Restaurant Ela Re Ach, wär' nur immer Donnerstag!

Eine echte Verbesserung im Vergleich zu seinem Vorgänger hat das Lokal Ela Re in der Gollierstraße erfahren, was die Innenausstattung angeht.

(Foto: Stephan Rumpf)

Fast 30 Jahre lang war das Stoa eine feste Anlaufstelle im Westend. Nun hat an selber Stelle das Ela Re aufgemacht. Das griechische Restaurant hat hohe Ansprüche, die es aber nicht durchgängig einhält.

Von Helene Töttchen

Dieser Text ist leider veraltet, das Restaurant gibt es inzwischen nicht mehr.

Es gibt Menschen, die treffen Verabredungen nach dem Sonnenstand. Sie wissen, wann welcher Tisch vor einem Lokal die meiste Sonne abbekommt, selbst im Winter. Im Westend stand auf ihrer Liste immer ganz oben das Stoa, das auf seiner Terrasse die größte Zahl bedienter Sonnenquadratmeter im Viertel bot.

Als im Sommer das Stoa nach fast 30 Jahren schloss und das Ela Re eröffnete, war sonnenklar: Alle Plätze knallvoll, über manche Lässlichkeit bei Küche und Service schaute man hinweg, solange Sonne, Rucola-Salat mit Ziegenkäse und Rose in etwa passten.

Schwindet die Sonne, wächst die Beachtung der Küche, was nicht immer gut ist für ein Lokal. Der erste Eindruck unter verschärften Bedingungen: na ja. Der zweite: gut bis sehr gut. Der dritte: na ja. Der vierte: gut bis sehr gut. Die Chance, ansprechend zu speisen, liegt nach unseren Erfahrungen also bei 50 Prozent, was für ein Restaurant, das für sich auch durch die Preise reklamiert, besser zu sein als andere, irritiert, heißt es doch, dass wir uns die Hälfte der Besuche hätten sparen können.

Positiv: die Einrichtung und die Dorade

Die guten Eindrücke zuerst: Die Einrichtung ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger dramatisch viel schöner. Weiß- und Holztöne dominieren beim schlichten Mobiliar, sandfarbener Klinker wechselt sich mit weißverputzten Wänden ab, Seitenfluter und stoffbezogene Deckenlampen spenden angenehm gedämpftes Licht.

Donnerstags kann man sich seinen Fisch aus der Vitrine wählen, was viele gerne tun, auch weil er einen mit angemessen klaren Augen aus der Vitrine ansieht. Wir wählten eine Dorade rosé (32 Euro), die mit ihren 700 Gramm gut für zwei Personen reichte. Das Fleisch war zartweich und kräuterig gewürzt auf der auf einem Lavastein gegrillten Haut.

Die zuvor gereichten gratinierten Miesmuscheln (5,50) überzeugten durch eine feine Zitronenzwiebel-Vinaigrette, die Schwertmuscheln (9,50) waren vom Fleisch her so zart wie ihre Kompagnons, obschon sie eine Dusche mehr vertragen hätten können. Es knirschte sandig beim Verzehr, was uns die gute Laune aber nicht verdarb, was auch an dem luftigen warmen Schokoladenkuchen lag, den es netterweise aufs Haus gab.

Negativ: schlampiger Service und trockene Hähnchenbrust

Ein runder Abend, ein ähnlicher Donnerstag sollte folgen, aber beide Male fragten wir uns, warum es Restaurants gibt, die Selbstverständlichkeiten in ihrer Liga als Besonderheit anpreisen. Donnerstags also wirbt das Ela Re für den frischen Fisch aus der Vitrine, was die Frage provoziert, was es an den anderen Tagen gibt. Alten etwa?

Die Kehrseite also. Geärgert haben wir uns an einem Abend, als einem Kellner Gläser auf den Boden fielen, die Scherben aber noch drei Stunden später da lagen. Oder als ein Fisch in Fetzen filetiert wurde wie mit dem Hackebeil. Oder als wir uns fragten, ob der Service wohl direkt nach dem Dessert verreist ist, gezahlt haben wir irgendwann an der Theke, ansonsten hätten wir die Zeche prellen müssen.

Warum eine der beiden Damentoiletten wie zuvor schon im Stoa wegen eines verzogenen Rahmens nicht abschließbar war, fragten wir uns auch. Wenn man einen Laden für viel Geld umkrempelt, müsste es doch drin sein, eine Tür abzuschleifen. Details, natürlich, aber das Ela Re will in einer anderen Liga spielen, daran soll es gemessen werden.

Die Na-ja-Besuche ließen uns überwiegend ratlos zurück. Neben sehr öligen Florinis (6,90), eine mit Fetamousse gefüllte Paprika, freuten wir uns über frittierte Babycalamari mit Knoblauch-Pimiento-Dip (7,50), die zwar zur Hälfte aus Tubenringen bestanden, dafür aber butterweich waren. Die Grillplatte (15), die sichere Bank in jedem griechischen Lokal, erwies sich in der als Ouzeria deklarierten Restauration als nur drittelgut.

Ungewöhnliche Erklärung des Kochs

Das Lammkotelette war rosazart, das Gyros erschien uns dafür aufgewärmt, die Hühnchenbrust war trocken. Trost spendete zuerst das Duett vom Doraden- und Wolfsbarschfilet (19,50). Der Barsch war zart und fein mariniert, bekam aber unsanfte Nackenschläge durch zu sauer eingelegte Rote Beete. Sein Tellerpartner, die Dorade, ließ uns ernsthaft an unseren Gaumen zweifeln. Die Note war so stechend, dass der einzige Bissen in der Serviette verschwand.

Der Koch eilte herbei, sagte, dass es anderen Gästen auch so erging, seine Marinade sei wohl zu ungewöhnlich für manche Gaumen. Da aber Dorade und Barsch zugleich mariniert worden seien, könne er sich den Unterschied kaum erklären. Wir warfen zwei Ingwerpastillen ein, vom stechenden Geschmack aber hatten wir auch noch etwas am nächsten Morgen.

Das Ela Re ist zweifelsohne schöner als das Stoa, auch bei den Speisen überzeugender als die früher feilgebotenen Klassiker wie Matjes, Schnitzel und Burger - aber nur bei jedem zweiten Besuch. Wer kulinarisch interessiert ist und nicht Roulette spielt, sollte das Ela Re donnerstags besuchen - und ansonsten ein anderes Lokal.