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Verkehr:Fahrradfreundliches Gröbenzell

Los geht's durch die Straßen von Gröbenzell für die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Kommune erhält nach vier Jahren Bewerbungsphase Empfehlung für die Auszeichnung

Von Ariane Lindenbach, Gröbenzell

Gröbenzell soll als fahrradfreundliche Kommune anerkannt werden. Das empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern AGFK dem Verkehrsministerium. Die Entscheidung fiel am Mittwochnachmittag nach einer vier Jahre langen Bewerbungsphase und einer finalen Ortsbesichtigung der AG FK am gleichen Tag. Dabei erkundeten 20 Personen, darunter viele Rathausmitarbeiter mit dem Fahrrad die in den letzten Jahren für Radfahrer realisierten Verbesserungen.

"Ich freue mich wirklich dass wir das geschafft haben", erklärt Bürgermeister Martin Schäfer freudestrahlend nach der Verkündigung der Entscheidung im Bürgerhaus Gröbenzell. "Wir wollen vorne mit dabei sein", sagt er und bekräftigt: "Wir hören nicht auf." Tatsächlich ist die Empfehlung des A GFK an das Ministerium an eine Bedingung geknüpft.

Der Gemeinderat muss sich bis zum Jahresende ein Ziel setzen, um welchen Prozentsatz er den Radverkehr innerhalb eines bestimmten Zeitraumes erhöhen möchte. Dazu muss die Gemeinde noch den so genannten Modal Split zu Ende bringen; das Verfahren berechnet mittels einer Befragung die Aufsplittung der verschiedenen Verkehrsteilnehmer in Prozent Punkte. 500 Personen sollten dafür befragt werden. Coronabedingt kam es zu einer Verzögerung.

Aktuell sind 433 Verkehrsteilnehmer interviewt worden, die Befragung ist wieder angelaufen. Abgesehen davon gibt es laut Sarah Guttenberger, Geschäftsführerin des AGFK Bayern, nur noch ein paar Kleinigkeiten zu verbessern, beispielsweise bei der Beschilderung oder den Fahrrad Abstellmöglichkeiten.

Ansonsten ist das Trio aus Guttenberger, Martin Singer vom Verkehrsministerium und Robert Burschig vom ADFC, das die Gröbenzeller Bemühungen bewertet hat, durchaus zufrieden mit der Gröbenbachgemeinde. "Wir haben sehr positive Eindrücke mitnehmen können", beginnt Guttenberger ihre kurze Bewertung. Sie lobt die Einstellung der Radverkehrsbeauftragten Lina Wenzel mit 28 Wochenstunden und einem eigenen Budget; sie ist Ansprechpartnerin für alle Belange rund ums Fahrrad und vernetzt in der Rathausverwaltung die einzelnen Sachbereiche in Punkto Radverkehr. Auch der Mängelmelder, die überregionale Kooperation mit ADFC und Bund Naturschutz, den Radsicherheitscheck und die fest installierten Luftpumpen für Fahrräder sind den Prüfern positiv aufgefallen. Ebenso hebt Guttenberger die Tatsache hervor, dass die Gemeinde ein Radverkehrskonzept mit Netzplanung erstellt hat und bereits einige Maßnahmen daraus umgesetzt hat oder dass der Winterdienst auch Radwege räumt. Im Januar 2015 beschließt der Gemeinderat einstimmig, dem AGFK beizutreten. Ein Jahr später beginnt die vierjährige Bewerbungsphase, zusätzlich die jährliche Organisation der Veranstaltung "Gröbenzell steigt um". In den vergangenen Jahren wurden Abstellflächen für Lasten Fahrräder geschaffen, zuletzt vor dem Rewe in der Kirchenstraße, weitere Straßen in Fahrradstraßen um gewidmet und für den Bauhof sowie den Hausmeister im Freizeitheim Lastenpedelecs angeschafft. Zwischen 2017 und 2019 gab die Gemeinde knapp 800000 Euro für den Rad- und Fußverkehr aus. Al das sind nur ein paar exemplarische Maßnahmen, die die Gemeinde seit 2015 für eine Förderung des Radverkehrs umgesetzt hat. Eine verkürzte Version der Präsentation, die die Gemeinde am Mittwoch vorgestellt hat, um ihre Bemühungen um mehr Radverkehr darzulegen, kann auf der Homepage der Gemeinde (www.groebenzell.de) angesehen werden. Dort findet sich auch ein Indiz für die Bedeutung, die das Fahrradfahren im Rathaus hat: Auf der Startseite gibt es einen eigenen Icon "Radfahren in Gröbenzell".

Sollte die Gemeinde Gröbenzell die Auszeichnung erhalten, wofür eigentlich alles spricht, gilt sie für sieben Jahren. Die Stadt Fürstenfeldbruck hatte sich vor Kurzem ebenfalls als fahrradfreundliche Kommune beworben, war aber, wie zum Beispiel auch Oberschleißheim, abgelehnt worden.

© SZ vom 14.09.2020

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