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Brunnthal:Brunnthal hält sich Hintertür offen

Bewerbung für Realschule für den Fall, dass Höhenkirchen zurückzieht

Von Bernhard Lohr, Brunnthal

Trotz großer Bedenken hat sich der Brunnthaler Gemeinderat am Mittwochabend eine Hintertür offen gehalten, sich um eine Realschule auf eigener Flur zu bewerben. Das Gremium sprach sich auf einen Antrag der CSU hin einstimmig dafür aus, die weit gediehenen Pläne für eine Realschule an der Brunnthaler Straße in Höhenkirchen-Siegertsbrunn zu unterstützen. Zugleich beschlossen die Gemeinderäte gegen die Stimmen der Grünen, sich erneut mit einer eigenen Bewerbung zu befassen, sollte die Standortentscheidung für einen Bau am Ortsrand der Nachbarkommune gekippt werden. Zweiter Bürgermeister Thomas Mayer (CSU) bezeichnete es als großes Problem, sollte die Schule etwa in Hohenbrunn gebaut werden.

Seit der Zweckverband weiterführende Schulen im Südosten des Landkreises die Rechnung aufgemacht hat, dass ein Bau am beschlossenen Standort mehr als 20 Millionen Euro teurer würde als auf einem Schulcampus mit dem Gymnasium am Bahnhof, scheint vieles möglich. Denn der Widerstand gegen einen Campus ist wegen der kritischen Verkehrslage am Ort groß. Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) hält einen Bürgerentscheid in Höhenkirchen-Siegertsbrunn für denkbar. Am Ende könnte die Gemeinde ohne Schulstandort dastehen. Aus Hohenbrunn gibt es deshalb Rufe, die Schule dort am Bahnhof zu errichten. Für Brunnthaler Kinder wäre die schlechter zu erreichen, vor allem aber müsste man sich in Brunnthal von dem Gedanken verabschieden, dass Sportler die Halle nutzen könnten, die im Nachbarort an der nahen Realschule an der Brunnthaler Straße gebaut würde.

Dennoch stieß der CSU-Vorstoß, sich im Fall eines Ausscheidens von Höhenkirchen-Siegertsbrunn um die Realschule zu bewerben, im Gemeinderat auf wenig Gegenliebe. Michael Lechner (Grüne) bezeichnete es als undenkbar, eine Schule auf eins der beiden zwischen Brunnthal und Hofolding liegenden gemeindlichen Grundstücke zu bauen. Solch ein Projekt auf freier Flur, neben dem Wald und ohne Bahnanbindung wäre ein Unding. Das Ortsbild würde verschandelt. Christine Zietsch (SPD) zweifelte die vom Zweckverband vorgebrachten Argumente an, was die Mehrkosten eines Baus an der Brunnthaler Straße angeht, und sagte, man werde in Brunnthal gar nicht die Mindestschülerzahl für eine Realschule erreichen. Aus Sicht von Siegfried Hauser (PWB) wäre die Schule in Hohenbrunn genau am richtigen Ort.

Dennoch: Mayer und Christine Schulz (CSU), die als Vertreterin Brunnthals im Zweckverband sitzt, fanden auch Gehör damit, dass es für Brunnthal bei der Standortentscheidung um viel geht. Die Schule müsse zügig gebaut werden, sagte Schulz, und Brunnthal habe Grundstücke. Mayer verwies auf einen möglicherweise folgenden Ausbau des Busverkehrs in Brunnthal, sollte die Schule kommen. Die Gemeinde habe bisher stets für Schulen in anderen Orten bezahlt, wo dann Sportler die Mehrzweckhallen für außerschulische Zwecke nutzen könnten. Auf Anregung von Robert Huber (PWB) einigte sich die Gemeinderatsmehrheit darauf, eine Bewerbung Brunnthals erneut zu beraten, sollte die Schule tatsächlich nicht in Höhenkirchen-Siegertsbrunn gebaut werden.

© SZ vom 19.06.2020

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