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Brauchtum:Weiß-blaues Risiko

Maibaum-Brauch

Der Baierbrunner Maibaum wird traditionell alle fünf Jahre von Hand aufgestellt.

(Foto: Stephan Jansen/dpa)

Wegen Corona mussten die Baierbrunner das Maibaum-Aufstellen verschieben. Nun gibt es Probleme mit der Versicherung

Von Udo Watter, Baierbrunn

Die Baierbrunner Grundschule ist grundsätzlich unverdächtig, ein Ort zu sein, an dem Freibier ausgeschenkt wird. Gleichwohl konnte einen ob des Andrangs, der am Dienstagabend am Eingang zur Turnhalle kurzzeitig herrschte, diese Vermutung beschleichen. Freilich demonstrierte dann Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) kurz nach 19 Uhr nicht seine Anzapfqualitäten, sondern begrüßte neben den Mitgliedern des Gemeinderates die mehr als 30 Besucher, die zur Sitzungseröffnung erschienen waren - und nun, alle brav mit Mund-Nasen-Schutz dekoriert, teils auf den eigens aufgestellten kleinen Schulturnbänken saßen.

Vor allem zwei Tagesordnungspunkten war die Resonanz geschuldet: der Frage, welche Luftreinigungsanlagen für Schule und Mittagsbetreuung beschafft werden sollten - und dem Maibaum. So waren auch Mitglieder der "Maimusi" zu Gast, ein Verein, der aus unverheirateten Madln und Burschen besteht und alle fünf Jahre für das traditionelle Maibaumaufstellen von Hand im Ortszentrum verantwortlich zeichnet. Eigentlich wäre dieser für den Ort wichtige zeremonielle Akt heuer wieder fällig gewesen, wurde aber wegen der Pandemie auf 2022 verschoben, auch weil die Mitglieder im Winter wegen des Lockdowns nicht die traditionellen Tänze zusammen lernen konnten.

Es gibt weitere Haken. Während der alte Baum nach einer Untersuchung zur Standfestigkeit im Mai 2020 wegen Schadstellen demontiert wurde, ist noch nicht klar, in welcher Form der neue aufgestellt wird und welches Fundament ihn tragen wird. Entscheidend sind dabei Versicherungsfragen, wie Ott erläuterte. Die Bayerische Versicherungskammer etwa versichere keinen Baum mehr, der mehr als 30 Meter hoch sei und in Erde eingegraben, wie traditionell in Baierbrunn. Für einen Baum zwischen 35 und 40 Meter wäre demnach ein Beton-Stahlfundament notwendig, das teurer wäre. "Die Risikowahrnehmung hat sich geändert", sagte Ott. Felix Maiwald (CSU) erklärte indes, er habe Kontakt mit einem Unternehmen, das auch höhere Maibäume versichere, die eingegraben sind. Die Variante gilt manchen eh als sicherere, da der Baum bei Stürmen besser schwinge. Beim händischen Aufstellen könnte es wohl in jedem Fall bleiben, unabhängig vom Fundament.

Man verständigte sich schließlich darauf, die Versicherungsfragen erst genau zu klären, dann das weitere Vorgehen zwischen Rathaus, Gemeinderat und Maimusi zu besprechen. "Wenn wir nicht müssen, wäre es am schönsten wie bisher", sagte Ott. Geld würde man sich auch sparen und das kann man gebrauchen: Von den drei vorgestellten Luftreinigungsgeräten hat man sich für die kostenintensivste entschieden: kleine, leise Geräte, die Nano-Strike-Plasmatechnologie verwenden. 36 an der Zahl, Kostenpunkt rund 88 000 Euro.

© SZ vom 04.03.2021
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