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Kurzkritik:Würdevoller Neubeginn

"Die Sterne" begeistern im Ampere

"Wir sind nur Die Sterne, ihr die Unerschrockenen." Das sagt Frank Spilker, ein Meister des Understatements, zu Beginn. Und mit dieser Unerschrockenheit meint er, trotz des Coronavirus ins ausverkaufte Ampere gekommen zu sein. Das Konzert in Wien sei ausgefallen, erzählt er. Er hoffe, dass niemandem was passiert. Und er sei froh, wieder hier in München zu sein. Diese Freude ist auch auf der anderen Seite, was man die nächsten eineinhalb Stunden spürt. Denn diese sind ein Fest.

Was es zu feiern gibt? Das zwölfte, sehr schöne und nur "Die Sterne" genannte, neue Album der Hamburger Band zum Beispiel. Oder dass es Die Sterne überhaupt noch gibt. Denn nach dem Ausstieg von Thomas Wenzel und Christoph Leich ist einzig Sänger und Gitarrist Frank Spilker als Ur-Stern übrig. Statt aufzugeben, hat der 53-Jährige für das Album eine Supergroup zusammengetrommelt, bestehend aus den Düsseldorf Düsterboys, Erobique und Jan Philipp Janzen und Phillip Tielsch von der Kölner Band Von Spar. Janzen und Tielsch sind im Ampere auf der Bühne. Die anderen leider nicht, aber dafür Keyboarderin Dyan Valdes und Bassist Max Knoth als erprobte Sterne-Kompagnons.

Gemeinsam präsentieren sie neue Songs wie "Der Palast ist leer" oder "Wir kämen wieder vor", ergänzt durch vieles aus dem ein Vierteljahrhundert umfassenden Backkatalog. Von Rock, Funk bis zu Soul, Wave und Disko reicht das Repertoire, und man ist selbst ein bisschen überrascht, wie zeitlos Songs wie "Universal Tellerwäscher" oder "Wahr ist, was wahr ist" immer noch wirken. Dass im Zeitalter des Optimierungswahns nur die Verweigerung einen letzten Funken Würde bietet: Das schält sich, mit Blick auf Zeilen wie "Wir sind nichts, wir wollen nichts" oder die Prokrastinierer-Hymne "Du must gar nix", als ein zentraler Nenner heraus. Trotzdem spielt die Band, denn es könnte ja das letzte Konzert für die nächsten Wochen sein, noch drei Zugaben.

© SZ vom 13.03.2020

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