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Bildung:"Wir wollen, dass die Kinder bei uns leben"

Die Grundschule am Wald in Taufkirchen zieht um und bietet erstmals eine Ganztagsklasse an

Von Patrik Stäbler, Taufkirchen

Die Grundschule am Wald in Taufkirchen ist aktuell eine Baustelle - im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. So liegt der Neubau schräg gegenüber dem bisherigen Schulhaus gerade in den letzten Zügen; in den Sommerferien soll das deutlich größere und modernere Gebäude mit dem Sportplatz auf dem Dach bezogen werden. Zugleich stellt sich die Grundschule aber auch konzeptionell neu auf - als Mitglied der Initiative "Schule im Aufbruch".

"Wir haben den Mut, Veränderungen zu machen", sagte Rektorin Hildegard Höhn bei ihrer Präsentation im Sozialausschuss des Gemeinderats. Das Ziel sei "eine neue Kultur von Partizipation und Gesellschaft". Die Kinder sollten stärker mit eingebunden und außerdem "gefördert und gefordert" werden, so Höhn. "Früher hat man gesagt, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Das ist heute immer noch so - doch im Moment ist die Schule das Dorf."

Ein wichtiger Eckpfeiler von "Schule im Aufbruch" ist der gebundene Ganztagsunterricht. Er wird nach dem Umzug im kommenden Schuljahr mit einer dritten Klasse anfangen und soll danach sukzessive ausgebaut werden. Die Idee dahinter: Die Kinder sind von 8 bis 16 Uhr in der Schule und haben in dieser Zeit nicht nur Unterricht, sondern besuchen auch Freizeitangebote, Koch- und Computerkurse. Dazu kommen sogenannte Intensivierungsstunden, in denen gezielte Förderung etwa in Kleingruppen stattfindet.

"Ich war früher selbst kein Freund vom Ganztag", berichtete Rektorin Hildegard Höhn. Doch ihre Einstellung dazu habe sich geändert, "weil ich gemerkt habe, dass die Kinder das brauchen, damit sie die Zukunft meistern können". In der neuen Schule mit ihrer Cluster-Struktur böten sich ganz neue Möglichkeiten, das Konzept von "Schule im Aufbruch" umzusetzen, sagte Höhn. "Wir wollen, dass die Kinder bei uns leben - und nicht nur lernen. Und dass sie sagen: Diese Schule ist mein Lebensraum."

Bei der Entwicklung ihres Ganztagsangebots setzt die Grundschule am Wald auf die landkreisweite Initiative "Ganztag Bildung Zukunft" - ein Zusammenschluss von Akteuren aus Jugendarbeit, Wissenschaft und Wirtschaft. In Taufkirchen wolle man dabei verschiedene Partner vom Jugendzentrum über den Sportverein bis hin zu den nachschulischen Betreuungseinrichtungen mit ins Boot holen, sagte Andreas Bayerle, der Sozialreferent der Gemeinde.

Das Interesse am Ganztag sei jedenfalls groß, berichtete Hildegard Höhn. Sie habe aus 30 Anmeldungen jene 21 Kinder auslosen müssen, die einen Platz in der ersten Ganztagsklasse erhalten. Im Schuljahr 2022/23 wolle man in jeder Altersstufe mindestens eine Ganztagsklasse anbieten. "Ich gehe davon aus, dass wir sehr viel mehr Anmeldungen bekommen werden", sagte die Rektorin. "Und dann müssen wir schauen, ob eine Klasse in jeder Jahrgangsstufe reicht."

© SZ vom 27.05.2021
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