Hasenbergl Schluss mit dicker Luft

Klassentreffen: Schüler mit Eltern vor der Eduard-Spranger-Mittelschule bei einem Fototermin im April dieses Jahres.

(Foto: privat)

Die Stadt zieht Konsequenzen aus Schadstoffmessungen an der Eduard-Spranger-Schule: Das Gebäude wird abgerissen und neu errichtet. Die Schüler müssen derweil an andere Standorte umziehen

Von Jerzy Sobotta, Hasenbergl

Die Schüler der Eduard-Spranger-Mittelschule werden nach den Sommerferien an anderen Schulen unterrichtet. Wie das städtische Referat für Bildung und Sport jetzt bei einem Treffen mit Eltern und Lehrern ankündigte, soll das Schulgebäude an der Eduard-Spranger-Straße 17 zeitnah abgerissen und neu gebaut werden. Damit zieht die Stadt Konsequenzen aus Schadstoffmessungen, die in einigen Räumen an der Schule potenziell krebserregende polychlorierte Biphenyle (PCB) in der Luft nachgewiesen hatten. Noch im Frühjahr hatte Unklarheit darüber geherrscht, wann die Schule abgerissen werden soll. Als möglich galt ein Termin im Jahr 2022.

Nachdem bekannt wurde, dass mehrere schwangere Lehrerinnen wegen gesundheitlicher Bedenken an andere Schulen versetzt worden waren, ist der Druck auf die Stadt jedoch gestiegen. Der Schulleiter Peter Wummel berichtet, dass er von besorgten Eltern und Lehrern regelrecht überrannt worden sei. Daraufhin stimmte sich das Schulreferat mit der Schulleitung, der Lehrerschaft, dem Elternbeirat und den staatlichen Stellen ab und entwickelte einen Zeitplan für den Neubau einer Grund- und Mittelschule auf dem bisherigen Grundstück.

Der sieht vor, dass fünf Schulklassen bereits nach den diesjährigen Sommerferien an die Grundschule am Hildegard-von-Bingen-Anger umziehen. Die weiteren 19 Schulklassen werden spätestens nach den Osterferien 2020 in den neuen Schulpavillon des Gymnasiums an der Georg-Zech-Allee ausgelagert. Dort werden sie zusammen mit den ersten Gymnasialklassen unterrichtet, die ebenfalls in die neuen Räume einziehen. An allen Standorten gebe es eine Mittagsverpflegung und Ganztagsversorgung, heißt es. Ein weiterer Umzug erfolgt im Schuljahr 2021/2022. Dann werden die getrennten Schulteile in einem Schulpavillon an der Toni-Pfülf-Straße zusammengeführt und dort voraussichtlich drei Jahre lang unterrichtet. Der neue Schulbau an der Eduard-Spranger-Straße soll bis spätestens nach den Sommerferien 2024 bereitstehen.

Nach Auskunft des Schulreferats sei die vorübergehende Auslagerung der Mittelschüler in ein neues Schulgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne ursprünglich für kommendes Jahr geplant gewesen. Doch der Fund von Kampfmittel-Altlasten habe dort die Bauarbeiten verzögert.

Der Elternbeirat begrüßte, dass die ersten Schüler schon dieses Jahr das Schulgebäude verlassen. "Wir haben uns festgebissen und uns dafür eingesetzt, dass der Umzug so schnell wie möglich stattfindet", sagt Nina Aethner vom Elternbeirat. Ihre Tochter kommt nach den Ferien in die achte Klasse. "Uns hat es gereicht. Wir wollten, dass verhandelt wird, solange unsere Kinder noch an der Schule sind." Die Reaktionen der Eltern und Lehrer auf den Umzug seien positiv. "Der Großteil der Eltern befürwortet, dass es jetzt vorangeht."

Aethner lobt die gute Zusammenarbeit mit dem Schulreferat. Der Umzug sei gemeinsam mit den Eltern geplant worden, mit Rücksicht auf die Prüfungsphasen der Schüler im kommenden Frühjahr. Beatrix Zurek, Leiterin des Schulreferats, bedankte sich bei den Eltern, Lehrern und allen Beteiligten. Auch die Lokalpolitikerin Christine Lissner (Grüne), die sich schon seit Jahren für den Abriss der Schule einsetzt, begrüßt den Umzug: "Ich bin froh. Allerdings hätte ich mir Schulcontainer an der Eduard-Spranger-Straße gewünscht, damit die Schule nicht auseinandergerissen wird." Man hätte den Umzug bereits früher planen sollen, sagt sie.

Der giftige Stoff PCB ist bereits im Mai 2011 in der Mittelschule festgestellt worden. Er dünstet aus der Fugenmasse aus, die in den Siebzigerjahren bei dem Bau der Schule verwendet worden war. Seither überschreiten die Messwerte den vorgegebenen Richtwert von 300 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Luft. Allerdings liegen die Werte unterhalb der kritischen Grenze von 3000 Nanogramm, sodass die Stadt bisher nur regelmäßiges Lüften angeordnet hatte. Die Klassenzimmer haben einen Schutzanstrich und neue Möbel bekommen. Dennoch wurden bei den letzten Messungen Werte zwischen 556 und 1470 Nanogramm PCB festgestellt. Die Eduard-Spranger-Schule ist nach Angaben der Stadt die einzige Schule in München, an der PCB nachgewiesen wurde.