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Gräfelfing:Altes Haus mit neuer Bestimmung

Haus Bahnhofstraße 105, Gräfelfing

Erhaltenswert: Architekt Klaus Molenaar spricht sich für die Sanierung dieses Hauses an der Gräfelfinger Bahnhofstraße aus.

(Foto: Florian Peljak)

Die Gemeinderäte erwägen, in einer leerstehenden Villa an der Bahnhofstraße eine zweite Inklusions-Wohngemeinschaft einzurichten. Zuvor aber müsste das Gebäude für voraussichtlich rund 1,6 Millionen Euro saniert werden

In Gräfelfing könnte eine zweite Inklusions-Wohngemeinschaft entstehen. Als Immobilie kommt eine leerstehende Villa aus den Zwanzigerjahren im hinteren Teil eines versteckten Grundstücks an der Bahnhofstraße in Frage. Das Haus müsste umfassend saniert und um einen Neubau ergänzt werden. Insgesamt rund 1,6 Millionen Euro würden dafür anfallen. Laut Architekt Klaus Molenaar, der eine Machbarkeitsstudie dem Hauptausschuss in seiner jüngsten Sitzung vorstellte, lohnt sich die Sanierung des baufälligen Hauses. So würde ein Stück "altes Gräfelfing" erhalten werden.

Das Grundstück liegt an der Ecke Bahnhofstraße/Professor-Kurt-Huber-Straße in zentraler Lage direkt am Bahnhof. Auf dem vorderen Teil des Grundstücks an der Bahnhofstraße hat der Bauausschuss jüngst die Vergabe von Planungsleistungen für ein Wohn- und Geschäftshaus beauftragt. Im hinteren Teil steht die Villa, die sich für das Inklusionsprojekt eigenen würde. In Gräfelfing gibt es bereits so ein Projekt, das sich integrative Wohngemeinschaft nennt: In einem Haus der Gräfelfinger Seidlhof-Stiftung leben junge Menschen mit und ohne Behinderung unter einem Dach, der Münchner Verein Gemeinsam leben lernen (GLL) betreut die Wohngemeinschaft.

Das Projekt im Seidlhof-Haus diente dem Architekten als Vorlage. Idealerweise würden fünf Menschen mit und fünf ohne Behinderung in dem Komplex an der Bahnhofstraße zusammenleben. Das könnten Studenten, aber auch Senioren sein. Der alten Villa würde Molenaar einen "harmlosen Neubau" zur Seite stellen: einen zweigeschossigen Anbau in Holzbauweise. Jeder Bewohner hätte ein eigenes Zimmer, ein Wohnraum, eine Küche sowie Terrasse und Garten würden geteilt werden.

Die Villa steht seit Jahren leer, durch das Dach regnet es. Der Dachstuhl sei jedoch in Ordnung und sanierbar, versprach Molenaar. Er plädierte für den Erhalt des Hauses mit Erker und Balkon, weil es das letzte wirklich alte Gebäude in der Gemeinde sei. Allzulange warten sollte man jedoch nicht mehr mit einer Sanierung, appellierte er an die Gemeinderäte. In zwei Jahren sei das Haus nicht mehr zu retten, wenn es weiter durch das Dach regne. Akute Schwachstellen sollten deshalb schon dieses Jahr repariert werden, auch sollten einige Bäume und Büsche, die das Haus völlig zugewuchert haben, gefällt werden, damit dieses austrocknen könne.

Die Gemeinderäte zeigten sich angetan von der Idee. Klar wurde jedoch auch, dass die Gemeinde ein solches Projekt nicht in Eigenregie führen, sondern einen erfahrenen Betreiber dafür gewinnen möchte. Die weitere Vorgehensweise soll nun in den Fraktionen beraten werden.

© SZ vom 22.01.2020
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