Haus der Kunst Ein Weckruf zu vorgerückter Stunde

Grün statt Grau: Dieser Entwurf von Teresa Gstöttl und Antonia Sivjakov sieht den Umbau der "Ehrenhalle" zum Außenraum mit Bäumen vor.

(Foto: GStöttl, Sivjakow)

Die Studentenentwürfem, welche die SZ präsentierte, entfachen die Debatte um die Chipperfield-Pläne neu - aber vielleicht zu spät

Der geplante Umbau des Hauses der Kunst (HdK) nach Entwürfen des englischen Architekten David Chipperfield dürfte noch einmal heftig diskutiert werden. Auslöser sind die Alternativen, die junge Architekten am vergangenen Wochenende in der Süddeutschen Zeitung präsentierten. "Jetzt ist die Diskussion eröffnet, dahinter kann man nicht zurück", sagt etwa Wolfgang Heubisch, Ex-Kunstminister und heute Vorsitzender der Freunde des Hauses der Kunst. Auch die Bayerische Architektenkammer freut sich auf eine lebhafte Debatte. Und selbst Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU), der sich schon öffentlich für Chipperfields Ideen ausgesprochen hatte, sagt nun: "Das ist die Diskussion, die ich immer wollte."

Beginnen dürfte die Debatte schon an diesem Mittwoch, wenn der Aufsichtsrat des Museums zusammenkommt. Heubisch, der dort die einflussreiche Gesellschaft der Freunde des Museums vertritt, kündigte an, eine offene Debatte über Alternativen zu Chipperfield einzufordern.

Der englische Architekt schlägt im Grunde vor, den Original-NS-Zustand im Stadtbild wieder herzustellen. Weil diese Haltung in der Architektenwelt kontrovers diskutiert wird, hatte die SZ die Architektur-Professorin Hannelore Deubzer von der TU München gebeten, mit ihren Studenten am Lehrstuhl "Raumkunst" alternative Entwürfe zu skizzieren. Betreut von Rudolf Graf, bearbeiteten 52 Studenten das Thema, und sie legten bemerkenswerte Entwürfe vor - manches davon ist realistisch, anderes eher provokativ.

Für ihn sei das wirklich ein Weckruf, sagte Heubisch. Er sehe ein, dass man durchaus mutiger und eigenwilliger an den Umbau des Gebäudes herangehen müsse als dies Chipperfield getan habe. Radikale Brüche mit der Nazi-Architektur, wie sie einige Studenten gewagt hätten, müssten ernsthaft überlegt werden. Er werde daher in jedem Fall das Gespräch mit TU-Professorin Deubzer suchen und an diesem Mittwochmittag im Aufsichtsrat eine öffentliche Debatte über die Entwürfe aus der SZ einfordern.

Auch Kulturminister Ludwig Spaenle (CSU) hat den Weckruf vernommen, sagt er. Das heißt nicht, dass er von den Plänen Chipperfields zugunsten alternativer Entwürfe abrücken würde. Darin offenbar unverbrüchlich einig mit dem Museumschef Okwui Enwezor, hat er sich für die umstrittene Historisierung des im Auftrag Adolf Hitlers erbauten Ausstellungsgebäudes von Paul Ludwig Troost entschieden und bleibt dabei. Vor allem der Rückbau des Treppenaufgangs an der Prinzregentenstraße nach den ursprünglichen Plänen stößt auf Widerstand, weil dafür die später gepflanzten Bäume gefällt werden müssen.

Auch Wolfgang Heubisch sieht das als Problem und forderte eine Mitsprache des Bezirksausschuss. Ludwig Spaenle findet aber in David Chipperfields Plänen die wesentlichen Hausaufgaben erfüllt, nämlich wie das Haus der Kunst als "Einzeldenkmal" freizustellen und in die städtebauliche Umgebung einzubinden sei.

Die Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, Christine Degenhart, sagt,

Architektur sei die öffentlichste aller Künste: "Daher freuen wir uns sehr, dass die Debatte um ein sensibles Gebäude wie das Haus der Kunst auf ein so großes öffentliches Interesse stößt und der gestalterische Umgang mit diesem belasteten historischen Kulturbau nun breit diskutiert wird." Allerdings habe man sich eine solche Debatte zu einem deutlich früheren Zeitpunkt gewünscht als jetzt: "Die Diskussion nach erfolgtem Vergabeverfahren erscheint uns unglücklich.