Türkenfeld:Frömmigkeit inmitten der Landschaft

Türkenfeld: Religiöse Flurdenkmale wie dieser Bildstock sind meist Erinnerungen an bedrückende oder erfreuliche Ereignisse.

Religiöse Flurdenkmale wie dieser Bildstock sind meist Erinnerungen an bedrückende oder erfreuliche Ereignisse.

(Foto: Dieter Hess / Gemeindearchiv Türkenfeld / oh)

Rund um Türkenfeld finden sich Wegkreuze, Marterl und Bildstöcke. Eine 100-seitige, reich bebilderte Broschüre fasst sie zusammen.

Von Manfred Amann, Türkenfeld

Religiöse Flurdenkmale in Form von Wegkreuzen, Bildstöcken oder kleinen Wegkapellen sind meist Erinnerungen an bedrückende oder erfreuliche Ereignisse und zeugen von der ideellen und geistigen Einstellung sowie von der Frömmigkeit der Erbauer. Zudem prägen sie oft schon seit langer Zeit die Kulturlandschaft. Im Gemeindegebiet von Türkenfeld und etwas darüber hinaus hat Ortsarchivar Dieter Hess etwa 70 Denkmale fotografiert und mit Erklärungen zu Herkunft, Entstehungsgeschichte und zu ihrer Bedeutung ergänzt. Entstanden ist ein 100-seitiges, informatives und reich bebildertes Druckwerk mit dem Titel "Religiöse Flurdenkmale, Marterl und Bildstöcke am nördlichen Ammersee", das vom Verein Kulturlandschaften Ammersee-Lech aufgelegt wurde.

Türkenfeld: Im Rahmwald östlich des Weilers Burgholz am alten Echinger Weg steht ein Feldkreuz.

Im Rahmwald östlich des Weilers Burgholz am alten Echinger Weg steht ein Feldkreuz.

(Foto: Gemeindearchiv Türkenfeld / oh)

Satz, Layout und Bildbearbeitung nahm Hess selbst vor, der sich über die "durchweg große Resonanz" freut. "Die Idee dabei war, mit dem Buch in der Hand eine Art Feldkreuzwanderung zu machen", verrät der Archivar. Daher habe er die im Buch abgebildete Übersichtskarte zu den Standorten separat in größerem Format drucken lassen, die er Interessenten gerne an die Hand gibt. Quasi zur Einführung bietet Hess im Buch Informationen zur Entwicklung der Denkmale sowie Begriffserklärungen an. Manche Denkmale seien schon mehrmals renoviert worden, andere "leider dem Verfall nahe", bedauert Hess.

Türkenfelds Bürgermeister Emanuel Staffler (CSU) würdigt das Werk als wichtige Zusammenstellung, die dazu ermuntern soll, die Kulturlandschaft unter einem besonderen Blickwinkel zu entdecken und zu genießen. Die Denkmale spiegeln neben persönlichen Schicksalen und Tragödien auch tiefgreifende Ereignisse wie Hungersnöte, Krankheiten und Kriege wider. Hess durchstreifte für die Sammlung Wälder, Felder und Wiesen, sprach mit Grundbesitzern und Einwohnern und durchforstete Gemeinde- und Kirchenarchive, um möglichst umfassende Informationen zu bekommen. Er habe dabei wertvolle Hinweise gefunden, zum Beispiel Original-Erlaubnisscheine zum Aufstellen, die zum Ende des 19. Jahrhunderts das Bezirksamt Fürstenfeldbruck ausgestellt hatte, verrät Hess. Für die Segnung eines Flurdenkmals habe man damals eine "Gestattung einer gottesdienstlichen Veranstaltung im Freien" benötigt.

Türkenfeld: Ein besonders schönes Feldkreuz steht seit Beendigung der Flurbereinigung Anfang der Siebzigerjahre am Gollenberg.

Ein besonders schönes Feldkreuz steht seit Beendigung der Flurbereinigung Anfang der Siebzigerjahre am Gollenberg.

(Foto: Dieter Hess / Gemeindearchiv Türkenfeld / oh)

Hess zufolge war die Kirche von religiösen Symbolen in der Landschaft wenig begeistert, doch die Menschen hätten sich mit dem Wunsch durchgesetzt, dort Gebetsorte und Gedenkstätten zu schaffen. Manche Menschen empfänden diese Denkmale auch heute noch als "Kraftorte". Die dargestellten Feldkreuze sind meist aus Holz mit Blechdach und tragen ein Kruzifix. Ein besonders schönes Exemplar steht am Gollenberg und wurde zum Abschluss der Flurbereinigung 1971 aufgestellt. Im Rahmwald östlich des Weilers Burgholz am alten Echinger Weg steht eines, das zusätzlich mit "Leidenswerkszeugen" ausgestattet ist. Der Beschreibung nach handelt es sich um ein Arma-Christi-Kreuz, mit dem die Qualen und das Sterben Christi zum Ausdruck gebracht werden soll.

Türkenfeld: Manche Denkmale stehen auch unmittelbar im Dorf, wie die Mariensäule in der Duringstraße.

Manche Denkmale stehen auch unmittelbar im Dorf, wie die Mariensäule in der Duringstraße.

(Foto: Dieter Hess / Gemeindearchiv Türkenfeld / oh)

Etliche Denkmale sind der Gottesmutter geweiht, manche sind auch im Dorf zu finden, wie die Mariensäule in der Duringstraße. Ein Bildstock an der Schlesierstraße lobpreist die heilige Magdalena und erinnert an Magdalena und Georg Stangl, die einst einen Gemischtwarenladen betrieben. Bei Pleitmannswang befindet sich in einem Bildstock eine Figur des heiligen Wendelin, die der Türkenfeder Holzschnitzer Max Feustl schuf. Bei Pleitmannswang gibt es ein Feldkreuz mit Totenbrettern, auf denen in früheren Zeiten die Verstorbenen zu Hause aufgebahrt wurden. Im Buch finden sich auch die Kriegerdenkmäler der Ortsteile, "weil sie die Erinnerung an die Gräuel der Weltkriege und an die Gefallenen wachhalten und zum Frieden mahnen".

"Religiöse Flurdenkmale - Wegkreuze, Marterl und Bildstöcke am nördlichen Ammersee". Zu erwerben für zehn Euro im Rathaus Türkenfeld.

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