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Klima:Frühlingsgefühle im Januar

Sonne tanken vor der Aroma Kaffeebar: Bei gut zehn Grad lässt sich der Winter auch im Freien ganz gut aushalten.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die milden Temperaturen spüren Bienen, Bäume und Allergiker

Am Morgen sind noch Mütze und Handschuhe angesagt. Doch mittags kann man derzeit alle Winterkleidung abstreifen und sich an den Sonnenstrahlen wärmen. Diese natürliche Lichttherapie tut zwar der Seele gut, aber wie reagiert die Natur Anfang Januar darauf? Die sogenannten Frühblüher wie Haselnuss und Birke fühlen sich tatsächlich schon ermuntert, erstes Grün ans Licht zu schicken. Vor allem Pollenallergiker spüren dies und dürften wenig begeistert sein. Auch bei den Bienenvölkern kommt schon Unruhe auf. Weil auch die Insekten Sonne lieben, wagen manche schon kurze Ausflüge. Kein Wunder also, wenn es beim ersten Biergartenbesuch schon heftig summt.

Das sei soweit noch nicht beunruhigend, sagt Michael Zettler, Erster Vorstand des Imkervereins München, wenn auch ein strenger durchgehender Winter immer besser für die Völker sei. Aber immerhin sei es ja in der Nacht recht frisch, sagt Zettler. Kritisch werde es erst, wenn es über mehrere Winterwochen mild bleibt. Dann nämlich beginnt im Stock das große Brüten, wofür das wachsende Volk womöglich gar nicht genug Nahrung hat. Sorgsame Imker füttern dann Zuckerwasser zu, damit die neugeschlüpften Bienen nicht verhungern müssen. Für den richtigen Zeitpunkt aber braucht es Erfahrung. Deshalb warnt der Experte: Bloß nicht im eigenen Garten oder auf dem Balkon füttern!

Auffällig viele Rabenkrähen in München und Saatkrähen im Landkreis seien dieses Jahr unterwegs, berichtet Sophia Engel vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Auch Eichelhäher wurden ungewöhnlich viele in diesem Jahr im Stadtgebiet gesehen. Sie sind aus Nordeuropa nach Bayern gekommen, weil es in ihrer Heimat nicht genug Nahrung für die große Population gibt. Sie werden sie wohl im Frühjahr wieder zurückziehen. Der letzte massive Einflug von Eichelhähern habe 1978 stattgefunden, wissen die Ornithologen des Vogelschutzbundes.

Damals hat man noch nicht vom Klimawandel gesprochen. Heute aber sagen Ökoklimatologen wie Annette Menzel von der TU in Weihenstephan: "Der Klimawandel ist voll im Gange." Das bedeute aber nicht, dass man bald Zitronenplantagen in Bayern anpflanzen könne. Denn Klimaextreme werde es auch weiterhin geben, also auch winterlich frostige Nächte und Tage - wenn auch wohl nicht mehr so viele wie früher. Das kann sich gravierend auf Bäume und Sträucher auswirken. Denn viele Baumarten brauchen eine bestimmt Anzahl von Kältetagen um auszuschlagen - oder eine entsprechend höhere Wärmesumme im Frühjahr. Apropos Wärme: Wenn man genießt, dass es im Januar warm ist wie etwa in Rom, muss man in Kauf nehmen, dass es auch so heiß werden kann wie dort.

© SZ vom 16.01.2020

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