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Kunst:Mais am Gleis

In Regensburg gibt es nun Monokultur im Tunnel.

(Foto: Regina Hellwig-Schmid)

Catrin Bolts Installation am Regensburger Hauptbahnhof

Von sabine Reithmaier, Regensburg

Auf den ersten Blick sieht der Tunnel aus wie immer. Die frühere Unterführung am Hauptbahnhof in Regensburg ist maisgelb gefliest. Und nun hat sie Catrin Bolt mit handgemalten Maiskolben in ein "Monokulturelles Stillleben (Kukuruz)" verwandelt. Mit der Installation der Wiener Künstlerin hat der Donumenta-Verein die Saison im "Art Lab Gleis 1" am Regensburger Hauptbahnhof eröffnet.

Mais zählt zum am meisten angebauten Getreide weltweit, auch in Bayern. Unerkannt steckt er in vielen Lebensmitteln, denn Maisstärke ist ein beliebtes Bindemittel. Der Großteil wird aber als Tierfutter, aber auch als Biotreibstoff und Kunststoffersatz verarbeitet. Mais sei daher so etwas wie die Grundlage unserer Konsumgesellschaft, sagt Bolt. "Er wird im Kampf um Ressourcen und Billigpreise zum Politikum."

Die österreichische Künstlerin hat an der Akademie in Wien studiert und arbeitet in ihren Projekten meist im öffentlichen Raum. Für Regensburg hat sie 750 Fliesen mit je einem Maiskolben bemalt, fast eine Erinnerung an Zeiten, als es noch Küchenfliesen mit Obst-, Gemüse- oder Kräuterdekor gab. Bolt aber geht es mit ihrer seriellen Arbeit um den Hinweis auf landschaftsprägende Produktionsweisen. "Wie beim Bahnfahren die Monokulturen an einem vorbeiziehen, so kann man hier an den Maiskolben entlanggehen." Sie ähneln sich, sind aber doch jeweils anders und eigens gemalt. Eine gute Anregung, um über unsere Produktions- und Konsumweisen nachzudenken.

Monokulturelles Stillleben (Kukuruz), Art Lab Gleis 1 am Regensburger Hauptbahnhof, bis 28. Juni, geöffnet jeweils Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 19 Uhr

© SZ vom 10.06.2020

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