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Kurzkritik:Fliegende Herzen

Tenor-Vergnügen im Gärtnerplatztheater

Von Klaus Kalchschmid

Männer unter sich, die auch noch alle dieselbe hohe Stimmlage singen - gibt das Krieg, oder dominiert die Lust am Wetteifern und beim gemeinsam Singen? Die fünf Tenöre im Ensemble des Gärtnerplatztheaters sind allesamt attraktive Kerle mit einer sexy Stimme und haben es nicht nötig, den Platzhirsch zu mimen. Und wenn sie es tun, dann so übertrieben, dass ihnen die Frauenherzen nur so zufliegen. Denn im Publikum waren 90 Prozent weiblich.

"Herzensbrecher" nennt sich das Programm mit Juan Carlos Falcón, Lucian Krasznec, Maximilian Mayer, Gyula Rab und Alexandros Tsilogiannis und 20 Instrumentalisten unter Andreas Kowalewitz. Ob Arie, Musical oder als Zugabe "We Are The Champions" - die fünf Herren brillieren in jedem Genre. Dabei trauen sich die Jüngsten, am sentimentalsten und stürmischsten zu sein, so Mayer mit Lehárs "Gern hab' ich die Frau'n geküsst" und Bernsteins "Maria" oder Rab mit den vielen mühelosen hohen Cs in Donizettis "Ah! mes amis". Krasznec albert in manchen Nummern herrlich und verströmt bei "Je cros entendre encore" ("Die Perlenfischer") französische Eleganz mit fein gemischten Registern. Tsilogiannis schwärmt mit mehr als einer Träne in der Stimme in Werthers "Pourqoui me réveiller", Falcón wiederum herb-erotisch in "Bésame mucho". Bei "Dein ist mein ganzes Herz" fallen sich die fünf immer wieder ins Wort und teilen auch "Nessun dorma" brüderlich - mit den Damen im Publikum als Chor.

© SZ vom 11.07.2020

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