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Kneipe im Glockenbachviertel:Die Geyerwally bekommt einen neuen Wirt

Ein Wohnzimmer für die Bewohner des Glockenbachviertels: Maximilian Heisler will am jetzigen Aussehen der Geyerwally so wenig wie möglich verändern.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Seit bald 60 Jahren ist die Boazn Geyerwally fast wie ein Wohnzimmer für alteingesessene Bewohner des Glockenbachviertels. Nun bekommt sie einen neuen Wirt.
  • Der heißt Maximilian Heisler und hatte mit dem Haus in der Geyerstraße schon als Mieteraktivist zu tun.
  • Doch die Kneipe ist eine besondere Herausforderung für den neuen Wirt: Schließlich lässt die Besitzergemeinschaft das Haus Geyerstraße 17 seit mehr als 30 Jahren leerstehen.

Von Franz Kotteder

Geübt hat er letztes Jahr schon auf dem Oktoberfest. Da hat Maximilian Heisler auf der Oidn Wiesn im Herzkasperlzelt von Fraunhoferwirt Beppi Bachmaier bedient. Dort geht es zwar nicht ganz so hektisch zu wie in den großen Bierzelten auf der echten Wiesn, aber man ist schon auch ganz gut beschäftigt. Heisler hat nach dem Oktoberfest weitergekellnert im Fraunhofer-Wirtshaus, und eines Tages erzählte ihm die Kollegin Christa, dass die Geyerwally in der Geyerstraße 17 frei wird. Sie und ihr Mann, der Bildhauer und Restaurator Rainer Strixner, hatten das Lokal mehr als fünf Jahre lang nebenher betrieben. Das sei genug, fanden sie.

Maximilian Heisler war sofort Feuer und Flamme - die Geyerwally ist schließlich eine Münchner Institution, seit bald 60 Jahren eine vogelwilde Boazn für alteingesessene Bewohner des Glockenbachviertels (die es am ehesten noch in dieser unteren, südlichen Ecke gibt), für Künstler, verkrachte Existenzen und manchmal auch für junges Szene-Volk, das hier zum Absacker einkehrt. Mit den Filmplakaten und Emaille-Schildern an der Wand, dem weihnachtlich geschmückten Skelett und dem Fünfzigerjahre-Tresen hat die Geierwally auch ein bisschen was von einem Trödelladen.

Für so etwas hat der 27-Jährige eine Schwäche. Vor einigen Jahren, als in seiner Wohngegend die Burg Pilgersheim dichtmachen musste und zu einem Szene-Mexikaner wurde, gründete er spontan die Aktionsgruppe Untergiesing - eine Mieterinitiative, die mit einfallsreichen Aktionen gegen die Gentrifizierung protestierte.

Wie die Geyerwally gerettet wurde

Heisler wurde sogar zu einem der bekanntesten Münchner Mieteraktivisten, meist trat er mit Schiebermütze und in kurzer Hose auf, da erkannte man ihn sofort wieder, und das ist ja wichtig bei der Öffentlichkeitsarbeit. Er rief zusammen mit anderen Initiativen das Bündnis bezahlbares Wohnen ins Leben und wurde dessen Vorsitzender. Auch für den Stadtrat kandidierte er, mit der Wählergruppe HUT, für die dann allerdings nur Wolfgang Zeilnhofer-Rath ins Rathaus einzog.

So ein Wohnzimmer fürs Viertel wie die Geyerwally muss erhalten werden, dachte sich Heisler, und so traf er sich mit ein paar Freunden, um die Chancen zu erörtern, die Kneipe zu übernehmen: mit Zeilnhofer-Rath, bekannt von der Bluesbar Wolf in der Pestalozzistraße, Tontechniker Johannes Tochtermann, Maurer und Architekt Flo Seibstock und Uni-Dozent Daniel Habit. Ja, das geht, befanden die fünf, solange man damit nicht reich werden will. Und so nahmen sie Kontakt zu den Besitzern des Hauses auf, denn die Geyerwally ist brauereifrei.

Für Heisler eine heikle Angelegenheit, schließlich lässt die Besitzergemeinschaft das Haus Geyerstraße 17 seit mehr als 30 Jahren leerstehen, weil eine Sanierung nicht mehr sinnvoll ist, die Stadt aber auch keinen Neubau im gewünschten Umfang erlaubt. Es wohnt hier also niemand mehr, allein die Geyerwally bringt noch Leben ins Haus. Man wurde sich handelseinig, und am Montag unterschrieben die fünf den Pachtvertrag.

"Klar, das ist ein Abenteuer"

Nun ist Heisler also Boaznwirt - in München für einen 27-jährigen Ethnologie-Studenten vielleicht eine gar nicht mal so ungewöhnliche Karriere. "Klar, das ist ein Abenteuer", sagt er, "aber es ist auch ein Herzensprojekt." Viele Leute seien sehr verbunden mit der Kneipe, "für die ein Wohnzimmer zu erhalten, das ist doch schön". Darum gehe es, denn: "Mit einer goldenen Nase rechnet keiner von uns."

Eher mit gewissen Ausgaben. Denn in den nächsten zwei bis drei Wochen wird renoviert. "Wir waren mit der Gaststättenbehörde schon da, und die haben uns eine relativ lange Liste hinterlassen, was alles zu tun ist." Wer auch nur gelegentlich in der Geyerwally einkehrt, ahnt, was damit gemeint ist. Sehen wird man von den Umbauten danach nicht allzu viel, meint Heisler. "Vorne im Gastraum bleibt fast alles, wie es ist."

Logisch, eigentlich. Denn deswegen machen die fünf das Ganze ja überhaupt.

© SZ vom 03.06.2015/mmo
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