bedeckt München 26°

Berufsausbildung:Frisch gestylt zum ersten Job

Laura Wermuth und Tim Hoffmann haben schon vor dem Start der Ausbildungsmesse gewonnen: Und zwar ein Styling. Neu eingekleidet und mit schicken Frisuren ging es dann zu den Beratungsgesprächen.

(Foto: Claus Schunk)

Auch unter Corona-Bedingungen wir der Tag der Ausbildung in der Neubiberger Realschule gut angenommen

Von Sebastian Franz, Neubiberg

Nur auf den ersten Blick ist wenig los an diesem Samstag in der Realschule in Neubiberg. Und das hat natürlich mit der Corona-Pandemie zu tun und der Tatsache, dass Menschenansammlungen vermieden werden sollen. Aber wer genauer hinschaut, erkennt sofort, dass der Tag der Ausbildung auch unter erschwerten Bedingungen gut angenommen wird - von Schülern wie von Unternehmen, die hier nach Nachwuchs Ausschau halten.

Im vergangenen Jahr fehlte diese Gelegenheit komplett, da musste die Ausbildungsmesse coronabedingt entfallen. An diesem Samstag waren etwa tausend Schüler der achten, neunten und zehnten Klassen aus dem Landkreis eingeladen; außerdem an die 25 Unternehmen, die Ausbildungsplätze anbieten. Vor dem Gebäude standen hin und wieder einzelne Menschen, einige waren in der Aula versprengt. Bei den bisherigen Tagen der Ausbildung bauten die Unternehmen ihre Stände stets in der Aula auf. Dieses Mal war die Ausbildungsmesse wegen des ausgefeilten Hygienekonzeptes auf das ganze Schulgebäude verteilt. Jeder Firma stand ein eigenes Klassenzimmer zur Verfügung. Dort konnten sich die Schüler mit Unternehmensvertretern und Auszubildenden austauschen. Organisatorin Gitta Svoboda vom Förderverein der Realschule war zufrieden, der hohe Aufwand für das Hygienekonzept habe sich gelohnt, sagte sie. Am wichtigsten sei, dass die Veranstaltung in Präsenz habe stattfinden können, wenn auch alles ein Stückweit komplizierter gewesen sei als sonst. Wichtig sei bei der Ausbildungssuche eben auch, dass auf persönlicher Ebene alles passt, so Svoboda. Bei einem reinen Online-Event sei dies schwerer - für die Vertreter der Unternehmen. aber eben auch für die Schüler.

Gelohnt hat sich der Tag auch für Laura Wermuth und Tim Hoffmann. Beide besuchen die neunte Klasse der Realschule Neubiberg. Sie gewannen ein professionelles Styling samt Friseurbesuch für ein Bewerbungsgespräch in ihrer Wunschbranche. Hoffmann wisse bereits, dass es ihn in Richtung Informationstechnik ziehe. Mit eventuellen Dresscodes in Unternehmen oder Vorstellungsgesprächen habe er sich noch nicht beschäftigt. "Ich wäre einfach im Pulli gekommen", sagte der 14-Jährige. In Anzug, leger mit T-Shirt statt Hemd, fühle er sich aber "sehr gut" für ein Vorstellungsgespräch im IT-Bereich angezogen.

Die 16-jährige Wermuth beschäftigt sich bereits intensiver mit Mode. Sie interessiere sich für das Duale Studium Euro-Management sowie Fashion Management, sagte sie. Beim Tag der Ausbildung war sie, um Informationen zu sammeln, sie möchte sich verschiedene Möglichkeiten offenhalten. Mit ihrem professionellen Styling war sie zufrieden: "Ich fühle mich super wohl mit meinem Outfit und meiner Frisur. Das pusht mein Selbstbewusstsein". Die Stylistinnen hätten nicht die erstbesten Kleidungsstücke für sie ausgewählt, sondern seien auf ihren Berufswunsch und persönlichen Stil eingegangen.

Die Spezialchemie-Firma United Initiators aus Pullach ist jedes Mal bei der Messe dabei und in der Ausbildung engagiert. Jeder Jahrgang besteht aus acht bis zehn jungen Menschen, die zum Chemikant oder zum Chemielaboranten ausgebildet werden. Ausbilderin Kirstin Seevogel kommt gerne in die Realschule Neubiberg. Sie schätzt die gute Organisation und das ehrliche Interesse der Schüler. "Viele Schülerinnen und Schüler wissen gar nicht, was es im Raum München für Ausbildungsmöglichkeiten gibt." Chemikanten sind verantwortlich für die Vorbereitung, die Erledigung und die Kontrolle von Produktionsprozessen bei der Herstellung von chemischen Produkten. In den meisten Jahrgängen Uniteds seien Absolventen der Realschule Neubiberg gewesen. So auch Anna Lena Mayerthaler, sie ist im dritten Ausbildungsjahr zur Chemikantin. Damals absolvierte sie den Kunstzweig der Realschule. Für ihre Berufsorientierung sei das nicht immer einfach gewesen. Ihr Job als Chemikantin bereite ihr heute viel Freude. "Ich bin froh, dass ich da war", sagte sie über den Tag der Ausbildung.

© SZ vom 14.06.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB