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Kommentar:Einen Bärendienst erwiesen

Im Ton vergriffen, aber nicht grundlos in Aufregung: Dem Protest der Haderner gegen den neuen Hubschrauberlandeplatz muss noch nachgegangen werden

Den Menschen rund um das Klinikum Großhadern, die Tag und Nacht mit dem Lärm der Martinshörner und der Hubschrauber auskommen müssen, nutzt der Landeplatz eher wenig. Sollten sie lebensgefährlich verletzt oder krank sein, genügt ihnen ein Sanka, um im zweitgrößten Krankenhaus Deutschlands gut versorgt und möglicherweise gerettet zu werden. Von Hubschrauberflügen würden sie nur profitieren, wenn sie außerhalb ihrer Stadt verunglücken oder erkranken. Dennoch haben sie den Lärm der Rettungsflüge bisher ohne geharnischten Protest ertragen. Nun aber, da die Hubschrauber in der Höhe landen und starten sollen, in Sichtweite ihrer Wohnungen und Häuser, mit noch mehr nächtlichem Lärm, platzt ihnen der Kragen.

Das ist einerseits verständlich, denn sie haben bisher in meist großer Solidarität eine Belastung mitgetragen, die allen Münchnern und vielen Bayern zugute kommt. Die Art und Weise aber, wie sie ihren Zorn und ihre Wut nun in die Öffentlichkeit getragen haben, ist nicht zu akzeptieren. Anstatt mit dem Bezirksausschuss in einen konstruktiven Dialog einzutreten, sind sie zum Teil ausfallend geworden und haben damit der Sache, für die sie verständlicherweise kämpfen, einen Bärendienst erwiesen. Der Dialog mit den Bürgervertretern hat respektvoll zu sein, sonst ist es keiner.

Der Bezirksausschuss Hadern wiederum hat überhaupt keinen Grund, sich bequem zurückzulehnen. Es mag sich bei dem geplanten Dachlandeplatz um ein Projekt des Freistaats handeln, aber es kommt den Münchnern zugute - und könnte für zahlreiche Haderner eine zusätzliche Belastung darstellen. Deshalb muss der BA alles daran setzen, der Sache auf den Grund zu gehen. Stimmen die Lärmgutachten? Gibt es tatsächlich keinen besseren Landeplatz als diesen, mit den Flugrouten über den Dächern der Umgebung? Es reicht keineswegs, wie es der BA-Vorsitzende Johann Stadler (CSU) gerne praktiziert, die Forderungen der Bürger an höhere Stellen weiterzuleiten. Vielmehr hat das Stadtviertel-Gremium die Pflicht, selbst nach dem Rechten zu sehen. Experten einladen, Vertreter des Klinikums. Die Lokalpolitiker müssen sich eine eigene Meinung bilden - und diese dann standhaft vertreten.