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"Jazz+ Festival":Grandes Dames der Avantgarde

Dass das Cello das Streichinstrument mit der größten "Range" ist, wie Jazzer es ausdrücken, also mit den vielfältigsten Ausdrucksmöglichkeiten in den verschiedensten Lagen, das wird Elisabeth Coudoux beim "Jazz+ Festival" in der Seidlvilla solo demonstrieren.

(Foto: Johan Coudoux)

Notgedrungen nur als Stream wird das "Jazz+ Festival" in der Seidlvilla mit vier Musikerinnen der Spitzenklasse nachgeholt.

Von Oliver Hochkeppel

Wenn das keine erfolgreiche Musiker-Initiative ist: 1994 starteten der Schlagzeuger Martin Kolb und andere die monatliche Konzertreihe "Jazz+" in der Schwabinger Seidlvilla für "Musik, die überrascht, interessiert, inspiriert und begeistert," wie heute auf dem Flyer steht. Seither ist das Format nicht mehr aus dem städtischen Kalender wegzudenken. Spielten anfangs vor allem heimische Musiker, fanden nach und nach immer mehr Größen der nationalen und europäischen (vor allem der Schweizer) Jazzszene den Weg in die wunderschöne Jugendstilvilla. Zum 20-jährigen Bestehen der - inzwischen viermal mit dem bundesweiten Programmpreis "Applaus" ausgezeichneten - Reihe veranstaltet Kolb in Kooperation mit BR-Klassik ein zweitägiges Festival, das seither biennal wiederholt wird. Eigentlich, denn die 2020er-Edition fiel natürlich aus und wurde auf heuer verschoben. Um nicht wieder absagen zu müssen, läuft sie nun als Streamfestival.

Wie gewohnt sind vier Auftritte zu erleben, diesmal allesamt mit Frauen in der Führungsrolle. Den Auftakt am Freitag bestreitet die Cellistin Elisabeth Coudoux mit einer Solo-Performance. Aus der Nähe von Zwickau stammend studierte sie zunächst in Dresden klassisches Cello, dann in Köln Jazzcello. Zwischen Improvisationsmusik und Moderner Klassik angesiedelt gehört sie inzwischen fest zur Musikszene der Domstadt. Auf sie folgt das französische Trio En Corps der Pianistin Eve Risser, eine der Aufsteigerinnen der jüngsten Zeit, die ihrem präparierten Klavier quasi als One-Woman-Band einen völlig eigenen Klangkosmos entlockt, hier gleichberechtigt begleitet von Benjamin Duboc am Bass und Edward Perraud am Schlagzeug. In den Samstag steigt dann die Schweizer Sängerin Lucia Cadotsch mit der Fortsetzung ihres Erfolgsprogramms "Speak Low" ein. Gemeinsam mit dem schwedischen Tenorsaxofonisten Otis Sandsjö und seinem Landsmann Petter Eldh am Bass verleiht sie erneut Jazzklassikern ein neues, außergewöhnliches Klanggewand. Den Schlusspunkt setzt die "Grande Dame" des Avantgarde-Jazzpianos Aki Takase. Die Japanerin, die seit Jahrzehnten in Berlin lebt, präsentiert in Schwabing ihr neues Trio Auge mit Christian Weber am Kontrabass und Michael Griener am Schlagzeug.

Jazz+ Festival, Fr. und Sa., 7. und 8. Mai, 20 Uhr, Seidlvilla, www.jazz-plus.de

© SZ vom 06.05.2021/van
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