Kriminalität Datenträger sichergestellt

Razzien gegen islamistisches Netzwerk in München und Bayern

Von Martin Bernstein

Die Polizei hat bei einer bundesweiten Razzia gegen ein islamistisches Netzwerk am Mittwoch in München drei Objekte durchsucht. Ob es sich dabei um Privatwohnungen handelte, ließ das Bundesinnenministerium offen. Aus einer Mitteilung des bayerischen Innenministers geht hervor, dass unter anderem Datenträger sichergestellt wurden. Fünf weitere Ziele der Razzia lagen im Münchner Umland oder im nördlichen Oberbayern. Festnahmen gab es nicht. Die Durchsuchungen fanden in den frühen Morgenstunden statt und richteten sich gegen die in Neuss und Düsseldorf gegründeten Vereine WWR-Help und Ansaar International, die im Verdacht stehen, die Terrororganisation Hamas finanziell und organisatorisch zu unterstützen. Offiziell geben sich die beiden vom Verfassungsschutz als salafistisch eingestuften Vereine als Hilfsorganisationen mit den Schwerpunkten Syrien und Palästina.

In München gibt es laut Verfassungsschutz mehr als 200 Salafisten. Vertreter der beiden Vereine sind - zum Beispiel in der Bayerstraße - immer wieder mit Lebensmittel-Verkaufsständen präsent. Das Ansaar-"Team Bayern" lud am 2. Februar an der Ludwig-Brück-Straße in Daglfing Hilfsgüter in einen Lkw. Mindestens sechs Helfer sind auf den Fotos zu erkennen. Wohin die Spenden gehen sollten, verriet das "Team Bayern" auf Nachfrage Neugierigen nicht. Das sei der "Zentrale" vorbehalten.

Hinter dem Verein steht der frühere Rapper Joel Abdurrahman K. Der wettert in einem Youtube-Video zusammen mit dem Münchner Verschwörungstheoretiker Hendra K. gegen die "Lügenpresse". Hendra K. sympathisiert mit der NPD und verbreitet im Internet antisemitische Stereotype. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellte nach der Razzia, an der im Freistaat 140 Polizisten beteiligt waren, klar: Wer die Hamas mit Spenden unterstütze, leiste keine humanitäre Hilfe, sondern dem Terror gegen den Staat Israel Vorschub.