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Hüttenzauber in der Stadt:Nachfrage nach Almhütten so groß wie nie zuvor

Oberoi sieht Käfer überhaupt als Erfinder des Trends: "Das fing ja alles an, als wir vor vier Jahren mal zum Jubiläum des P 1 dort eine Almhütte auf die Terrasse gestellt haben." Um die selbe Zeit herum hat aber auch das Münchner Luxushotel Mandarin Oriental erstmals eine Almhütte auf sein Dach stellen lassen - fast noch zwingender, denn so eine Hütte gehört ja in luftige Höhen. Ausgerechnet in diesem Jahr hat das Mandarin Oriental keine Alm. Wegen der Umbauarbeiten im Haus muss man das Firmenfeierngeschäft heuer den anderen Hüttenwirten überlassen.

Die wiederum mieten sich ihre Hütten bei einer Firma mit dem schönen Namen "Von Alm das Beste", die ihren Sitz in Dornach bei München hat. Die Geschäftsführerin heißt Caterina Beck Freiin von Peccoz - ein Name, mit dem man sicher auch Nachbauten von Schloss Neuschwanstein vermieten kann, wenn es mit Almhütten mal nicht mehr so läuft. Sie sagt, heuer sei "die Nachfrage regelrecht explodiert". Ihr Flaggschiff steht in Riem, insgesamt hat sie 26 Hütten im Angebot, "alle komplett aus echtem Altholz, da gibt es keine Stahlträger".

Beim Paulaner am Kapuzinerplatz.

(Foto: Robert Haas)

Seit fünf Jahren stellt sie mit ihrem Geschäftspartner Stefan Ermert Hütten auf, Anfang 2014 gliederten sie das Geschäft in die Firma "Von Alm das Beste" aus und verleihen seither ihre Hütten bis nach Sotschi, Luxemburg und London.

Dass die Londoner und Russen Spaß an einer für sie exotischen Almhütte haben, lässt sich nachvollziehen. Aber was reizt die Münchner an der Bergwelt, die sie doch direkt vor der Haustüre haben? Liebt die bayerische Seele vielleicht insgeheim die überschaubare Welt der Ahnen und ihre beschaulichen Stuben? Als man Lederhosen trug und es noch keine Laptops gab? Es mag was dran sein, denn den Hang zum Bodenständigen hat man den Münchnern über die Jahrhunderte hinweg immer wieder attestiert.

Der österreichische Jugendstildichter Gustav Meyrink etwa hat an der Wende zum 20. Jahrhundert herum behauptet, München sei eigentlich nur "eine erweiterte Sennhütte". Und Heinrich Heine nannte die bayerische Landeshauptstadt einmal "ein Dorf, in dem Paläste stehen". Und wenn die Paläste halt zu protzig werden, dann wächst vielleicht wieder die Sehnsucht nach dem Einfachen.

Nicht umsonst finden Gschrei und Steinberg fast genau die gleichen Worte, wenn es um die Faszination des neuen Hüttenzaubers geht: "Man taucht da eben in eine komplett andere Welt ein, man ist da mit einem Mal in einem anderen Film." Und Steinberg fügt recht pragmatisch noch hinzu: "Nachdem in den Skigebieten ja auch schon kein Schnee mehr liegt", sagt er, "ist's eh fast wurscht. Da fehlt einem in einer Hütte in der Stadt doch nichts mehr."