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Bar Sax:Eine Bar wie ein schwäbisches Dorf

Warmer Grauton, warme Leuchten, die von der Decke baumeln - das Sax hat umgebaut.

(Foto: Stephan Rumpf)

Vormittags Frühstück, abends Augustiner: Das Sax im Glockenbachviertel ist ein Ort, an dem neue Gäste gleich dazugehören - auch noch nach der Renovierung.

Schwaben und Badener kennen und lieben die beiden seit vielen Jahrzehnten: Äffle und Pferdle. Der Fernsehproduzent und Synchronsprecher Armin Lang schuf die Zeichentrickfiguren, die seither im Süddeutschen beziehungsweise Südwestdeutschen Rundfunk zwischen Werbeclips zu sehen und nicht mehr wegzudenken sind. Lang lieh Äffle und Pferdle auch seine Stimme im schwäbischen Dialekt, obwohl er gar kein Baden-Württemberger war, sondern aus dem oberbayerischen Holzkirchen stammte.

Ähnlich kurios ist die Sache mit dem "Sax": Das Lokal im Glockenbachviertel, das je nach Bedarf Bar, Restaurant, Café, Fußballkneipe und Biergarten sein kann, ist ebenso wie Äffle und Pferdle eine Art gastronomisches Kulturgut - und der Wirt ein waschechter Schwabe.

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Friedel, wie eigentlich jeder den Sax-Geschäftsführer Josef Fridolin Bulach nennt, sitzt vorne an der breiten Glasfront mit "Isi" Ismail Yilmaz vom "X-Cess" und spielt eine Partie Backgammon. "Wir haben hier alle eine gute Nachbarschaft", sagt Friedel und lädt den neuen Gast an den Tisch ein. Er meint damit nicht nur die Nachbarn. Das Sax ist ein Ort, an dem sich auch Gäste, die zum ersten Mal hereinschauen, gleich dazugehörig fühlen. Das liegt an den herzlichen Bedienungen, aber vor allem wohl an der offenen Art des Wirts. "Das ist hier wie ein Dorf", sagt Friedel und lacht. Er selbst stammt aus einem kleinen Dorf auf der Schwäbischen Alb, wo sich jeder kennt.

Als Friedel Bulach zum Studium nach München kam, arbeitete er zunächst im "Ça va" an der Kazmairstraße. Offenbar so gut, dass ihm die Brauerei ein Lokal im damals noch gar nicht trendigen Glockenbachviertel anbot. "Wir haben das Lokal aus dem Dornröschenschlaf geholt", sagt er heute. Seit fast 21 Jahren führt er nun das Sax, viele seiner Gäste sind mit ihm älter geworden, trotzdem kommen auch junge Leute her: Am Wochenende ist meist unten in der Kegelbahn Party, oben läuft regelmäßig Fußball auf der großen Leinwand.

Nicht nur Spiele des FC Bayern und die Champions League, denn das Sax ist, wen wundert es bei dem Wirt, offizieller Fantreff des VfB Stuttgart. Im Sommer ist die Terrasse mit der großen Kastanie oft schon am Vormittag voll, wenn die Leute aus dem Viertel zum Frühstücken vorbeischauen. Und abends verwandelt sich das Sax in eine gemütliche Bar.

Recyclinghölzer baumeln von der Decke

Dabei hat Friedel Bulach seinen Stammgästen zuletzt ziemliches Vertrauen entgegenbringen müssen. Denn als im Herbst das ganze Haus renoviert werden musste, beschloss er, auch dem Sax einen neuen Anstrich zu verpassen. Seither ist das L-förmige Lokal mit den riesigen Fensterfronten in warmem Grauton gestrichen, die fetten Säulen an der Bar haben einen Baustellenlook verpasst bekommen.

Von der Thekendecke baumeln schwere Recyclinghölzer, an denen warm glühende Birnen baumeln. Der lange Tresen ist mit einfachen Brettern verkleidet, was das Lokal rustikaler wirken lässt. Und die früheren dunklen Bistrotischchen sind weniger und dafür heller geworden, nun gibt es auch lange Tische zum Tafeln. Den Gästen gefällt das erneuerte Sax: Der Laden brummt wie früher.

Zu essen gibt es nicht nur Klassiker, sondern dank der international besetzten Küche auch Gerichte aus Portugal, Thailand und Indien. Und auf der Getränkekarte finden sich als Besonderheiten neben mehreren Bioweinen auch Biomilch - und nun auch Augustiner-Bier (Weißbier 3,80, Helles 3,50), wo früher Spaten ausgeschenkt wurde. Auf das Sax könnte beinahe der Slogan aus Baden-Württemberg passen: "Wir können alles. Außer Hochdeutsch."

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