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Wirtschaft:Mit Stahl gegen Schmutz und Mikroplastik

Wirtschaft

Die Preisverleihung konnte Georg Klass zwar nur per Videokonferenz verfolgen, gefreut hat er sich über die Auszeichnung natürlich trotzdem. Mittlerweile ist auch die Trophäe per Post geliefert worden.

(Foto: Privat)

Das Türkenfelder Unternehmen Klass Filter hat ein System zur ressourcensparenden Reinigung von Wasser entwickelt. Eingesetzt wird es etwa in Kläranlagen. Nun erhält die Firma den Deutschen Nachhaltigkeitspreis

Von Sabrina Jansen, Türkenfeld

Für seine innovativen Filtersysteme ist das Türkenfelder Unternehmen "Klass Filter" mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden. Vergeben wurde der Preis von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, gesucht wurden "die besten Konzepte gegen Erderwärmung, Ressourcenübernutzung, Artensterben und gesellschaftliche Spaltung". Firmenchef Georg Klass, 51, nahm die Auszeichnung per Video-Übertragung entgegen. Das fünfköpfige Unternehmen entwickelt verschiedene verstopfungsfrei arbeitende Filtersysteme, um Schmutzwasser wiederzuverwerten und somit einen Beitrag für den Ressourcenschutz leisten zu können.

Im Zentrum steht dabei der von Gründer Georg Klass senior patentierte "Klass Zylkonfilter". Eine Platte aus Edelstahl wird von einem Laser punktuell durchlöchert, so dass ein Filter entsteht. Dieser stellt das Herzstück der unterschiedlichen Systeme dar. Wenn Wasser in das System strömt, wird es in den Filter hineingesogen. Zusätzlich entsteht durch einen Rotor an der Außenseite des Filters Unterdruck, sodass sich Rückstände von der speziell beschichteten Oberfläche ablösen und Verstopfungen vermieden werden. Georg Klass erzählt, dass verschiedene Firmen die Technologie seines Unternehmens einsetzen. Mit Hilfe des Filtersystems könne beispielsweise Schmutzwasser in Kanalspülwagen wiederaufbereitet und erneut verwendet werden. Kläranlagen können das System ebenfalls nutzen, um Mikroplastik aus dem Wasser zu filtern. Auch in Südafrika finde der Zyklonfilter seinen Einsatz: Dabei wird Wasser, das bei der Herstellung von Fruchtsäften verwendet wird, durch den Filter wiederaufbereitet und anschließend zur Bewässerung von Feldern und Plantagen genutzt.

Durch diese innovative Technologie ist die kleine Firma aus Türkenfeld zum Global Player aufgestiegen und mittlerweile auf sechs Kontinenten vertreten. 1967 gründete Georg Klass senior, der ehemalige Bürgermeister Türkenfelds, die Firma und bat später seinen Sohn Georg ebenfalls einzusteigen. Obwohl der heute 51-Jährige als absoluter Quereinsteiger in diese Branche kam, übernahm er schließlich die Firma. An seinem Beruf schätze er vor allem die Abwechslung und den Beitrag, den die Firma zum Ressourcenschutz leiste. Das Ziel sei dabei, "die Erde im Wasserbereich lebenswerter für nachfolgende Generationen zu gestalten". Für diese Einstellung und ihre Forschung wurde die Firma schließlich für den Nachhaltigkeitspreis 2021 in der Kategorie "Unternehmen - Beste Ressourcen" nominiert. Doch die Konkurrenz war groß: Mehr als 1000 Bewerber standen für die Auszeichnung zur Auswahl, die seit 2008 jährlich von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung vergeben wird.

Am Abend der Preisverleihung selbst war Klass daher spürbar nervös. "So etwas macht man ja auch nicht alle Tage", sagt der 51-Jährige. Die Verleihung, die im Düsseldorfer Hotel Maritim stattfand, verfolgte er per Live-Stream von seinem Büro aus. Bis der große Moment schließlich kam, musste er sich einige Zeit gedulden. Der Firmenchef berichtet, dass er über eine Stunde in einem virtuellen Warteraum verbracht hat. "Und die Tonqualität ließ zu wünschen übrig, da habe ich teilweise gar nicht mitbekommen, was vor Ort los ist." Als sein Unternehmen schließlich als Gewinner verkündet wurde, habe es einige Tage gedauert, bis Klass wirklich realisiert hatte, was diese Auszeichnung bedeutet: "Ich verstehe jetzt die Sportler, wenn sie sagen: Das ist bei mir noch nicht angekommen."

Angekommen ist mittlerweile dafür die kugelförmige Trophäe, verschickt in einem riesigen Paket. "Das kam an, als ich nicht da war und stand dann einfach so vor der Tür", sagt Klass. Auszeichnung per Lieferservice sozusagen. Da die Verleihung zwei Tage vor dem Todestag seines Vaters stattfand, verbindet Klass junior mehr als nur die Trophäe mit dieser Auszeichnung. Für ihn symbolisiere sie vor allem die Anerkennung für den Beitrag, den sein Unternehmen seit der Gründung durch seinen Vater zum Ressourcenschutz leistet. Ganz nach seinem Motto: "Es gibt Generationen nach uns, die auch noch auf dieser Erde leben wollen", will Klass auch weiterhin zur Entwicklung neuer Systeme zur Wiederverwertung des Wassers beitragen und plant dafür demnächst räumlichen Zuwachs: Ab Mai 2021 wird seine Firma ein zusätzliches Gebäude in Eresing beziehen.

© SZ vom 08.04.2021
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