Fußball-WM 2014 Public Viewing bis tief in die Nacht

Auch bei der WM 2014 wollen die Fans beim Public Viewing mitfiebern.

(Foto: lok)

Die Stadt München möchte Übertragungen von der Fußball-WM in Biergärten auch am späten Abend erlauben. Das geht aber erst, wenn im Mai der Bundesrat der Lockerung des Lärmschutzes zustimmt. Vielen Wirten ist das zu spät.

Von Kim Björn Becker

Für Veranstalter und Gastronomen in München und Umgebung war der Mittwoch ein Tag der guten und der weniger guten Nachrichten gleichermaßen. Die gute war: Am Vormittag hat das Bundeskabinett in Berlin einen Entwurf aus der Behörde von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) beschlossen. Er besagt, dass die Regelungen zum Lärmschutz während der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien im Juni und Juli vorübergehend gelockert werden.

Damit wird es bundesweit grundsätzlich möglich sein, während der Weltmeisterschaft sogenanntes Public Viewing zu veranstalten, die Spiele also draußen auf Großleinwand zu zeigen - ob im Biergarten oder im Olympiastadion. Wegen der Zeitverschiebung zwischen Südamerika und Westeuropa werden manche Partien nach deutscher Zeit aber erst spät am Abend zu sehen sein.

Die weniger guten Nachrichten sind: Damit die Sonderverordnung in Kraft treten kann, muss der Bundesrat zustimmen. Das wird voraussichtlich Mitte Mai passieren. Und erst danach können die lokalen Behörden - in München ist dafür das Kreisverwaltungsreferat (KVR) zuständig - über die Anträge von Veranstaltern und Gastronomen entscheiden, die Großleinwände aufstellen wollen. Denn die Sonderverordnung eröffnet den Städten und Gemeinden bloß die Möglichkeit, auch nach 22 Uhr noch Public Viewing zuzulassen - was am Ende daraus wird, liegt bei den Kommunen. Zumindest in diesem Punkt hat die Stadt München jetzt vorsichtig Entwarnung gegeben: Man werde bei den Genehmigungen "wie in den vergangenen Jahren grundsätzlich kulant" sein und versuchen, Public Viewing an vielen Orten zu ermöglichen, sagt KVR-Sprecherin Kristin Nettelnbrecher. Je später eine Übertragung stattfindet, desto genauer werde man jedoch hinschauen und dabei die Interessen der Anwohner berücksichtigen. "Aber zumindest die Spiele der deutschen Nationalmannschaft in der Gruppenphase liegen ja zeitlich relativ günstig", sagt Nettelnbrecher.

Für Veranstalter und Gastronomen, die im Sommer auf Public Viewing setzen, beginnt jetzt die unangenehme Zeit des Wartens. Dabei würde so mancher Gastwirt schon jetzt gerne verbindlich planen - wenn er denn nur könnte. "Es ist viel mehr Aufwand, alles auf den letzten Drücker hin organisieren zu müssen", sagt Johann Eichmeier, Chef des Hirschgartens in Nymphenburg. In den Biergarten passen bis zu 7500 Gäste. Vier Großleinwände hatte Eichmeier bei der Europameisterschaft 2012 parallel im Einsatz, das geht nicht ohne Vorbereitung.

"Je später wir damit anfangen, desto stressiger wird es. Und desto teurer." Am liebsten wäre es ihm, wenn er in der kommenden Woche Planungssicherheit hätte, doch danach sieht es derzeit nicht aus. Andere Länder waren da findiger: Die Freie und Hansestadt Hamburg hat bereits Anfang Februar eine eigene Verordnung auf den Weg gebracht, das spart Zeit. Im bayerischen Umweltministerium gibt es hingegen keine Bestrebungen, für den Freistaat eine eigene Lösung zu finden.

In welchen Nächten es bei der WM laut wird.

(Foto: SZ Grafik, Eiden; Quelle: Fifa)

Nach Angaben des KVR liegen der Behörde bereits einzelne Anträge zum Public Viewing vor, sie sollen "demnächst geprüft" werden. Bei der Fußball-Europameisterschaft vor zwei Jahren hat die Stadt München an zehn Orten Public Viewing in größerem Rahmen genehmigt. Dazu kamen noch unzählige Übertragungen auf den Freischankflächen von Gaststätten.

Nach dem Willen der Wirte und Biergartenbetreiber soll das auch diesmal möglich sein, trotz der teils späteren Anstoß-Zeiten. "Wenn es nicht klappt, wäre das ein Mega-Schaden", sagt Hirschgarten-Chef Eichmeier. "Wenn die Deutschen spielen und wir es nicht zeigen, dann sind einfach keine Gäste da."