Israelisches Konsulat für München:Geheimsache Generalkonsulat

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Israel hat München als Standort für ein neues Konsulat gewählt - die ehemalige Hauptstadt der Bewegung und den Ort des Olympiaattentats. München ist erfreut.

D. Brössler, B. Kastner und K. Riedel

Am Tag, an dem die Nachricht bekannt wurde, zeigten sich fast alle überrascht, die es eigentlich wissen müssten. Die Staatskanzlei wollte nichts davon gehört haben, auch nicht Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Geburtstagsfeier für den Staat Israel in München, 2007

Geburtstagsfeier: Ein Mann tanzt auf dem Odeonsplatz bei einem Fest am Gründungstag des Staates Israel im Mai 2007.

(Foto: Robert Haas)

Nur Oberbürgermeister Christian Ude war "seit längerem" im Bilde, die aktuelle Nachricht aber erfuhr er durch einen Anruf der SZ: Israel will in München ein Generalkonsulat errichten. Darüber hat der israelische Außenminister Avigdor Lieberman seinen deutschen Kollegen Guido Westerwelle am Mittwochabend bei einem Essen in Berlin informiert. Das Konsulat soll Ende 2011 seine Arbeit aufnehmen.

Die Planungen seien allerdings "noch in einem sehr vorläufigen Stadium", sagte ein Sprecher der israelischen Botschaft der Süddeutschen Zeitung. Im israelischen Außenministerium wird schon länger über die Eröffnung eines neuen Konsulats in Deutschland nachgedacht, um den intensivierten Beziehungen Rechnung zu tragen. Dabei waren Frankfurt am Main und München im Rennen. Den Ausschlag habe schließlich die "besondere Rolle Bayerns in Politik, Kultur und Wirtschaft in Deutschland" gegeben, sagte der Sprecher.

Die Staatsregierung wollte dazu nicht Stellung nehmen und zeigte sich völlig überrascht. OB Ude (SPD) nennt die geplante Konsulatseröffung "sehr erfreulich". Sie zeige, dass Israel keine Vorbehalte habe gegen die Stadt angesichts der Vergangenheit. Gerade das Olympia-Attentat laste Israel nicht der Stadt an: "Da kann doch München nichts dafür", diesen Satz habe er im Rahmen der aktuellen Olympia-Bewerbung immer wieder gehört. Der konkrete Standort des Konsulats sei ihm noch nicht bekannt.

Auch Münchens Tourismuschefin Gabriele Weishäupl ist sehr angetan von der Nachricht aus Israel: "Das begrüße ich sehr." Ein Konsulat bürge immer für Service für Touristen aus diesem Land. Und es sei ein "Signal der Weltoffenheit", die von einer Stadt ausgehe, in der es eine solche Vertretung gebe.

Überhaupt bereiten Weishäupl die Besucherzahlen aus Israel große Freude: 20.000 Touristen mit 40.000 Übernachtungen verzeichne man in diesem Jahr, eine Steigerung um 15 Prozent im Vergleich zu 2009.

Erfahrungsgemäß seien die Hälfte davon gewöhnliche Touristen, die für Sightseeing oder zum Shoppen kämen, sagt Weishäupl. Die andere Hälfte verteile sich auf Messe- und Kongressbesucher sowie Geschäftsleute. Auf das Thema Olympia 1972 werde man im normalen Tourismusgeschäft gar nicht mehr angesprochen. Da gehe es mehr um Anziehungspunkte wie die neue Synagoge oder das jüdische Museum am Sankt-Jakobs-Platz.

Auch Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch, zugleich Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, hat nach eigenen Angaben erst am Donnerstagmittag durch Presseanfragen von dem Vorhaben erfahren: "Ich würde mich freuen, wenn München wieder ein israelisches Konsulat bekommen würde. Die bayerische Metropole wäre der richtige Platz dafür. München ist nicht nur eine weltoffene, sondern auch kulturell und wirtschaftlich höchst attraktive Stadt", sagte Knobloch der SZ. Menschen aus aller Welt seien hier zu Gast. Entsprechend viele ausländische Vertretungen, nämlich 90, hätten sich bereits in der Vergangenheit in München niedergelassen, dazu kommen elf im Umland.

Schon einmal, von 1948 bis 1953, stand in München ein israelisches Generalkonsulat. "Die Stadt und ihre Bürger würden die Einrichtung eines israelischen Konsulat sicherlich sehr positiv aufnehmen", sagt Knobloch.

Es gäbe keine Stadt in Deutschland, die dem jüdischen Leben einen so zentralen Platz einräume wie München, ergänzt Marian Offman, Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde München. 170.000 Menschen nichtjüdischen, aber auch jüdischen Glaubens hätten dieses neue Zentrum am St.-Jakobs-Platz, das aus Synagoge, Gemeindezentrum und Jüdischem Museum besteht, seit der Eröffnung im September 2006 besucht.

Erfreut zeigt sich auch der Sprecher der Messe München. Ein Konsulat vor Ort erleichtere die Vorbereitung von Messen auf politischer Ebene ebenso wie Wirtschaftskontakte, sagte Dirk Sturny. Und Werbung um Messebesucher lasse sich dann auch besser machen, kurzum: Der Kontakt zu Israel werde wohl "intensiver und direkter", glaubt Sturny.

Über Details des künftigen Konsulats ist noch nichts bekannt, vor allem nicht das Wichtigste: der Standort. Die Sicherheitsvorkehrungen werden aber sehr hoch sein, worauf Münchens Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer hinweist. Einrichtungen Israels seien seit Jahrzehnten "besonders stark gefährdet". Auch München habe damit traurige Erfahrungen gemacht: Neben dem Olympia-Attentat habe es 1970 einen Anschlag auf ein israelisches Flugzeug gegeben und im selben Jahr auch einen Brandanschlag auf ein jüdisches Altenheim. Der Standort der israelischen Vertretung "hat wesentlichen Einfluss auf die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen", sagt Schmidbauer. Schon jetzt fordert er zusätzliches Personal dafür.

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