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Gewalt beim Fußball:Bayern-Ultras von der "Schickeria" sollen hinter Gewalt vor Schalke-Spiel stecken

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Optisch stets in der Arena präsent: die Ultras des FC Bayern.

(Foto: Imago)
  • Nach den schweren Ausschreitungen vor dem Spiel des FC Bayern beim FC Schalke 04 am Samstag hat die Münchner Polizei nun erste Erkenntnisse über die Identität der Angreifer.
  • Sie hat die Personalien von mehr als 100 Festgenommen ausgewertet.
  • Demnach stecken Mitglieder der Ultra-Gruppierung Schickeria hinter dem Angriff auf Schalke-Fans.

Hinter den gewalttätigen Ausschreitungen vor dem Bundesligaspiel FC Schalke 04 gegen den FC Bayern am Samstag steckt offenbar die Münchner Fan-Gruppierung Schickeria. Man habe inzwischen die Personalien von 111 der insgesamt 196 Festgenommenen abgeglichen, "und der ganz überwiegende Teil ist der Schickeria zuzuordnen", sagt Klaus Röschinger, Leiter der Abteilung "Szenekundige Beamte" bei der Münchner Polizei, der SZ.

Wofür der DFB die Schickeria geehrt hat

Die Hintergründe der Vorkommnisse sind noch unklar. "Das kam aus heiterem Himmel", sagt Röschinger. Es habe zuletzt keine Anzeichen für gewalttätige Aktionen der Schickeria gegeben. Ein Mitglied erklärte am Dienstag, man wolle sich zu den Vorkommnissen vom Samstag nicht äußern.

Die Ultra-Gruppierung hatte sich in der Vergangenheit wiederholt gewaltsame Auseinandersetzungen mit verfeindeten Fangruppen geliefert. Sie sieht sich aber nicht nur als besonders treue Fangruppierung, sie hat auch ein links geprägtes politisches Selbstverständnis. Die Schickeria engagiert sich so auch gegen Rassismus und Diskriminierung und hält die Erinnerung an den von den Nazis verfolgten früheren FC-Bayern-Präsidenten Kurt Landauer hoch. Dafür wurde sie 2014 vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet.

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Wie der Angriff nach Darstellung der Polizei ablief

Nach Angaben der Münchner Polizei, die Beamte nach Gelsenkirchen geschickt hatte, war der Angriff offenbar eine konzertierte Aktion. "Üblicherweise reist die Schickeria mit Bussen zu Auswärtsspielen", sagt Röschinger, "auch diesmal waren welche gebucht. Offenbar sind die Personen dann aber auf eigene Faust mit Kleinbussen nach Gelsenkirchen gereist."

Vor Spielbeginn seien etwa 250 Personen geschlossen in Richtung des Blocks der Schalke-Fans gestürmt. "Die haben schon auf dem Weg völlig unbeteiligte, normale Schalker verprügelt." Am Block seien sie auf ebenfalls gewaltbereite Schalker Ultras gestoßen. Beide Gruppen sind verfeindet. Die Schickeria lehnt bis heute Bayern-Torwart Manuel Neuer ab, weil der als Jugendlicher einer Schalker Ultra-Gruppierung nahegestanden hatte.

Die Polizei Gelsenkirchen berichtet von "massiven gewalttätigen Überfällen", bei denen "zahlreiche Personen teilweise erheblich verletzt wurden". Unter den Angreifern sollen auch Anhänger des VfL Bochum gewesen sein, die mit den Bayernfans verbündet sind. Nach bisherigem Kenntnisstand der Münchner Polizei war es aber "nur eine Handvoll Bochumer".