Hauptbahnhof Totes Baby auf Zugtoilette gefunden

Das Baby wurde in einem Railjet-Zug der ÖBB gefunden.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Grausiger Fund am Münchner Hauptbahnhof: Mitarbeiter einer Reinigungsfirma haben am Dienstag ein totes Baby in einem Zug entdeckt. Es wurde womöglich auf einer Bordtoilette geboren - und dann von der Mutter getötet.

Von Florian Fuchs

Es ist ein Drama, das sich im Zug von Budapest nach München abgespielt hat: Eine Frau, so vermutet die Polizei, hat am Montag ihr Kind auf der Fahrt zur Welt gebracht, es dann getötet und zwischen dem Müll auf einer Bordtoilette liegen gelassen. Ein Putzteam fand die Leiche des Säuglings am Dienstagmorgen gegen 4 Uhr, der Zug war zu diesem Zeitpunkt auf dem Abstellgleis 54 zwischen Hackerbrücke und Donnersberger Brücke geparkt. Zu Beginn der Ermittlungen am Dienstagmorgen war noch nicht einmal klar gewesen, ob das Baby eine Totgeburt gewesen ist. Eine Obduktion ergab aber, dass der Junge bei der Geburt gelebt haben und kurz darauf getötet worden sein muss. Die Mordkommission fahndet nun nach der Mutter.

Der Railjet RJ 68 der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB), in dem das Baby gefunden wurde, war am Montag um 15.10 Uhr in Budapest gestartet und über Wien, Salzburg und Rosenheim um 22.55 Uhr am Hauptbahnhof angekommen (planmäßige Ankunft: 22.32 Uhr). In der Nacht wurde der Zug auf dem Abstellgleis geparkt, dort sollte am Dienstag gesäubert werden.

Noch ist unklar, wie das Baby getötet wurde

Als das Putzteam den grausigen Fund machte, alarmierte es sofort die Polizei. Die Einsatzkräfte setzten einen Spürhund ein. Nach ersten Erkenntnissen gehen die Ermittler davon aus, dass sich die Mutter kurz im Speisewagen des Zuges aufhielt und das Kind dann auf der Toilette zur Welt brachte. Die Polizisten, die den Tatort absuchten, fanden Blut im Speisewagen. Eine DNA-Analyse steht noch aus.

Die Ermittler wollen sich nicht auf weitere Details festlegen. Sie hoffen vor allem auf Zeugen, die im Zug eine hochschwangere Frau gesehen haben, auch das Zugpersonal - speziell die Mitarbeiter im Bordrestaurant - sollen befragt werden. Das Personal wird in Salzburg an der deutsch-österreichischen Grenze ausgetauscht, die Münchner Ermittler werden sich wohl auch an die ÖBB wenden. Allerdings, so heißt es bei dem Konzern, gebe es keine Videobilder aus dem Zug, die Abteile seien nicht mit Kameras ausgestattet.

Die Polizei wird aber Bilder vom Hauptbahnhof und den anderen Zwischenstopps auf der Fahrt auswerten, um dort eine schwangere Frau ausfindig zu machen. "Wichtig wäre für uns, wenn sich Fahrgäste melden, die mit dem Zug gefahren sind. Auch Zeugen, denen am Hauptbahnhof Ungewöhnliches aufgefallen ist, sollen sich unbedingt melden", sagt Polizeisprecher Thomas Baumann.

Laut Deutscher Bahn ist der Zug nachts auf dem Abstellgleis nur für Mitarbeiter zugänglich. Ausschließen kann die Polizei aber nicht, dass die Mutter des toten Säuglings gar nicht mit dem Zug gefahren ist, sondern erst nachts auf dem Abstellgleis einbrach. Dazu hätte die hochschwangere Frau allerdings die Absperrungen an den Gleisen überwinden müssen. Der Säugling war, so viel steht fest, bereits einige Stunden tot, als die Leiche entdeckt wurde.

Ein neues Gesetz soll helfen, solche Tötungen zu vermeiden

Zuletzt ist in München im Oktober 2009 ein totes Neugeborenes gefunden worden: Unter einem Baum in der Grünanlage des Maximilianeums entdeckte ein Spaziergänger ein in eine Plastiktüte eingewickeltes Baby, das getötet worden war. Die Mutter konnte nie ausfindig gemacht werden. Im vergangenen August hatte eine verzweifelte Frau ihren Säugling lebend in einem Wohnhaus in der Borstei ausgesetzt, Anwohner hatten das Mädchen gefunden.

Um Tötungen, lebensbedrohliche Aussetzungen sowie Entbindungen ohne medizinische Hilfe zu vermeiden, ist zum 1. Mai ein neues Gesetz in Kraft getreten, wonach Mütter ihre Kinder in Krankenhäusern vertraulich gebären können. Die Personendaten der Mutter bleiben dabei unter Verschluss, erst vom 16. Lebensjahr an kann das Kind Auskunft über die Identität seiner Mutter beantragen. Die Anonymität soll der Mutter Zeit geben, ihr Leben selbst unter schwierigen Umständen wieder in den Griff zu bekommen.