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Krug der Wiesnwirte:Maß mit bayerischem Herkules

Die Wiesnwirtinnen Katharina Inselkammer, Anneliese Haberl und Christine Winklhofer (von links) präsentieren den neuen Krug.

(Foto: Claus Schunk)

Hans Steyrer, auch bekannt als bayerischer Herkules, ziert in diesem Jahr den Krug der Wiesnwirte fürs Oktoberfest. Einen dirigierenden Christian Ude muss man dazu kaufen. Dem neuen Wirt Able dürfte der Krug allerdings nicht gefallen.

Toll, wie zweideutig das Bairische manchmal sein kann: "Seit i da Sprecher bin, gibt's Kriag", sagt Toni Roiderer, und auch wenn man weiß, dass er sein Amt, das des Wiesnwirte-Sprechers, durchaus kämpferisch der Stadt und anderen Zumutungen gegenüber ausfüllt - dass es dabei zu kriegerischen Handlungen gekommen wäre, war bislang nicht bekannt.

Aber Roiderer hat ja auch gar nicht den Krieg gemeint, sondern den Krug, dessen bairischer Plural eben "Kriag" lautet. Einen solchen hält er jetzt in der Hand, am Donnerstagabend in seinem Gasthof in Straßlach: den Krug der Wiesnwirte, eingeführt 2002, als Roiderer gewählt wurde zum Nachfolger von Willy Heide.

Die Wirte haben sich nicht nur zur Präsentation des Krugs versammelt, sondern auch, um ihren neuen Ansprechpartner kennenzulernen: Georg Schlagbauer ist neuer Wiesn-Stadtrat und hat seinen Stellvertreter gleich mitgebracht, Manuel Pretzl, beides durchaus würdige Inhaber ihrer Ämter, denn Schlagbauer ist Metzger, Pretzl aber Direktor des Jagd- und Fischereimuseums. Sie kennen sich also aus mit toten Tieren, die ja auch auf der Wiesn eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

Geldstrafe wegen groben Unfugs

Eine Rolle spielen aber nun im Biergarten zunächst einmal Schweinsbraten und Entenhaxn, danach dann der Krug, der 13. in der Reihe. Ihn ziert heuer ein Bildnis des Steyrer Hans, genannt der bayerische Herkules, wofür es zwar kein irgendwie rundes Jubiläum gibt, aber die Wirte dürften ihm dennoch bis heute dankbar sein: Hans Steyrer, geboren 1849, bekam 1887 ein Zelt auf dem Oktoberfest, was ihn so freute, dass er mit einem Vierspänner und sieben Zweispännern inklusive Blasmusik von Giesing aus zur Wiesneröffnung fahren wollte.

Das brachte ihm damals zwar eine Geldstrafe wegen groben Unfugs ein, begründete aber auch die Tradition des Wirte-Einzugs. Heute dürfte ein Platz in einer der Kutschen ungefähr so begehrt sein wie einer in der Anzapf-Box oder auf dem Rathaus-Balkon bei der Bayern-Meisterfeier.

"A knapper Liter"

Mit gutem Recht also prangt der Steyrer Hans auf dem Krug und kann von jedermann für 20 Euro erworben werden. Wer 13 Euro drauflegt, bekommt noch einen Zinndeckel dazu, darauf ist ein weiterer Ehemaliger eingraviert, Christian Ude beim Dirigieren, ein Talent allerdings, das nicht als das hervorstechendste des Ex-OBs in die Annalen eingehen wird.

Neben dem Steyrer Hans und dem Ude Christian sind auf dem Krug die Namen der aktuellen Wirte verewigt. Nur einer fehlt: Den neuen Kollegen Siegfried Able wollen die Alteingesessenen erst einmal nicht in ihrer Runde haben, was Roiderer schlüssig zu erklären weiß: "Wenn du jemanden kennenlernst, dann heiratest den ja auch nicht sofort."

Dann geht es noch um die Security in den Zelten und wieder einmal um illegale Reservierungen, vor denen Roiderer wieder eindringlich warnt, weil die Leute viel Geld an dubiose Zwischenhändler bezahlen und dann vielleicht trotzdem nicht ins Zelt kommen. Schließlich will noch jemand wissen - wahrscheinlich ein Preiß - wie viel Bier denn hineingehe in den Wirte-Maßkrug. Die präzise Antwort gibt einer der anwesenden Journalisten: "A knapper Liter."

© SZ vom 26.07.2014/amm

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