Hörenswert:Ein Fest

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Max Emanuel Cencic' Gismondo auf CD und bei Bayreuth Baroque

Von Egbert Tholl

Schon mit dem Einsetzen der Ouvertüre muss man einfach lachen, vor lauter Glück. Die Musik dringt mit unglaublicher Energie aus den Boxen, alles funkelt wie das Leben selbst, wenn man an diesem Freude hat. Und so geht es weiter, drei CDs lang: Das Orkiestra Historyczna, gegründet 2012 in Katowice, ist ein ungemein leidenschaftliches Ensemble, dessen Ruf inzwischen weit über Polen hinausstrahlt. Geleitet von der Konzertmeisterin Martyna Pastuszka macht es Leonardo Vincis Oper "Gismondo" zu einem mitreißenden Erlebnis. Das kann man auf der Einspielung (beim Label parnassus) erleben und auch live: Am 11. September wird "Gismondo" beim Festival Bayreuth Baroque aufgeführt, im Markgräflichen Opernhaus.

Wagner gab es diesen Sommer nicht in Bayreuth, aber nun ist doch dieses Fest der barocken Oper möglich, von 3. bis 13. September in eben dem herrlichen Markgräflichen Opernhaus. Sein künstlerischer Leiter ist der wunderbare Counter-Tenor Max Emanuel Cencic, und der ist auch der Grund, weshalb "Gismondo" in fast exakt der stupenden Besetzung in Bayreuth zu hören ist wie auf der Einspielung. Denn Cenci singt die Titelpartie, umgeben von Kolleginnen und Kollegen, die ihm, dem Star, in nichts nachstehen.

Leonardo Vinci - nicht zu verwechseln mit dem Maler sehr ähnlichen Namens - schrieb diese Oper 1727 für Rom. Ihre Handlung wiederzugeben würde, wie oft bei Barockopern, jeden Platz sprengen, nur so viel: Gismondo ist der König von Polen (Sigismund August II.), um den herum ein irres Szenario aus Liebe, Eifersucht und Wahnsinn tobt. Macht folgt nicht den Regeln der Vernunft, sondern erratischen Impulsen und abergläubischen Ritualen. Kommt einem mit Blick auf die USA bekannt vor. Aber hier geht es gut aus. Eröffnet wird Bayreuth Baroque am 3. September mit der szenischen Aufführung von Porporas "Carlo il Calvo", es folgen erstklassig besetzte Konzerte.

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