bedeckt München 22°

Kurzkritik:Pausenstopp

"Schwiegermutter und andere Bosheiten" in der Komödie

Von Barbara Hordych

Wenn Michael von Au mit seinen angestoßenen Koffern gebückt und widerstrebend zur Tür stolpert, der verordneten Ehe-Pause entgegen, dann kann man seine energiegeladen in Sneakers dahereilende Frau Henrike (Susu Padotzke) beinahe verstehen: dieser Bernhard ist trotz seiner 1,86 Meter mitnichten das Idealbild eines stolzen Mannes. In Anbetracht der Tatsache, dass das stilvoll eingerichtete Heim seiner Schwiegermutter gehört, ist er auch keineswegs der Herr im Haus. Woran ihn Simone Rethel als titelgebende Frau Mama in der Posse "Schwiegermutter und andere Bosheiten" auch allzu gerne erinnert. Mit ihr eröffnete die Komödie im Bayerischen Hof nach vier Monaten Zwangspause wieder.

In die Ehepause hinein strahlt der Lebemann Uwe, routiniert charmant verkörpert von Pascal Breuer in der Doppelfunktion von Darsteller und Regisseur. Er bringt erstklassiges Equipment und eine ebensolche Braut (Anna Lena Class) mit. Dumm nur, dass deren beste Freundin Henrike vor zehn Jahren ihre einzige Affäre mit genau jenem Uwe erlebte. Damit nicht genug, ist auch ihre Mutter Gerda mit dem Lebemann bestens vertraut. Und Tochter Evi, die sich zwischendurch am Telefon meldet, steckt in Liebesnöten ausgerechnet wegen eines gewissen Uwe.

Selbstverständlich ist diese amouröse Versuchsanordnung aus der Feder von "Rosenheim-Cops"-Produzent Alexander Ollig so nur in einer Boulevardkomödie akzeptabel. Dessen ungeachtet ist es höchst vergnüglich mitanzusehen, wie Au als gebeutelter Ehemann Bernhard, zurückbeordert aus der Zwangspause, sich als Ritter der anwesenden Damen zu ungeahnter Höhe aufschwingt. Dass zum guten Schluss das alte Ehepaar mit frisch gesetzten Segeln neue Fahrt aufnimmt, ist erwartbar. Aber was soll's - das funktionierte auch schon in den Hollywood-Klassikern der Dreißiger und Vierziger Jahre mit dem Sujet "Comedy of Remarriage" bestens, man denke nur an "The Awful Truth" mit Gary Grant und Irene Dunne. Präsentiert von einem Ensemble, das die Untiefen dieser leicht dahingetupften Komödie mit glänzender Spiellaune umschifft, ein großer Spaß (bis 6. September)

© SZ vom 01.08.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite