter auch wieder auf der Burg statt, Menschen begegneten sich wieder. Das gesamte Team habe hierfür auch ausgefeilte Hygienekonzepte entwickelt, die griffen, wie Bedacht berichtet.

Daher blickt er jetzt auch mit großem Interesse auf die nächsten Schritte der Staatsregierung, die in der Siebten oder möglicherweise in einer Achten Infektionsschutzmaßnahmenverordnung gebündelt werden. Ein sperriger Begriff mit großer Bedeutung. Bisher, sagt Bedacht, werde die Jugendhilfearbeit von den Einschneidungen des Freistaats nicht berührt. Das heißt im Umkehrschluss, es könnten auch im November Präsenzveranstaltungen stattfinden. Doch Vieles ist unsicher derzeit; auch auf der Burg wissen sie nicht genau, wie es weitergehen wird.

Vor allem der große Rittersaal auf der Burg eigne sich für große Veranstaltungen, er sei gut zu lüften und etwa 30 Menschen könnten dort auf Abstand zueinander zusammen sein. Natürlich hofft Bedacht, dass es irgendwie weiter geht. Nicht des Geldes wegen, der Betrieb in Pullach ist nicht darauf ausgelegt, Gewinn zu erwirtschaften. "Unsere Erwartung ist nicht, dass wir hier finanziell etwas mitnehmen", sagt Bedacht. "Es geht darum, dass die Kinder und Jugendlichen etwas von hier mitnehmen." Neue Erfahrungen, neues Wissen, neue Kontakte, Freundschaften - und auch in der heutigen Zeit etwas Nähe.

In normalen Zeiten kommen im Jahr zwischen 5000 und 7000 Tagesgäste auf die Burg. Auch dieses Ziel werden sie hier in diesem Jahr klar verfehlen. Rauschende Feste wird es also vorerst keine geben auf der Burg. Was bleibt ist der Blick vom Burgfried ins Idyll.

© SZ vom 02.11.2020/hilb
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