Bundestagswahl:Die heiße Phase beginnt

Bei Diskussionsrunden von Kreisjugendring, Volkshochschule und SZ stellen sich Bundestagskandidaten der Parteien den Fragen von Wählern und Jugendlichen - coronabedingt in kleinen Runden und in Online-Chats

Von Bernhard Lohr

Die "Routerockers" haben eine klare Forderung. Die Mitglieder der inklusiven Band aus dem Jugendzentrum Route 66 in Haar pochen auf gleiche, faire Bedingungen für alle Musiker und wollen, dass sich die Bundespolitiker für "barrierefreie Bühnen" einsetzen. Pariya und Kevin, beide 14, wollen einen "sicheren Plan für die Zukunft". Die Studentinnen Ana-Katrin und Sophie, 22 und 23, finden: "Nachhaltigkeit darf kein Privileg sein." Und Kyra, Lenny, und Konrad vom Carl-Orff-Gymnasium zählen runter von 2050, 2045 und 2035. Sie wollen wissen: "Wer bietet weniger?" Sie erwarten ehrgeizige Ziele beim Klimaschutz. In dieser und der folgenden Woche wird es für die Direktkandidaten zur Bundestagswahl im Landkreis ernst. Sie stellen sich bei zwei Diskussionsrunden den Wählern.

Den Auftakt macht der Kreisjugendring (KJR) mit einer Veranstaltung am Freitag, 16. Juli, auf die sich die Musiker im Jugendzentrum und auch viele Schüler im Landkreis gut vorbereitet haben. Sie haben ihre Erwartungen formuliert und auch Plakate gestaltet, die in den Treffs und an den Schulen ausgehängt wurden. Die Podiumsdiskussion zu ungewöhnlicher Uhrzeit um 9.30 Uhr in Präsenz und online haben federführend das Jugendzentrum und das Gymnasium in Kirchheim organisiert. Sie richtet sich an Jugendliche der 9., 10. und 11. Klassen. Unter anderem ist der Sozialkundekurs am Kirchheimer Gymnasium zugeschaltet. Über ein Video-Tool und einen Chat können Fragen an die Kandidaten gestellt werden.

Auf dem Podium sitzen mit Florian Hahn (CSU), der zum vierten Mal das Direktmandat im Wahlkreis München-Land holen möchte, Korbinian Rüger (SPD), Axel Schmidt (FDP), Saskia Weishaupt (Grüne), Gerhard Kißlinger (Freie Wähler) und Yannick Rouault (ÖDP). Die Veranstaltung ist Teil der Kampagne "Stimme der Jugend", die der Vorstand des KJR München-Land 2017 zur Bundestagswahl ins Leben gerufen hatte und an die man wiederholt angeknüpft hat.

Carina Lange, die Sprecherin des KJR, streicht heraus, wie wichtig politische Bildung für junge Menschen sei. Wahlen böten eine gute Gelegenheit, jungen Menschen klar zu machen, dass eine lebendige Demokratie von der Beteiligung lebe. Auch während des Lockdowns in der Corona-Krise lief an den vom KJR betriebenen Jugendzentren eine "Stimme-der-Jugend-Aktion", in der deutlich werden sollte, dass die Bedürfnisse junger Menschen in der Pandemie oft zu kurz gekommen sind. "Hört auf die Jugend, hört auf die Kinder", sagte Deniz Dadli, Leiter des Jugendzentrums "Planet O" in Oberschleißheim damals. Carina Lange sagt, viele Schüler hätten sich sehr engagiert jetzt auf die Podiumsdiskussion vorbereitet. Das Interesse sei groß. Und die Plakate, die wie in der Corona-Kampagne des KJR jetzt gedruckt worden sind, zeigen, warum das so ist. Es geht diesmal vielleicht mehr als bei anderen Wahlen um ihre Zukunft: beim Klimawandel und beim Wunsch, es möge doch einen "sichereren Plan" geben.

Nur fünf Tage nach dem Termin beim KJR treffen sich einige der Bundestagskandidaten am Mittwoch, 21. Juli, 19 Uhr, bei einer Podiumsdiskussion der Volkshochschule Haar in Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung und dem Münchner Merkur wieder. Statt den Kandidaten der Freien Wähler und ÖDP sind diesmal aber der AfD-Bundestagsabgeordnete Gerald Otten und Katinka Burz von den Linken mit von der Partie. Wie beim KJR findet die Veranstaltung online und in Präsenz statt, gut 100 Personen sind im Saal des Bürgerhauses zugelassen, die auf Zetteln Fragen formulieren können, die aufs Podium gereicht werden. Auch in Haar wird der stärkste Herausforderer von Florian Hahn (CSU) ums Direktmandat fehlen. Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag und das bekannteste politische Gesicht in Berlin aus dem Landkreis, lässt sich beide Male vertreten.

Beim KJR übernimmt das Saskia Weishaupt, die Landessprecherin der Grünen Jugend, die über die Landesliste ein Bundestagsmandat anstrebt. Bei der Runde in Haar ist Jamila Schäfer die Hofreiter-Vertreterin. Schäfer ist stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen und kandidiert im Münchner Süden. Volker Leib, Kreisvorsitzender der Grünen und Mitarbeiter in Hofreiters Büro, begründet das Fehlen des Grünen-Spitzenmanns mit terminlichen Gründen. "Als Fraktionsvorsitzender ist Toni Hofreiter im Wahlkampf ja in eine bundesweite Tourplanung eingebunden."

Für alle, die noch nicht wählen dürfen, bietet der KJR im September wieder eine U-18-Wahl an. Dann werden wieder Wahlurnen in den Jugendzentren stehen. Die Chancen übrigens haben sich zuletzt deutlich verschlechtert, dass Hofreiter und die Grünen am Wahltag, 26. September, ernsthaft Florian Hahn gefährden und der CSU das Direktmandat im Landkreis wegschnappen könnten. Anfang Juni sahen die Demoskopen von der Web-Seite Election.de die Wahrscheinlichkeit eines Hofreiter-Siegs bei 53 Prozent. Die fortdauernden Diskussionen um die Eignung der Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock zeigt Wirkung. Aktuell sind die Rollen wieder klar verteilt: Hahn 92 Prozent zu Hofreiter 8 Prozent.

Eine Anmeldung für die Diskussion der VHS in Haar ist möglich über Telefon 089/460 02-800 oder www.vhs-haar.de. Einlass: 18.30 Uhr.

© SZ vom 12.07.2021
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