Gelber Staub im Raum München Fichten im Liebesrausch

Ursache für die gelbe Staubdecke (etwa auf dem Starnberger See, hier im Bild aus dem Jahr 2015) ist die intensive Blüte der Fichten, wie sie nur alle drei bis vier Jahre vorkommt.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)
  • Die heimischen Fichten sind für die hellgelbe Staubdecke verantwortlich, die sich seit einer Woche überall im Freien ablagert.
  • Alle drei bis vier Jahre blüht die in Bayern weitaus häufigste Baumart. Doch so gewaltige Mengen von Pollen und Zapfen wie jetzt produziert sie wesentlich seltener.
  • Allergiker müssen den Blütenstaub der Fichte allerdings kaum fürchten.
Von Armin Greune

Blassgelbe Wolken treiben über den Freistaat, Staub lagert sich überall im Freien ab, auf gerade geputzten Dachfenstern, der zum Trocknen aufgehängten Wäsche oder frisch polierten Autos. Was viele zunächst für Saharasand halten, kommt tatsächlich aus der näheren Umgebung: Die heimischen Fichten und ihr Liebesrausch sind für den "Schwefelregen" verantwortlich.

Alle drei bis vier Jahre blüht die in Bayern weitaus häufigste Baumart, etwa 2011 oder 2015. Doch die ganz gewaltigen Mengen von Pollen und Zapfen produziert sie wesentlich seltener. Ihre gesteigerte sexuelle Aktivität ist für die Förster allerdings kein Grund zur Freude, sondern vielmehr Anlass zur Besorgnis: In drei Vierteln der Fälle folgt darauf eine sogenannte Vollmast mit besonders vielen Samenzapfen.

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Das Phänomen der "Angstblüte"

Das strapaziert die Bäume, macht sie anfällig für Dürreschäden und begünstigt die Ausbreitung von holzzerstörenden Insekten wie dem Borkenkäfer. "Erst der Windwurf und jetzt die Mast - wenn dann auch noch ein heißer Sommer folgt, haben wir ein Mordsproblem", sagt Wilhelm Seerieder, Leiter des Staatsforstbetriebs München.

Wie viele Kollegen hat er beobachtet, dass "Mastjahre" immer häufiger eintreten. Dafür könnten die Klimaerwärmung und der vermehrte Stickstoffeintrag in die Wälder verantwortlich sein. Für die Anlage von Blüten ist bei der Fichte meist die Witterung des Vorjahres ausschlaggebend: Ein schneearmer Winter, früher Vegetationsbeginn und ausreichende Niederschläge im vorangegangenen Sommer erlauben den Bäumen, reichlich Reserven für die Fortpflanzung zu bilden. Allerdings kennen Biologen auch das Phänomen der "Angstblüte", wenn Pflanzen auf Wasser- oder Nährstoffknappheit mit verstärkter Pollenbildung reagieren.

Heftiger Niesreiz, aber selten Überreaktionen

Allergiker müssen den Blütenstaub der Fichte kaum fürchten. Weil die Pollenkörner verhältnismäßig groß sind, lösen sie zwar heftigen Niesreiz, aber selten Überreaktionen des Immunsystems aus. Damit der relativ schwere Fichtenpollen mit dem Wind weit ins Land getragen wird, hat jedes Korn zwei Luftsäcke.

Wie lange der "Schwefelregen" noch Fensterputzer, Autobesitzer und Fassadenmaler nerven wird, lässt sich noch nicht absehen. Solange die Zweige der Fichten noch voll mit den männlichen Blützenkätzchen behangen sind, gehen Experten meist von zwei oder drei Wochen aus. Nach starken Regenfällen könnte es freilich auch rasch vorbei sein mit dem gelben Zauber. Anders dagegen in den höheren Berglagen Bayerns: Dort setzt die Fichtenblüte naturgemäß erst später ein.