Bahn Einmal Tunnelgegner, immer Tunnelgegner

Die Bürgerinitiative bleibt dabei: Die Bahn soll unter der Erde verschwinden.

(Foto: Catherina Hess)

Die Initiative für die Tieferlegung der Bahnlinie in Oberschleißheim sieht sich durch die jüngste Kehrtwende von Christian Kuchlbauer bestätigt: Ihrer Meinung nach hat der Bürgermeister das Projekt nie ernsthaft verfolgt.

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Mit seiner jüngsten Kehrtwende zur möglichen Tieferlegung der Bahnlinie hat sich Bürgermeister Christian Kuchlbauer (FW) den Zorn der Bürgerinitiative "Bahn im Tunnel" (BIT) zugezogen. "Er macht damit seine eigene politische Meinung zur Meinung von Oberschleißheim", rügt BIT-Vorsitzender Peter Benthues, der auch für die CSU im Gemeinderat sitzt.

Vor einigen Monaten noch hatte Kuchlbauer die plötzliche Option einer Tieferlegung der Bahn durch den Ort zu völlig neuen Konditionen noch als Jahrhundertchance und sich selbst als großen Strippenzieher hinter dem Szenario dargestellt. Bei der Bürgerversammlung sagte er nun kürzlich, ein Bahntunnel sei in seinen Augen "vom Tisch". Im Saal zeigten sich da einige Gemeinderäte schon höchst verblüfft über die einseitige Aufkündigung des einhelligen Ziels. Und für die Bürgerinitiative "Bahn im Tunnel" hat sich der Bürgermeister einmal mehr als Sachwalter des zentralen Zukunftsziels diskreditiert.

Von Kuchlbauers Positionsschwenk bei der Bürgerversammlung zeigte sich Benthues freilich wenig überrascht. "Es war nichts anderes zu erwarten. Er bleibt ein ewiger Verfechter der Straßenunterführung", sagt er. Kuchlbauer hatte 2009 ein Bürgerbegehren für eine Tieferlegung der Straße unter die Schienen als Lösung des Verkehrsknotens der Dachauer Straße mit der Bahnstrecke angeführt, das aber scheiterte. Die Oberschleißheimer votierten damals für das Ratsbegehren, das eine Tieferlegung der Bahn vorsah und hinter dem sich mit Ausnahme von Kuchlbauers Freien Wählern auch alle politischen Gruppierungen versammelten. "Wir versuchen alles, um diesem Auftrag der Bürger gerecht zu werden", betont Benthues zum schon fast 30 Jahre langen Kampf der Bürgerinitiative und des Gemeinderats, "aber daran fehlt es beim Bürgermeister."

Bürgermeister Christian Kuchlbauer glaubt nicht an eine Tieferlegung der Bahn.

(Foto: Florian Peljak)

Bürgermeister Kuchlbauer spricht von "Stillstand"

Vor Monaten hatte der Gemeinderat beschlossen, bei den Verhandlungen über die Möglichkeiten der Tieferlegung immer auch Vertreter der Bürgerinitiative hinzuzuziehen. Doch eingeladen wurden diese nie. "Gespräche wird es einfach nicht gegeben haben", sagt Benthues. Die Initiative "Bahn im Tunnel" hat jetzt selbst wieder ans Verkehrsministerium geschrieben und um Fortsetzung des Dialogs angesucht. Schon mehrmals hat die Initiative Kuchlbauer auch dafür kritisiert, dass er bei dem momentan permanenten Kontakt zu Ministern und Staatssekretären wegen der Entwicklung des Uni-Campus für die Tierärztliche Fakultät sich nicht stärker für die Oberschleißheimer Nöte einbringe. "Er muss doch diese Gelegenheiten nutzen, um die Leute auf unsere Seite zu ziehen", klagt Benthues.

Kuchlbauer hat mehrmals versichert, dass er das intern schon tue. Belastbar ist daran freilich nichts. Ansonsten räumt er aber freimütig ein, dass in der Materie "ein Stillstand eingetreten" sei. Begründet sei der in der Haltung des Gemeinderats, die seinerzeitige Verhandlungsbasis nicht zu akzeptieren. Mit der damals präsentierten Idee, die er sich zu eigen gemacht hatte, nämlich mit der Tieferlegung der Gleise auch den Bahnhof in diesen Trog zu verlegen und damit näher an den Uni-Campus zu rücken, seien "Widerstände der Beteiligten aufgelöst worden", findet Kuchlbauer.

Bürgerinitiative erwartet, dass die Gemeinde am Ball bleibt

Der Gemeinderat hatte dann aber gefordert, alternativ auch über einen Trog ohne Bahnhofsverlegung zu verhandeln und als Optimum einen Trog plus zweiten Bahnhof am Campus. "Hier wurde uns bei allen Gesprächen mitgeteilt, dass hier keine Chance besteht", betont der Bürgermeister. Somit sehe er auch keinen Sinn, diese Fragestellung zu verfolgen. "Eine Vision ist das eine", sagt er, "eine Utopie das andere und eine Träumerei das weitere." Als "Vision, die es gilt, weiter zu verfolgen", wertet er lediglich die Absicht, einen zweiten S-Bahnhof am Uni-Campus zu erhalten: "Dieser ist für die Zukunft durchaus realisierbar." Für eine Tieferlegung sehe er allerdings "keine Möglichkeit" und für die von ihm stets verfochtene Straßenunterführung sei "momentan keine Mehrheit vorhanden". Deshalb herrsche nun Stillstand.

Benthues verweist hingegen darauf, dass eine konkrete Strategie im Gemeinderat noch gar nicht beschlossen sei. Nach der Forderung, die beiden Alternativen zu überprüfen, sei lediglich eine Studie dazu vorgelegt worden, abgestimmt sei noch gar nichts. Unabhängig davon müsse der Bürgermeister aber permanent diese Themen vorantreiben, erwartet Benthues. Der Druck, die Verkehrsprobleme zu lösen, nehme weiter zu, sagt er: "Da müsste man doch am Ball bleiben", sagt der Sprecher der Bürgerinitiative. "Gar nix machen und überall klein beigeben bringt uns in keinster Weise weiter." In der nächsten Gemeinderatssitzung will Benthues die Situation thematisieren, verbunden mit der Frage: "Wie geht's jetzt weiter?"