Höhenkontrolle:So sollen LKW durch Unterführungen kommen

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Die Grenze liegt bei 3,40 Meter - höhere Lastwagen oder Busse bleiben in der Bahnunterführung in Moosach stecken. Eine elektronische Höhenkontrolle soll Fahrer nun davor warnen - und gefährliche Unfälle verhindern.

Von Marco Völklein

Mit einer elektronischen Höhenkontrolle will die Stadt künftig verhindern, dass große Lastwagen in der Bahnunterführung an der Dachauer Straße hängen bleiben. Dazu soll das Baureferat an den beiden Zufahrten zur Unterführung jeweils eine Lichtschranke sowie im Boden eingelassene Induktionsschleifen installieren lassen.

Steuert ein Lkw-Fahrer mit einem zu hohen Fahrzeug auf die Unterführung zu, sollen gelbe Warnlichter, ein großer Schriftzug "Stopp" sowie das Verkehrszeichen "Nicht einfahren" aufleuchten, heißt es im Vorschlag des Kreisverwaltungsreferats (KVR), mit dem sich der Stadtrat am Dienstag befasst. Um anschließend dem Lkw-Fahrer ein Rangieren zu ermöglichen, "ist zeitgleich eine Sperrung der anderen Fahrtrichtung vorgesehen", schreibt das KVR.

An besagter Unterführung kam es in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Unfällen. Zwar mahnen Schilder und Blinkleuchten schon jetzt, die Unterführung nur mit Fahrzeugen zu passieren, die nicht höher sind als 3,40 Meter. Doch hatten immer wieder Lkw- und Busfahrer diese übersehen oder nicht beachtet. So war im August 2014 ein Lkw-Fahrer mit seinem Laster so heftig in das Bauwerk gerauscht, dass es für Wochen von den Zügen der Deutschen Bahn nur eingeschränkt befahren werden konnte.

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Massive Behinderungen auf der wichtigen Strecke der S 1 sowie im Regional- und Fernverkehr nach Landshut und Regensburg waren die Folge. Im Juni 2013 hatte zudem ein Busfahrer, der mit einer Schülergruppe auf dem Weg nach Dachau war, die Höhe falsch eingeschätzt und war mit seinem Doppeldeckerbus gegen die Unterführung geknallt. Damals wurden auch Schüler verletzt.

Welche Systeme an Autobahntunneln helfen

Daher hatten nicht nur Stadtviertelpolitiker immer wieder eine technische Höhenkontrolle gefordert - solange zumindest, bis sich Bahn und Stadt auf einen Ausbau der Unterführung geeinigt haben. Sie hatten dabei auch immer wieder auf entsprechende Systeme unter anderem an Autobahnen (etwa am Aubinger Tunnel an der A 99) verwiesen. Und der Stadtrat hatte die Fachleute des KVR beauftragt, eine technische Lösung zu entwickeln.

An den Autobahntunneln gehen allerdings nicht nur Warnleuchten an, vielmehr versperren auch Schranken einem zu hohen Laster die Zufahrt. Solche Schranken sind aber an der Dachauer Straße nicht möglich - dort ist schlicht zu wenig Platz. Daher schlagen die KVR-Experten vor, die Schilderbrücken für die neu zu installieren Warn- und Blinkleuchten als "massive Brückenkonstruktion" auszuführen, die den Aufprall eines zu hohen Fahrzeugs übersteht - und dieses so zum Stehen bringt. Das KVR kalkuliert dafür mindestens 530 000 Euro an Investitionskosten.

Wie viel die Maßnahme kosten könnte

Noch teurer wird es, wenn zusätzlich Videokameras installiert werden, über die dann die Mitarbeiter der städtischen Verkehrszentrale in der Schragenhofstraße die Unterführung überwachen können. Eine weitere Variante sieht vor, zusätzliche Lichtschranken etwas weiter südlich und nördlich auf der Dachauer Straße zu errichten. Sollte sich der Stadtrat für eine dieser Varianten entscheiden, würde sich die Maßnahme auf bis zu 1,24 Millionen Euro verteuern.

Ohnehin muss noch geklärt werden, wie das Ganze finanziert werden soll; im Etat des Baureferats ist noch nichts eingestellt. Und bis wann wird die Anlage in Betrieb gehen? Stimmt der Stadtrat zu, könnte sie laut KVR in eineinhalb Jahren startklar sein.

© SZ vom 30.06.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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