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Hochprozentiger Geschmack:Feurige Prozente

Elf Brenner stellen ihre Spirituosen auf dem Viktualienmarkt vor

Von Franz Kotteder

Im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, so viel ist klar, hat man offenbar schon länger Erfahrung mit derartigen Terminen. Denn Ministerin Michaela Kaniber (CSU) sagt: "Jetzt ist mir klar, warum mir mein Büro für den Nachmittag keine Termine mehr eingetragen hat." Bei Münchens Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) sieht das anders aus: "Ich habe noch ein paar, da muss man mir dann halt nachsehen, wenn ich ins Lallen komme." SPD-Stadträtin Renate Kürzdörfer hingegen ist fein raus, sie muss nur Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) vertreten und hat dann nur noch Fraktionssitzung.

Der Job stellt eben Ansprüche. In diesem Fall sind die drei Damen auf dem Viktualienmarkt gefordert, nicht nur die viertägige Aktion "Wir brennen für Bayern!" zu eröffnen, sondern an den elf Ständen auch das eine oder andere Stamperl zu probieren. Und das "sehr besondere Nahrungsergänzungsmittel" (Kürzdörfer) steigt gern mal zu Kopf, wie man weiß. Auch wenn die elf Schnapsbrenner aus ganz Bayern alle schon vielfach ausgezeichnet wurden und "sehr aromatische Brände, Liköre und Geiste" (Frank) im Angebot haben: Recht hochprozentig sind ihre Erzeugnisse halt doch.

Aber gleich so, dass Anton Eisele aus Offingen in Bayerisch-Schwaben zwei Feuerlöscher in seine Bude tragen muss? "Das ist hier Vorschrift", sagt er und lacht, "die Buden sind ja aus Holz." Mit seinem Feuerwasser hat das nichts zu tun, versichert er - für seine Brände von Apfel über Quitte bis zur Sauerkirsche wurde er schon mit dem Staatlichen Ehrenpreis bedacht, und auch bei der alljährlichen "Bayernbrand"-Prämierung geht er selten leer aus. Sein Parade-Drink ist der "Double Gin", in den neben Wacholder 14 weitere Ingredienzien kommen.

Zwei Häuschen weiter steht Benedikt Pointner mit seiner Frau Sieglinde. Er sitzt im Vorstand der bayerischen Edelbrandsommeliers. Wie seine Kollegen gehört er auch zu den kleineren Brennern und arbeitet vorwiegend mit Streuobst aus der Region. Sein Alleinstellungsmerkmal ist allerdings der "Münchner Kümmellikör". Früher war derein beliebtes Hausmittel. "Bei Verdauungsbeschwerden und Blähungen half er sehr gut", erzählt Pointner. Dann geriet er in Vergessenheit, die EU wollte schon die geschützte regionale Marke streichen. Dann fragte das Landwirtschaftsministerium bei Pointner an, ob der sich nicht der Sache annehmen wolle. Jetzt gibt es den Kümmellikör wieder, und dass sein intensiver Geschmack den Magen gut aufräumt, glaubt man gerne. "Da steckt Wumms dahinter", sagt Pointner, "deshalb brennen wir ihn auch nur auf 40 Prozent."

Noch bis einschließlich diesen Samstag, täglich von elf bis 18 Uhr, kann man für zwei bis drei Euro die Schnäpse an den einzelnen Ständen probieren. Auch eine kleine Schaubrennerei ist aufgebaut, an der täglich zwischen 15.30 Uhr und 17.30 Uhr erklärt wird, wie die Edelbrände entstehen.

© SZ vom 09.11.2018

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