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Muslime in Ottobrunn:Verständnis füreinander finden

Vorsitzender Husein Durmic will mit dem Deutsch-Islamischen Kulturkreis Muslime und Angehörige anderer Religionen zusammenbringen.

(Foto: Catherina Hess)

Seit zehn Jahren kümmert sich der Deutsch-Islamische Kulturkreis in Ottobrunn darum, die Grenzen zwischen den Religionen zu überwinden. Mit Ausflügen, Vorträgen und Festen ist das bislang gut gelungen.

"Wenn es ein Wort gibt, das wir bis zur Erschöpfung wiederholen müssen, dann lautet es Dialog." Diese Aussage stammt von Papst Franziskus, als ihm 2016 in Aachen der Karlspreis verliehen wurde. Dieses Credo gilt auch für Husein Durmic, Caroline Vornehm und Mirsad Nikšić - und das schon seit zehn Jahren. Zusammen mit neun anderen haben sie damals in Ottobrunn den Deutsch-Islamischen Kulturkreis gegründet. Am Sonntagnachmittag hat dieser mit namhaften Gästen seinen Geburtstag im Wolf-Ferrari-Haus gefeiert.

Im Kulturkreis treffen sich Muslime aus Ottobrunn und Umgebung, die hier beheimatet sind und sich für Verständigung sowie für interreligiösen und interkulturellen Dialog zwischen Muslimen und anderen Religionen einsetzen. Etwa bei Buchvorstellungen, Ausflügen oder Segnungsfeiern in Grundschulen führt der Kreis Menschen verschiedener religiöser und kultureller Herkunft zusammen. Bewusst und inzwischen selbstverständlich werden zu den Festen Gläubige aller Religionen eingeladen. Zu den christlichen Kirchen am Ort ist ein vertrauensvolles Verhältnis gewachsen, das alle Beteiligten nach eigenen Angaben als Bereicherung empfinden. So leiteten Durmic und Dekan Mathis Steinbauer von der evangelischen Michaelskirche zwei interreligiöse Studienreisen nach Sarajewo und nach Irland gemeinsam. Zusammen mit der VHS Süd-Ost und der lokalen Agenda organisiert der Kreis das "Fest der Kulturen" in Ottobrunn.

Seit Anbeginn ist Husein Durmic erster Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins. Der gebürtige Bosnier wohnt mit seiner Familie schon lange in Ottobrunn und wusste von hier lebenden Muslimen aus verschiedensten Ländern. Er wollte sie kennenlernen und sie miteinander vernetzen, wie er sagt: "Wir haben versucht, und tun das noch heute, durch Feste in lockerer Atmosphäre zusammenzufinden und in den Dialog zu kommen. Anfangs saßen etwa die Bosnier und die Italiener jeweils für sich in einer Gruppe beieinander. Inzwischen mischen sich die Nationalitäten von Beginn an", erzählt Durmic. Oft diskutieren die Muslime aus Deutschland, Frankreich, den Balkanstaaten, der Türkei, aus Ägypten, Syrien, Kasachstan und den afrikanischen Ländern auch über ihre verschiedenen Traditionen.

Wichtig für Durmic ist, Ängste und Vorurteile abzubauen. "Den Islam als Rechtfertigung von Gewalt und Terror zu missbrauchen, ist die größte Sünde und das größte Verbrechen zugleich. Islam, wie wir ihn verstehen, baut auf der Barmherzigkeit Gottes auf. Er bejaht Menschenwürde, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung der Geschlechter, Gleichbehandlung aller Menschen, Demokratie und Pluralismus." Und genau darum ging es bei der Feierstunde am Sonntag.

Zu den Gästen zählten Landrat Christoph Göbel (CSU), die Beauftragten für interreligiösen Dialog beider christlichen Kirchen, die Pfarrer der Gemeinden am Ort sowie Stefan Jakob Wimmer, der Vorsitzende der "Freunde Abrahams", einer Gesellschaft für religionsgeschichtliche Forschung. Wimmer war es auch, der die Festrede zum Geburtstag hielt und darin über acht Jahrhunderte Vorgeschichte der Muslime in Bayern sprach. Der Imam der Islamischen Gemeinde in Penzberg, Benjamin Idriz, rezitierte aus dem Koran.

Natürlich war auch Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) gekommen. Er ist häufig Gast bei den Veranstaltungen des Kulturkreises, der für einen aufgeklärten, dialogbereiten Islam stehe: "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir Muslime haben, die sich nicht ängstlich abschotten, sondern sich selbstbewusst und aktiv in die Ottobrunner Gesellschaft einbringen und so den Dialog und den Abbau von Vorurteilen fördern", sagte Loderer. Nicht von ungefähr beschloss der Gemeinderat im Jahr 2015, ein islamisches Gräberfeld auf dem Ottobrunner Parkfriedhof einzurichten.

Für die Zukunft hat sich der Kulturkreis viel vorgenommen. Vorsitzender Durmic hofft, dass bald eigene Räume gefunden werden können, um mehr Menschen - auch Muslime - einzuladen und sie dort abzuholen, wo sie in ihrer Kenntnis und Meinung über andere Religionen stehen. Dann treffen sie, so Pfarrer Steinbauer, "auf eine Gruppe von Menschen voller Herzenswärme, die freundlich, tolerant, offen und ohne Vorurteile das Gespräch suchen."

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