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Krätz-Zelt auf dem Frühlingsfest:Schausteller wollen Hippodrom halten

Das Hippodrom auf dem Frühlingsfest 2013.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Womöglich kann die Familie von Krätz das Hippodrom auf dem Frühlingsfest halten, wenn er die Verantwortung an Frau und Schwester weitergibt. Einige Fürsprecher hätte er schon.

Von Thomas Schmidt

Gerade noch rechtzeitig vor Ablauf der Frist hat Hippodrom-Chef Sepp Krätz am Donnerstag eine Stellungnahme beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) eingereicht. Ob er darin um seine Konzession als Wirt kämpft, ist unklar. Was in dem Schreiben steht, wollte die Behörde am Freitag nicht verraten.

Der Gastronom wurde wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, woraufhin das KVR angekündigt hatte, ihm die Schanklizenz zu entziehen. Offiziell ist die Entscheidung aber noch nicht gefallen.

Für Krätz steht nicht weniger als sein Lebenswerk auf dem Spiel. Er hatte 1,1 Millionen Euro am Fiskus vorbei geschleust und muss jetzt mit den Konsequenzen leben. Der künftige Oberbürgermeister und amtierende Wiesn-Chef Dieter Reiter (SPD) hatte nach dem Urteil verkündet: "Ich werde dem Stadtrat Herrn Krätz nicht mehr als Wiesnwirt vorschlagen."

Krätz wird aber nicht nur den Platz auf dem Oktoberfest verlieren, auch die Lizenz für die Wirtschaft Andechser am Dom könnte ihm entzogen werden. "Das Urteil bestätigt unsere Auffassung, dass er kein zuverlässiger Wirt mehr ist", betonte KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle kürzlich. Die endgültige Entscheidung soll kommende Woche verkündet werden.

"Wir sind noch am Sammeln der Fakten"

Was der Wirt nun in seiner Stellungnahme zum laufenden Verfahren geschrieben hat, will der Behörden-Chef nicht kommentieren. Blume-Beyerle hatte jedoch schon vor dem Urteil des Landgerichts deutliche Zweifel an Krätz geäußert.

Ebenfalls auf dem Spiel steht die Gaststättenrechtliche Erlaubnis für die Waldwirtschaft Großhesselohe. Sie liegt außerhalb des Verantwortungsbereichs des KVR, hier entscheidet das Münchner Landratsamt. "Wir sind noch am Sammeln der Fakten", erklärt Behörden-Sprecherin Christine Spiegel, "dann wird es eine Anhörung geben." Theoretisch sei es denkbar, dass Landratsamt und KVR unterschiedlich entscheiden.

Bessere Nachrichten gibt es für Krätz in Bezug auf das anstehende Frühlingsfest auf der Theresienwiese. Möglicherweise kann das Hippodrom in Familienhand bleiben, wenn das Fest am 25. April beginnt. Krätz könnte den Staffelstab wohl an seine Frau Tina sowie seine Schwester Johanna Barsy weiterreichen.

Anfang des Jahres habe der Wirt gemeinsam mit den beiden Frauen eine Offene Handelsgesellschaft (OHG) gegründet, die den Zuschlag für das Frühlingsfest erhalten solle, berichtet die Sprecherin der Veranstaltungsgesellschaft Münchner Schausteller (VMS). "Wir geben den Damen eine Chance", betont Yvonne Heckel, "schließlich gibt es keine Sippenhaft."

Tina Krätz und Johanna Barsy seien bereits in der Vergangenheit in das Fest "involviert" gewesen und hätten dies "mit Bravour gemeistert". Nun geht Heckel "zu 99,9 Prozent davon aus, dass wir eine einvernehmliche Lösung mit dem KVR finden werden".

Die Behörde prüft derzeit den Vorschlag. Sprecherin Kristin Nettelnbrecher bestätigt, dass es bei der Frage nach der Zulassung keine Sippenhaft gebe. Die Zuverlässigkeit eines Wirts sei jedoch auch dann bedroht, "wenn ein unzuverlässiger Dritter die Geschäftstätigkeit beeinflusst". Denkbar seien daher Auflagen gegen Sepp Krätz, wie beispielsweise ein Betretungsverbot für das Hippodrom.

Ob das Schampus-Zelt durch diesen Kniff auch auf der Wiesn in Familienhand bleiben könnte? "Grundsätzlich kann sich auch eine OHG um einen Platz bewerben", heißt es beim zuständigen Referat der Stadt. "Zur Zulassung vorgeschlagen wird, wer die beste Bewertung hat."

Ob die Krätz-Familie ihren Hut in den Ring geworfen hat, darf Referats-Sprecher Wolfgang Nickl nicht verraten. Die Bewerberliste ist geheim. Die Entscheidung fällt der Stadtrat am 28. April in nichtöffentlicher Sitzung. Auch über die Frage, ob der neue Wirt weiterhin Champagner ausschenken darf, müsse der Stadtrat abstimmen.

© SZ vom 05.04.2014/amm

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