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Kein eigener Friedhof:"Geringschätziger Umgang mit Toten"

Ökumenischer Rat bemängelt, dass für die Großsiedlung Freiham kein eigener Friedhof geplant ist

Der Ökumenische Rat Aubing-Neuaubing-Westkreuz-Lochhausen ist entsetzt: Das Gremium, dem sieben evangelische und katholische Kirchengemeinden im Münchner Westen angehören, hat vor Kurzem erfahren, dass für die neu entstehende Siedlung Freiham anscheinend kein eigener Friedhof vorgesehen ist. Stattdessen sei wohl geplant, Verstorbene aus dem neuen Stadtteil "wie ausrangierte Waren auf verschiedene Friedhöfe zu verteilen", kritisiert Ratssprecher Klaus Bichlmayer. "Eine Siedlung in der Größenordnung einer Kleinstadt zu planen und zu bauen, ohne am Ort einen würdigen Platz für die Toten vorzusehen, dürfte in ganz Bayern beispiellos sein", schreibt Bichlmayer an Oberbürgermeister Dieter Reiter, Stadtbaurätin Elisabeth Merk, Kommunalreferent Axel Markwardt, Stadträte und Lokalpolitiker. Abgesehen davon, dass eine solche Denkweise mit einer angemessenen Bestattungs- und Friedhofskultur nichts zu tun habe, bürde sie Verwandten, die möglicherweise nicht mehr ausreichend mobil seien, unnötige Lasten auf.

"Ein Friedhof in einem anderen Stadtteil ist schwerer erreichbar, für die Angehörigen wird damit die Grabpflege erschwert, und auch die gerade in solchen Zeiten wichtigen sozialen Kontakte mit Nachbarn kommen dann nicht mehr zum Tragen." Im Übrigen erinnere die "Auslagerungspraxis" von Verstorbenen die Bürger sehr an die vielleicht selbst erlebte Unterbringung irgendwo in einem Altersheim, die sie in Kauf nehmen mussten, weil ortsnah kein Platz für sie war. "Es kann sicher nicht im Interesse der Verantwortlichen der Landeshauptstadt München sein", so der Aubinger, "mit Freiham ohne Friedhof einen Präzedenzfall zu schaffen, der zeigt, wie geringschätzig die bayerische Metropole in Zukunft, im 21. Jahrhundert, mit ihren Toten umgehen wird".

Zum Vergleich: Die Nachbargemeinde Puchheim, deren Einwohnerzahl mit der des bewohnten Freihams vergleichbar ist, verfügt über drei Friedhöfe. Der Rat schlägt deshalb vor, einen kleinen Bereich etwa im nordwestlichen Eck des Landschaftsparks Freiham für einen Friedhof einzuplanen. "Damit könnte man auch die lange und berühmte Tradition der Münchner Wald- oder parkartigen Friedhöfe fortsetzen." Wichtig sei außerdem eine Aussegnungshalle oder wenigstens ein Andachtsraum, um einen würdevollen Abschied von den Toten zu ermöglichen.

Im Planungsreferat betont man, den erhöhten Bedarf an Grabstätten selbstverständlich einkalkuliert zu haben. "Im Bebauungsplan für den ersten Realisierungsabschnitt Freiham Nord sind auch Erweiterungsflächen für den Aubinger Friedhof festgesetzt worden", erklärt Sprecher Ingo Trömer. Diese Bereiche könnten den künftigen Bedarf decken. Der Aubinger Friedhof grenzt unmittelbar an den neuen Stadtteil an.

© SZ vom 06.12.2017

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