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Gentrifizierung:Nach Farbattacke auf die Glockenbachsuiten: Staatsschutz ermittelt

Glockenbach Suiten, Autonome haben das Gebäude mit Farbbeuteln beworfen. Frauenhoferstr an der Reichenbachbrücke

Noch sind die Glockenbachsuiten unbewohnt. Trotz eines Quadratmeterpreises von 7600 bis 14 000 Euro hat sind bereits alle 25 Einheiten verkauft.

(Foto: Florian Peljak)
  • Unbekannte haben die Glockenbachsuiten erneut attackiert.
  • Das Bauunternehmen will jetzt sein Sicherheitskonzept überdenken.

Von Katharina Kutsche

Mit einer "besonderen Fassadengestaltung" bewirbt die Münchner Baufirma Concept Bau ihr Referenzprojekt Glockenbachsuiten. Doch seit Samstagabend zieren etwa 30 bunte Farbflecken die Außenfassade des umstrittenen Neubaus, die die Bauträger nicht beabsichtigt hatten: Unbekannte beschmierten das Haus mit Farbe - zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen.

An besagtem Samstag gegen 22.40 Uhr sammelten sich nach Polizeiangaben etwa 20 bis 30 dunkel gekleidete Menschen auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Neubaus und warfen mit Farbe gefüllte Flaschen und Glühbirnen gegen die Außenfassade. Diese zerplatzten beim Aufprall, die unterschiedlichen Farben verschmierten das Haus in der Fraunhoferstraße Ecke Erhardtstraße.

Da eine Eingangstür am Gebäude offen stand, landete eine der Flaschen im Hausinneren und verschmutzte den Flur. Die Täter, die sich vermutlich mit Sturmhauben maskiert hatten, wurden bei der Tat von einem Sicherheitsmann beobachtet.

Der Wachmann rief sofort die Polizei

Der 28-Jährige, vom Bauunternehmen für die Bewachung des noch unbewohnten Luxusobjekts angestellt, rief sofort die Polizei. Die Gruppe flüchtete jedoch entlang der Isar in Richtung Deutsches Museum. Bereits in der Nacht zum 9. Mai hatten ebenfalls unbekannte Täter Farbbeutel an die Hausfassade geworfen - dadurch entstand ein Schaden von mehreren Hundert Euro, teilte die Polizei mit.

Der Bau der Glockenbachsuiten gilt als unschönes Beispiel für den Trend zur Gentrifizierung. Durch die Schaffung hochpreisigen Wohnraums auf innerstädtischen Filetstücken würden geringer Verdienende in weniger attraktive Stadtteile oder Außenbezirke verdrängt, sagen die Kritiker. Denn die Neubauten mit luxuriöser Ausstattung trieben die Mietpreise nach oben.

Auch das alte Haus auf dem Grundstück in der Isarvorstadt, in dem sich unter anderem die Ruby-Bar befand, musste für den Neubau abgerissen, sechs alte Kastanien gefällt werden. Aktivisten protestierten gegen das Bauprojekt, mehr als 11 000 Menschen unterzeichneten eine Online-Petition, ein Anwohner klagte vor dem Verwaltungsgericht gegen die Baugenehmigung der Stadt München, alles vergeblich. Im Mai 2015 demonstrierten knapp 30 bosnische Bauarbeiter auf der Baustelle gegen Lohndumping. Sie beschwerten sich über eine Bezahlung unterhalb des Branchen-Mindestlohns und nicht gezahlte Gehälter.

Die 25 Wohnungen in den Glockenbachsuiten kosten zwischen 7600 und 14 000 Euro pro Quadratmeter und sind komplett verkauft.

Das Sicherheitskonzept wird überdacht

Bewohnt werden die Suiten zurzeit noch nicht, der Bau ist "kurz vor der Fertigstellung", wie eine Sprecherin des Unternehmens Concept Bau sagte. Mit dem Einzug sei ab dem Frühsommer zu rechnen. Wie intensiv eine Baustelle oder ein Neubau bewacht werde, hänge unter anderem von dessen Lage ab.

Für Mittwoch sei ein Treffen mit der zuständigen Sicherheitsfirma geplant, um das weitere Schutzkonzept zu besprechen, so die Sprecherin weiter: "Das Konzept wird auf jeden Fall überdacht." Wie hoch der Schaden der Attacke vom Wochenende ist, könne man derzeit noch nicht angeben. Die Polizei schließt einen politischen Hintergrund der Farbschmierereien nicht aus, das Kriminalfachdezernat für Staatsschutz hat deshalb die Ermittlungen übernommen.

© SZ vom 25.05.2016/hmai
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