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Bundestagswahl:Zweiter Anlauf für Berlin

Axel Schmiddt

Axel Schmidt, 52, will für die FDP bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr den Sprung nach Berlin schaffen.

(Foto: oh)

Axel Schmidt will für die FDP als Direktkandidat in den Bundestag, Katharina Diem von den Julis über die Liste

Von Stefan Galler, Taufkirchen

Die Aufgabe ist reizvoll für Axel Schmidt: Er will in den Bundestag, will aktiv deutsche Politik mitgestalten. Der 52 Jahre alte Liberale ist eigentlich in seinem Beruf sehr erfolgreich, spielt nach einem fünfjährigen USA-Aufenthalt mittlerweile eine tragende Rolle in einem global agierenden Chemieunternehmen. Aber seine wirtschaftliche Unabhängigkeit sei eben auch eine Stärke in der Politik: "Ich fände es gut, wenn mehr Politiker bei uns unabhängig wären", sagt Schmidt.

Bei seinem ersten Versuch vor 26 Jahren war der berufliche Werdegang des Deisenhofeners noch nicht absehbar: Vor der Wahl 1994 hatte er sich erstmals um ein Bundestagsmandat beworben. An diesem Donnerstag, 24. September, will er nun seine zweite Kandidatur klarmachen, von 18 Uhr an läuft die Wahlkreisversammlung des FDP-Kreisverbands München Land im Kultur- und Kongresszentrum Taufkirchen am Köglweg. Und so wie es aussieht, hat Schmidt keine Konkurrenz: Bislang hat sich niemand als Gegenkandidat aufstellen lassen. Im Kreisverband stünden die meisten Liberalen definitiv hinter ihm, sagt der Bezirksvorsitzender der FDP in Oberbayern. Der Kreisvorsitzende Michael Ritz kann das bestätigen: "Er verkörpert das Idealbild eines Kandidaten: Axel Schmidt verkörpert das Leitbild der FDP, ist ein Anwalt der Freiheit, hat aber auch Lust auf Fortschritt und Digitalisierung." Andererseits sei der Parteikollege keiner, der bedingungslos nach vorne dränge: "Er steht auch für Fairness", so Ritz über Schmidt. "Mein Ziel ist es, von allen FDP-Bundestagskandidaten in Bayern die meisten Stimmen zu bekommen", sagt der designierte Kandidat. Seine Kollegin Britta Hundesrügge in Starnberg habe 35 Stimmen bekommen, "ich hoffe am Donnerstag auf mindestens 36", so Schmidt.

Unterstützt wird er bei seinem Plan, bei der Bundestagswahl im Herbst 2021 in den Bundestag einzuziehen, auch von der Jungen Liberalen (Julis) im Landkreis. In einem einstimmigen Vorstandsbeschluss sprechen sie sich für Schmidt als Direktkandidaten und für die 32 Jahre alte Kirchheimer Kreisrätin Katharina Diem, die noch zu den Julis zählt, als Listenkandidatin aus. Jene sei eine "bewährte Kommunalpolitikern und Kreisrätin", so der Kreisvorsitzende der FDP-Nachwuchsorganisation München-Land, Sam Batat. "Wir möchten nicht zulassen, dass die jungen Stimmen in unserem Land einzig der Salon-Sozialist (Kevin) Kühnert und der 70er-Jahre-Konservative (Philipp) Amthor sind. Deshalb möchten wir Katharina Diem dem Direktkandidaten als Listenkandidatin zur Seite stellen", so Batat weiter.

Schmidt sei ein "bewährter und geradliniger Liberaler", der den notwendigen "politischen Weitblick und innovative Ideen" habe, "damit Deutschland auch für die kommenden Generationen lebenswert bleibt", heißt es in Batats Stellungnahme.

Michael Ritz unterstreicht, dass Schmidt der "eindeutige Kandidat" des Kreisverbands München sei. Es werde nicht einfach, in der bayerischen Landesliste eine aussichtsreiche Position zu erreichen, schließlich sei der Bezirk Oberbayern aktuell mit vier Abgeordneten im Bundestag vertreten, die allesamt wieder antreten. Darunter auch Sandra Bubendorfer-Licht, die dem im November 2019 verstorbenen Hohenbrunner Jimmy Schulz nachfolgte. Ziel müsse sein, Axel Schmidt auf der Landesliste unter die ersten zehn Kandidaten zu bekommen, dann habe er reelle Chancen auf ein Mandat, so Ritz: "Aber wir sind als Kreisverband auch ein echtes Pfund mit 18 Delegierten auf dem Landesparteitag.".

Jimmy Schulz sei es auch gewesen, der Schmidt aufgefordert habe, mehr Verantwortung für die Partei zu übernehmen: "Als er mir noch zu Lebzeiten den Bezirksvorsitz übergab, haben wir viele Gespräche geführt. Und er hat mir immer wieder gesagt, ich müsse die Bundestagskandidatur angehen", sagt Schmidt, der sich selbst im Wahlkampf "voll reinhängen" will, auch weil es der FDP "derzeit nicht so gut geht". In Abwandlung des Zitats von Christian Lindner bei den gescheiterten Koalitionsgesprächen nach der Bundestagswahl 2017 sagt Schmidt: "Lieber spät regieren, als falsch regiert werden."

Er setzt auf eine Regierungsbeteiligung der Liberalen in einer Ampel- oder Jamaikakoalition. "Es geht darum, Grün-Rot-Rot zu verhindern, damit nicht ehemalige Kommunisten an einer Regierung beteiligt werden." Auch Kreischef Ritz betont, dass er die Vorfälle von 2017 mit dem FDP-Rückzug während der Koalitionsverhandlungen ernst nehme: "Wir müssen Vertrauen zurückgewinnen." Das gelte selbstverständlich auch wegen der peinlichen Ministerpräsidentenwahl in Thüringen, wo sich der Liberale Thomas Kemmerich mit AfD-Stimmen - vorübergehend - zum Regierungschef wählen ließ. "Da sind Fehler gemacht worden, aber die Bundes- und Landespolitik hat glücklicherweise schnell reagiert", sagt Axel Schmidt. "Es muss klar sein, dass man sich niemals von Nazis wählen lassen darf."

© SZ vom 21.09.2020

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