Fürstenfeldbruck:Der Langzeit-Landrat

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Fürstenfeldbruck: Thomas Karmasin, Landrat von Fürstenfeldbruck, ist jetzt ein Sechziger.

Thomas Karmasin, Landrat von Fürstenfeldbruck, ist jetzt ein Sechziger.

(Foto: Leonhard Simon)

Thomas Karmasin steht seit 1996 an der Spitze des Landkreises Fürstenfeldbruck. An diesem Montag wird er 60 Jahre alt.

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Und die Wahl fiel auf George Clooney. Ja klar, möchte man sagen, Clooney sieht blendend aus, und bekannt ist er auch. Als Thomas Karmasin kürzlich von der Presseabteilung seiner Behörde gefragt wurde, welchen Schauspieler er sich wünschen würde, falls sein Leben dereinst verfilmt würde, nannte er den US-amerikanischen Beau - allerdings mit einer ganz anderen Begründung: Der werbe für Espresso, "und das passt ganz gut". Karmasin ist Liebhaber der italienischen Lebensart, und da gehört der Espresso dazu. In Italien macht er gerne Urlaub, hat Freunde dort. An diesem Montag, seinem 60. Geburtstag, bleibt der Landrat von Fürstenfeldbruck allerdings im Lande.

Er sei ein "Brucker-Land-Politiker", hat er mal über sich selbst gesagt

Dem Landkreis, in dem er schon zur Schule gegangen ist, ist er immer treu geblieben. Er sei ein "Brucker-Land-Politiker", einer "aus der Region für die Region", sagte er mal über sich. Seit mittlerweile 26 Jahren ist Karmasin Landrat und lässt ehemalige Langzeitpolitiker wie Helmut Kohl oder Angela Merkel, die beide jeweils 16 Jahre lang Kanzler respektive Kanzlerin waren, wie Kurzzeitregenten aussehen. Und mindestens dreieinhalb Jahre stehen Karmasin ja noch bevor. Monarchische Amtszeiten seien undemokratisch, rief ihm ein Konkurrent im Wahlkampf 2020 zu, doch bei den Wählern verfing die Einlassung nicht. Zum fünften Mal stimmten sie für Karmasin als Landrat, nur ein einziges Mal - ganz am Anfang seiner politischen Laufbahn - musste er in die Stichwahl.

Fürstenfeldbruck: Thomas Karmasin auf einem Foto von 1999.

Thomas Karmasin auf einem Foto von 1999.

(Foto: Günther Reger)

33 Jahre war er damals, als er jüngster Landrat Bayerns wurde. Seither hat er jede Menge kommunalpolitische Erfahrung hinzugewonnen. Und wohl auch ein wenig Weisheit und Gelassenheit. Er blicke "ungern auf manche emotional aufgeladene Kreistagsdebatte in der Anfangszeit zurück", sagt er deshalb und übt sich in Selbstkritik. Als junger Mann habe er noch nicht die Souveränität gehabt, "die wünschenswert gewesen wäre, um das zu vermeiden".

Für Politik begann Karmasin sich schon zu seiner Zeit am Germeringer Max-Born-Gymnasium zu interessieren. Aus Opposition gegen einige 68er unter den Lehrern und deren "Missionseifer" sei er konservativ geworden, erzählt er. Nach dem Jurastudium arbeitete er als Rechtsanwalt in einer Münchner Kanzlei, ehe ihn die CSU im Landkreis 1996 als Überraschungskandidaten bei den Kommunalwahlen präsentierte. Auf die unendlich vielen Begegnungen mit Menschen während seiner langen Amtszeit blickt er gerne zurück und auch auf jene vielen Themen, die er "lernen und kennenlernen durfte", wie er sagt, und denen er als Anwalt wohl nicht in gleicher Weise begegnet wäre.

Ein Visionär ist der Politiker Thomas Karmasin nicht, eher ein Realist. Ein bloßer Verwalter, sagen andere, die ihm politisch weniger wohlgesonnen sind. Sein Privatleben hat er immer rausgehalten aus seinem öffentlichen Leben. Er ist zweimal geschieden und seit vorigem Jahr in dritter Ehe verheiratet. Die beiden Töchter aus erster Ehe sind längst erwachsen.

Im Laufe der Zeit hatte er als Landrat immer mehr Krisen zu managen: die Zuwanderung seit 2015, verbunden mit der Suche nach Wohnraum für jene Menschen, den es im Großraum München eigentlich nicht gibt. Die Corona-Zeit mit Impfen, behördlichen Auflagen und Kontaktnachverfolgungen. Seit Jahresanfang das Unterbringen weiterer Geflüchteter, aus der Ukraine, aber nicht nur von dort. Karmasin warnt vor einer erneuten Überforderung der Kommunen.

Seit Mai ist er oberster Interessenvertreter der bayerischen Landkreise

Das tut er auch im Namen der übrigen Landkreise. Seit Mai ist er als Präsident des bayerischen Landkreistags ihr oberster Interessenvertreter (und seit September auch Vizepräsident beim deutschen Landkreistag). An diesem Montag wollen ihn die bayerischen Landräte hochleben lassen. Ministerpräsident Markus Söder wird bei der Feier in München die Festrede halten. Karmasin will dennoch bescheiden bleiben: Gerade jetzt, wo viele sich Sorgen machten, wie sie über die Runden kommen, "muss man nicht auf den Putz hauen", sagt er.

Am Freitagnachmittag laden dann seine beiden Stellvertreter Freunde, Kollegen und Weggefährten zu einer Feier ins Fürstenfeldbrucker Landratsamt ein. Und dann bekommt er dieser Tage auch noch den bayerischen Verfassungsorden verliehen - neben zahlreichen anderen wie Claudia Roth, Felix Neureuther, Martina Schwarzmann und Bully Herbig.

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