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Im Olympiapark:Kilometerlanger Anlauf hinein ins neue Jahr

Von hier an sind's nur noch zehn Kilometer: am Start zur langen Strecke des Silvesterlaufs.

(Foto: Catherina Hess)

Beim Silvesterlauf treten 3500 Läufer auf vier verschiedenen Strecken an - und freuen sich nicht nur über bestes Wetter

Von Franz Kotteder

Tobias Schreindl muss wenigstens nicht allzu lange auf seine Frau Susanne warten. Der Sieger des Münchner Silvesterlaufs im Olympiapark ist im Wettbewerb über zehn Kilometer schon nach 31 Minuten im Ziel, Susanne ist etwa vier Minuten später da und wird damit Zweite bei den Frauen. Die beiden Sportler, die für die Leichtathletik-Gemeinschaft Passau starten, sind das Traumpaar der bayerischen Läuferszene, den Münchner Silvesterlauf haben sie bereits 2015 gewonnen. Tobias Schreindl spurtet dann auch erstaunlich locker ins Ziel, mit deutlichem Abstand vor Moritz Horn aus Ramsau. "Bis zum dritten, vierten Kilometer war der Zweite noch ziemlich nah an mir dran", erzählt Schreindl später, "von da an war's dann ein etwas einsames Rennen. Aber für mich ist das ein schöner Jahresabschluss."

Das sagen auch die anderen Läufer, insgesamt an die 3500 waren am Silvestertag mittags zum Olympiastadion gekommen, unter ihnen auch viele Sportler aus dem Ausland, um auf vier unterschiedlichen Strecken in verschiedenen Altersklassen durch den Park zu laufen. So wie Thomas Völcker und Claudia Cappel aus München. Für beide ging es freilich nicht ums Siegen. "Ich würde gerne 42 Minuten laufen", hatte Völcker vor dem Start gesagt, und Cappel meinte: "Ich musste nach einem Skiunfall pausieren und bin froh, wenn ich ins Ziel komme." Völcker kam schließlich nach 44 Minuten und 44 Sekunden an und war damit zufrieden: "Es hat auf alle Fälle Spaß gemacht." Cappel freute sich, dass sie das Ziel erreichte und unter einer Stunde Laufzeit geblieben ist: "Schöner kann man so einen Tag gar nicht verbringen."

Die Veranstalter vom Münchner Road Runner Club - und natürlich die Läufer - hatten allerdings auch großes Glück mit dem Wetter: blauer Himmel, Sonnenschein und bis zu 15 Grad. "Ideale Bedingungen", sagt Thomas Ambros, der mit vier Kollegen seiner Böllerschützenkompanie Feldmoching angerückt war, um den Startschuss für den Fünf- und den Zehnkilometerlauf zu geben. "Vergangenes Jahr standen wir bis über die Knöchel im Schnee." Was besonders unangenehm ist, weil die Schuhe zur traditionellen Tracht der Feldmochinger unter den Knöcheln enden.

Diesmal also war alles anders. "Ich hab's fast bereut", sagt Tobias Schreindl nach dem Zieleinlauf, "das ich drunter noch was angezogen hab'." Daheim im niederbayerischen Deggendorf waren die Schreindls vor drei Tagen noch bei minus zwei Grad auf der Langlaufloipe gewesen.

Peter Maisenbacher, Stadionsprecher bei vielen Laufveranstaltungen, ist recht zufrieden. "Der Silvesterlauf ist schon ein besonderer Lauf", sagt er, " vielleicht nicht der Jahreshöhepunkt, aber auf alle Fälle der Jahresendpunkt." Der B2Run-Firmenlauf, der Stadtlauf und der München-Marathon seien zwar größer, dafür gebe es den Silvesterlauf schon seit 34 Jahren, und bei vielen Läufern stehe der Spaß im Vordergrund. Das war schon beim 2000 verstorbenen Vereinsgründer Alfred Pohlan der Fall, der stets im Tarzankostüm mit nacktem Oberkörper mitlief und meist am Schluss des Feldes ankam.

Die Schlussläufer von 2017 sehen weder nach Tarzan noch nach Tobias Schreindl aus, sondern eher nach Wadenkrampf. Hat trotzdem Spaß gemacht, sagen sie und japsen nach Luft.

© SZ vom 02.01.2018
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